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Mulesing-frei

Was ist Mulesing?

Das sogenannte Mulesing (englisch [ˈmjuːlziŋ]) ist ein Begriff, der inzwischen immer häufiger zu hören und zu lesen ist und zunehmend für öffentliche Diskussionen sorgt. Mulesing bezeichnet einen sehr schmerzhaften Eingriff an Merinoschafen mit dem Ziel, den Befall des Tieres mit Larven einer speziellen Fliege (Lucilia cuprina) zu verhindern.

Anfang des 14. Jahrhunderts in Spanien gezüchtet, kamen die Merinoschafe vor gut 200 Jahren nach Australien und Neuseeland, wo sich die Schafzucht und die Produktion von Wolle immer mehr zu einer Industrie entwickelt haben. Zur Zeit gibt es in Neuseeland über 40.000.000 Millionen, in Australien über 110.000.000 Millionen Schafe. Die Merinowolle ist eine der edelsten Wollsorten der Welt. Deshalb wird die Naturfaser neben Alltagskleidung häufig für Funktionsunterwäsche und Outdoor-Bekleidung verwendet.

Parasitenbefall mit Folgen

Durch das Züchten von faltiger Haut, was natürlich mehr Hautfläche und damit mehr Wolle bedeutet, sind die Merinoschafe besonders anfällig für die Fliegenlarvenkrankheit (Myasis), denn die Fliegen legen ihre Eier gerne in den Hautfalten, besonders im oft verunreinigten und feuchten Bereich um den Schwanz der Tiere, ab. Die schlüpfenden Larven bohren sich in die Haut der Schafe und verursachen Infektionen. Dies kann unbehandelt bis zum Tod der Merinoschafe führen.

Das Mulesing, in den 1930er Jahren von John W. H. Mules in Australien entwickelt, bezeichnet das Wegschneiden eines Tellergroßen Stückes Haut im Bereich des Afters der Schafe. Dieser äußerst schmerzhafte Eingriff wird vielfach immer noch ohne Betäubung vorgenommen, obwohl es bereits Alternativen gibt. Die dadurch entstehende offene Wunde wird nicht weiter behandelt und so bietet die Haut dort paradoxerweise zunächst auch ein attraktives Milieu zur Eiablage durch die Fliege. Erst nach der Vernarbung bietet die glatte Haut an der Stelle dann keine Möglichkeit der Ablage mehr. Alle anderen Hautfalten am Körper der Tiere bleiben allerdings auch weiterhin "Angriffsflächen".

Die Nachfrage nach mulesingfreier, "unblutiger" Merinowolle steigt

Wenn man erfährt, was das Mulesing für die Tiere bedeutet, ist es nur verständlich, dass Forderungen nach Merinowolle, für die die Schafe nicht mehr leiden müssen, immer lauter werden.

Tierschutzorganisationen wie PETA prangern die grausame Praktik des Mulesing schon lange an und sensibilisieren die Menschen für das Leid der Schafe. Auch viele Unternehmen verzichten mittlerweile völlig auf Wolle von Schafen, bei denen Mulesing Anwendung findet.

Kein Mulesing mehr in Neuseeland

Einer der größten bisher erzielten Erfolge im Kampf gegen Mulesing, ist wohl das im Jahr 2018 in Neuseeland verhängte Verbot. Mulesing ist dort nunmehr ein Straftatbestand und wird mit hohen Geldstrafen belegt. Es ist ein Meilenstein im globalen Kampf gegen das Mulesing und damit für den Schutz der Tiere. Darüber hinaus wird solch ein starkes Signal aus einem Land, das zu den weltweit größten Exporteuren von Wolle gehört, sicherlich auch Auswirkungen auf andere Länder wie Australien haben. Denn es ist leider so, dass noch immer nur ein kleiner Prozentsatz australischer Schafe mulesing-frei ist, denn die Alternativen sind kosten- und arbeitsintensiv. Daher sollte man beim Kauf auf mulesingfreie Wolle achten.

In Australien gilt nur ein "freiwilliges Verbot", bei dem jeder Schafzüchter selbst entscheiden kann, ob er bei seinen Schafen Mulesing anwendet oder nicht. Es heißt, dass mittlerweile etwa 60 % des Mulesing unter Betäubung stattfinden soll. Alternativen wie Fliegenfallen oder das Züchten von Schafen mit weniger Falten, die somit weniger Angriffsfläche für Parasitenbefall bieten, haben sich scheinbar noch nicht durchgesetzt.

In Deutschland ist Mulesing generell verboten und in einigen Ländern der Welt existieren die besagten Fliegen gar nicht, sodass dort mulesing-freie Wolle garantiert werden kann. Hierzu zählen unter anderem Uruguay oder Patagonien in Südamerika, Spanien und Portugal in Europa sowie Südafrika. Ein offizielles mulesing-free Label gibt es bisher nicht, jedoch kannst Du Labels wie GOTS (Global Organic Textile Standard) oder IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.), sowie die kbT-Zertifizierung (kontrolliert biologische Tierhaltung) mit gutem Gewissen vertrauen und hast die Sicherheit der artgerechten Tierhaltung.

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