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Herbstwanderung auf dem Bohusleden (Autor: )
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Wir stiegen wir an einem Samstag Ende September um 00:58 Uhr in einen Zug von Koblenz in Richtung Hamburg. Ziel Schweden. Besser gesagt die Stadt Göteborg, die wir in rund 16 Stunden und mit zwei Sparpreis Europa Tickets der Bahn in der Tasche erreichen wollen.

Dort angekommen ist es Nachmittag. Wir sind erschöpft, aber noch nicht am Ziel. Mit einem Regionalzug fahren wir noch einmal rund eine Stunde weiter nach Norden, bis wir in Ljungskile das Ziel unserer heutigen Tortur… das Ziel unserer heutigen Tour erreicht haben. Mehr als sechzehn Stunden im Zug oder mehr als sechzehn Kilo Gepäck auf dem Rücken? In ein paar Tagen werden wir wissen, was anstrengender ist. Für heute ist mir jedenfalls beides ziemlich egal. Ich will nur noch schlafen und bin erschöpft wie lange nicht mehr. Eigentlich wollten wir am Abend noch ein Stück in den östlich von Ljungskile liegenden Wald wandern, in dem sich unser eigentliches Ziel befindet, der Fernwanderweg Bohusleden. Daraus wird aber nichts, denn in der Dunkelheit finden wir uns vermutlich ohnehin nicht mehr zurecht. Da kommen Martins Umsicht und der von ihm entdeckte Schulhof einer Grundschule wie gerufen. Dort steht ein kleines Kinderspielhaus, gerade groß genug um darin zwei Isomatten unterzubringen. Wir verzichten auf ein Abendessen und fallen in den längst überfälligen Tiefschlaf. Unsere Anwesenheit ist in dem kleinen Städtchen jedoch nicht unbemerkt geblieben und so schauen um neun Uhr und nachts um zwei ein paar Jugendliche vorbei und erkundigen sich nach unserem Befinden. Auch wenn wir Verständnis für deren Neugier haben, liegt uns doch mehr daran zu schlafen.

Wandern Bohusleden

Am nächsten Morgen erwachen wir gegen 7 Uhr. Erholt. Wach. Fit. Ab jetzt machen wir uns auf den Weg in den Wald. Wir verlassen den Ort und laufen nur noch an vereinzelten Häusern vorbei, die hier und da einsam im Wald stehen. An einem dieser Häuser endet der befahrbare Weg. Von nun an geht es nur noch auf einem schmalen Wanderweg weiter. Diesen zu finden ist jedoch schwierig und es wäre noch schwieriger geworden, wäre da nicht ein Schwede gewesen, der an diesem letzten Haus am Ende des Weges lebt. Er ist gerade damit beschäftigt seinen Grill zu reinigen und begrüßt uns mit viel Freude und Interesse an unserer Tour. Er bietet uns an unsere Trinkflaschen zu füllen und erzählt etwas von seinem Teilzeitleben ohne Strom und Wasseranschluss hier draußen im Wald. Von seiner Sauna unten am See und von der Schönheit der Umgebung, die wir mit ihm zusammen ein wenig bestaunen. Von nun an geht es durch dichten Wald.

Am Mittag machen wir eine Pause an der Ruine eines alten Bauernhofes, der wohl in den 1950er Jahren hier draußen aufgegeben wurde. Außer ein paar Steinen, verrosteten Töpfen und intakten Gummischuhsohlen ist nichts mehr vom einstigen Gehöft zu erkennen. Wir wandern weiter und erreichen unser Ziel, den Aborrevatten. Einen kleinen See an dessen Ufer eine hölzerne Schutzhütte steht, wie man sie vielerorts in schwedischen Wäldern finden kann. Wir beziehen diese und verbringen den Rest des Tages damit, durch den umliegenden Wald zu streifen, ein wenig Feuerholz zu sammeln und die Ruhe zu genießen. Der See liegt in einem Naturreservat und vereinzelt sehen wir am gegenüberliegenden Ufer Wanderer. Zu uns verirrt sich aber niemand. Der Tag war bisher sehr trüb, doch am Abend kommt die Sonne hervor. In einer vorhandenen Feuerschale entfacht Martin ein kleines Feuer und wir wärmen auf dem Gaskocher unsere Tütenmahlzeiten als Hochgenuss des heutigen Tages. Die kilometermäßigen Anforderungen des heutigen Tages waren überschaubar, der Genuss grenzenlos.

Bohusleden

Auch am zweiten Tag in Schweden erwachen wir wieder gegen sieben Uhr. Der Himmel ist bedeckt und es ist herbstlich. Als ich nach meinem Frühstück meine Müsli-Schale im See ausspüle, findet kurze Zeit später ein großer