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Zelte
Autor: Unterwegs

Vorweg muss gesagt werden, dass es leider noch nicht das perfekte Zelt für jede Situation gibt. Kein Zelt ist jeder Situation gewachsen. Deshalb ist es sinnvoll, vor dem Zeltkauf genau zu wissen wann, wo und wie das Zelt eingesetzt wird. Der Zeltkauf ist immer ein Kompromiss zwischen Eckpunkten wie Einsatzzweck, Platzbedarf, Material, Verarbeitungsqualität, Gewicht und Packmaß.

Selbst bei überschaubaren Touren ist es möglich, dass etwas unvorhersehbares passiert (Wetterumschwung o.ä.): Die Zuverlässigkeit des Zeltes ist entscheidend - im Extremfall kann Ihr Leben daran hängen - zumindest aber die Gesundheit, wenn man an die zahlreichen "abgesoffenen" Zelte nach einem heftigen Regen denkt. Der damit verbundene höhere Preis relativiert sich, wenn die höhere Haltbarkeit - insbesondere des Gestänges und der Wasserabdichtung - und die bessere Funktionalität berücksichtigt werden.

Die meisten Zelte, die sich heutzutage auf dem Markt befinden, sind sogenannte Doppeldachzelte. Bei dieser Art von Zelt wird ein wasserdampfdurchlässiges (atmungsaktives) Innenzelt von einem wasserdichten Außenzelt überspannt. Die Zeltbewohner geben beim Atmen oder beim Kochen Feuchtigkeit ab. Diese Feuchtigkeit kann das Innenzelt passieren und kondensiert am Aussenzelt. In der Regel bleiben die Insassen trocken. Zu Problemen kann es nur bei langen Regenperioden oder bei Nebel kommen. Auch unter der Isomatte kann sich Kondensflüssigkeit sammeln, da sie sich an kalten Flächen niederschlägt und der Bereich unter den Isomatten meistens der kälteste Punkt im Zelt ist.

Bei den Zeltkonstruktionen dominieren Tunnelzelte und Kuppelzelte. Pyramiden oder Firstzelte werden ausser als Familienzelt kaum noch verwendet. Pyramidenzelte werden durch eine Mittelstange aufgestellt und bieten bei einer relativ grossen Grundfläche wenig nutzbaren Raum. Firstzelte (Giebelzelte) bieten bei relativ grosser Grundfläche ebenfalls einen wenig nutzbaren Innenraum und geringe Kopffreiheit.

Die einfachste Form eines Kuppelzeltes ist die Kreuzkuppel. Zwei Stangen kreuzen sich im Zenit. Bei diesem Zelttyp ist das Innenzelt selbstragend und steht sowohl mit als auch ohne Heringe. Die Gestängekanäle verlaufen meist am Innenzelt und das Aussenzelt wird hinterher am Innenzelt befestigt. Diese Konstruktion braucht nur wenige Heringe und bietet aufgrund der steileren Seitenwände genügend Kopffreiheit. Diese Art von Zelt bietet dem Wind von jeder Seite her die gleiche Angriffsfläche und lässt sich nach dem Aufbau herumtragen um den richtigen Standort zu finden.

Geodäten sind Kuppelzelte, bei denen sich die Stangen mehrmals kreuzen, und Kräftedreiecke bilden. Die Seitenwände sind oftmals noch steiler als die der normalen Kuppel und ihr etwas höheres Gewicht ist durch den erhöhten Materialeinsatz zu begründen. Insgesamt steht ein Geodät konstruktionsbedingt ruhiger im Wind als irgendein anderer Zelttyp.

Tunnelzelte zeichnen sich meist dadurch aus, dass das Zelt durch zwei gleichlange Stangen getragen wird und eine Halb-tonnenform bildet. Sie benötigen jedoch eine Abspannung in Längsrichtung , da sie ohne Heringe nicht stehen können. Tunnelzelte bieten die beste Raumausnutzung und eignen sich als Längslieger (längs dem Tunnel) besonders für grosse Personen. Die Querliegervariante hingegen besitzt die (viel) grössere Apsis. Mit einem zusätzlichen Gestängebogen erhält das Tunnelzelt eine luxuriöse Apsis (einer der grössten Vorteile beim Tunnelzelt). Beide Formen benötigen zusätzliche Abspannpunkte um im Wind ruhig zu stehen. Das Tunnelzelt kann im Allgemeinen am schnellsten und unkompliziertesten aufgebaut werden.

Neben der Form wird bei den Doppeldachzelten auch nach der Aufbaumethode unterschieden. Es gibt die sogenannte Innenzelt-zuerst Methode, bei der das Innenzelt zuerst aufgebaut und danach das Aussenzelt übergeworfen wird. Bei Regen muss ein bisschen getrickst werden, da sonst das Innenzelt beim Aufbau nass wird. Aber bei schönem Wetter kann das Aussenzelt weggelassen und das Innenzelt als äußerst luftige Behausung alleine genutzt werden.

Bei der Aussenzelt-zuerst Methode befinden sich die Gestängekanäle entweder innen oder aussen am Aussenzelt. Dieser Typ wird zuerst mit dem Aussenzelt aufgebaut und das Innenzelt ist in den meisten Fällen schon mit dem Aussenzelt verbunden. Bei Regen bleibt somit das Innenzelt trocken und das Aussenzelt kann bei schlechtem Wetter ohne Innenzelt als Schutzraum verwendet werden.

Bei den Aussenmaterialien wird Baumwolle nicht mehr häufig verwendet. Die Vorteile des Baumwollzeltes sind die Luftdurchlässigkeit und die Aufnahme des Regenwassers, das heißt das Zelt ist wasserdicht (solange nichts oder niemand von innen gegen das Zelt kommt) ohne eine Beschichtung zu verwenden. Baumwolle kann man pflegen und sie dadurch haltbar machen, sie wiegt jedoch im trockenen, und im nassen Zustand erst recht, viel mehr als Kunstfaserstoffe.

Polyamid (Nylon) Ist sehr leicht, reiß- und scheuerfest, dehnt sich jedoch bei Nässe, was wiederum ein nachspannen erforderlich macht. Ausserdem ist es gegenüber anderen Materialien empfindlicher gegen UV-Strahlen und sauren Regen.

Ripstopnylon ist eine Variante des „normalen„ Nylons und wird mit Verstärkungsfäden gewoben um die Reißfestigkeit zu erhöhen. High Tenacity Ripstopnylon ist ein extrem dicht gewebtes Ripstopnylon, welches ein Höchstmaß an Stabilität und Reißfestigkeit bietet.

Polyester ist ein leichtes Gewebe, das sich bei Nässe nicht dehnt und Reiß- und Scheuerfest ist. Im Gegensatz zu anderen Materialien flattert es im Wind und erzeugt lautere Geräusche.

Beschichtungen

Damit die meisten Materialien wasserdicht werden , müssen sie beschichtet sein. Baumwolle braucht keine Beschichtung, da sie bei Nässe aufquillt und somit die Gewebezwischenräume verschließt. Für die restlichen Materialien kommen folgende Beschichtungen in Frage:


  • Vinyl (PVC) hat den Vorteil, dass es billig in der Herstellung, jedoch nicht umweltverträglich ist. Bei Kälte kann es zudem schnell brechen.
  • Acryl (PAC) ist genauso wie Vinyl billig in der Herstellung, bricht jedoch bei Kälte und schwächt das Trägergewebe.
  • Poyurethane (PU) besitzt eine hohe Stichfestigkeit, deshalb wird es auch häufig als Beschichtung des Bodens verwendet. Bei Kälte bleibt diese Beschichtung weich und geschmeidig, schwächt jedoch das Trägermaterial und sollte deshalb nur dünn aufgetragen werden, wenn es als Aussenmaterial verwendet wird. Des weiteren lässt sich PU gut tapen (siehe Nahtvertapung).
  • Silikone erhöhen die Reißfestigkeit des Trägerstoffes und weist eine sehr gute UV-Beständigkeit auf und ist zugleich sehr elastisch und dauerhaft. Dadurch, dass es nicht getaped werden kann, muss das Aussenzelt besonders sorgfältig vernäht werden. Die Beschichtung ermöglicht eine sehr gutes Abperlen des Wassers, ist aber bei hohen punktuellen Drücken überfordert (Dies spielt aber nur beim Boden eine Rolle).


Wasserdichtigkeit

Die Wasserdichtigkeit kann durch einen Wassersäulenwert (z.B.: 5000 mm Wassersäule) angeben werden. Dieser Wert kann jedoch nicht als ausschlaggebend für die garantierte Wasserdichtigkeit beim Gebrauch angesehen werden. Viel Wichtiger ist das Abperlverhalten des Aussenmaterials, denn wenn das Wasser abperlt, wird kein Druck auf die Beschichtung ausgeübt und das führt dazu, dass bei einem Zelt mit einer sehr niedrigen Wassersäule und einem sehr guten Abperleffekt beste Werte bei der Wasserdichtigkeit gemessen werden. Um so wichtiger ist deshalb wie hochwertig und langlebig die Beschichtung und Imprägnierung ausfällt (Verarbeitungsqualität).

Gestänge und Befestigungen

Das Gestänge ist das „tragende Element" des Zeltes. Nur mit dem richtgen Materialmix aus Elastizität und Zugfestigkeit kann ein Zelt unterschiedlichen Anforderungen genügen. Die einzelnen Stangensegmente werden durch Gummibänder zusammengehalten.

Das bekannte Fiberglassgestänge wird hohl oder massiv gefertigt. Beide Varianten sind schwer und Splittern im Falle eines Bruches so, dass man keine Reparaturhülse zur Reparatur während einer Tour verwenden kann.

Alugestänge sind steifer, leichter und stabiler als Glasfiberstangen. Damit die Stangen leichter durch die Gestängekanäle rutschen, liegen die Verbindungshülsen innen. Sog. Featherlightstangen besitzen selbst diese nicht mehr: hier wird das Alu gezogen, damit sich ein Ende verjüngt und in das Ende der nächsten Stange passt.

Aluminiumstangen werden in unterschiedlichen Qualitäten gefertigt. Die Numerierung 7075 bezeichnet die Art der Legierung und das Kürzel T9 steht für die Elastizität. Die Skala reicht von T1 (eher weich) - bis T10 (sehr steif). Gestänge aus dem mittleren bis oberen Preissegment werden eloxiert oder beschichtet, damit das Aluminium vor Witterungseinflüssen weitestgehend geschützt wird. Des weiteren rutscht das Gestänge durch diese Oberflächenbehandlung besser durch die Gestängekanäle und klebt bei eisigen Temperaturen nicht an der Haut. Im Falle eines Bruches kann bei Aluminium entweder eine Reparaturhülse über die Bruchstelle gelegt werden oder aber das ganze Segment wird ausgetauscht. Dies funktioniert jedoch nur, wenn der Gummizug, der die einzelnen Gestängesegmente verbindet, leicht zugänglich ist.

Verarbeitung und Nähte

Da die Nähte die Sollbruchstellen des Gewebes sind, müssen diese entsprechend verarbeitet sein. Sogenannte Doppelkappnähte, bei denen der Faden durch vier Gewebeschichten verläuft, spiegeln den momentanen Schritt der Entwicklung wieder. Des weiteren sollten die Nähte sauber genäht sein.

Saubere Stiche sind ein entscheidendes Merkmal von qualitativ hochwertigen Zelten. Saubere Stiche werden durch eine langsame Nähgeschwindigkeit erreicht, welche sich letztlich aber auch im Preis bemerkbar macht. Wird ein Zelt mit einer hohen Nähgeschwindigkeit genäht, so wird die Nadel durch die Reibung am Stoff so stark erhitzt, dass sie die Löcher nur noch einbrennen kann.

Um den Wassereintritt durch die Naht zu verhindern, verwenden einige Hersteller speziell behandelte Polyesterfäden die sich bei beim Kontakt mit Feuchtigkeit aufquellen und somit die Nadelstichlöcher verschliessen. Diese Art der Verarbeitung ist sehr kostspielig und wird deshalb nicht in den populären Preisklassen angewandt. Die Zelte der populären Preisklassen besitzen PU- Beschichtungen und können somit getaped werden, um die Nähte wasserdicht zu versiegeln.

Doch kein Nahttape hält ewig und dann muss das Zelt von Hand mit Nahtdichter abgedichtet werden. Dazu wird das Zelt aufgestellt und sauber abgespannt. Der Nahtdichter wird dünn auf die undichten Stellen der Naht aufgetragen und trocknen gelassen.

Innenzeltmaterialien

Baumwolle und ähnliche Mischgewebe werden kaum noch verwendet, da sie zu viel Feuchtigkeit aufnehmen und die Gefahr der Schimmelbildung zu hoch ist. Moderne Nylonstoffe sind eindeutig leichter und nehmen kaum Feuchtigkeit auf und sind sehr luftdurchlässig. Es besteht ausserdem die Möglichkeit, diese Materialien (kurzzeitig) nass zu verpacken.

Die Kunst besteht darin, einen Kompromiss zwischen der Luftdurchlässigkeit und der wasserabweisenden Eigenschaft zu finden. Zum einen muss das Gewebe soviel Luftfeuchtigkeit wie möglich nach aussen lassen, darf aber gleichzeitig die vom Aussenzelt heruntertropfenden Kondenstropfen nicht durchlassen.
Da die Zeltböden einer viel grösseren Belastung standhalten müssen, als dies beim Aussenzelt der Fall ist, werden in der Regel fast ausschließlich PU- beschichtete Nylon- oder Polyesterböden verwendet.

Zeltpflege

Am einfachsten ist es ein Zelt zu pflegen, indem es sorfältig behandelt wird. Die sorgfältige Behandlung fängt mit der Verwendung einer Zeltunterlage, um Spitze oder scharfe Gegenstände vom eigentlichen Boden fern zu halten, an. Nach längeren Touren ist es von Nöten, die Reissverschlüsse mit einer feinen Bürste (Zahnbürste) zu reinigen und mit einem Silikonöl zu fetten und Verunreinigungen des Aussenzeltes mit einem feinem Schwamm zu säubern. Vor jeder Tour ist es ratsam, den Zeltsack auf den korrekten Inhalt zu überprüfen (Heringe vollständig, Reparaturmaterial eingepackt,...).


Datum: 2011-05-02 12:01:31
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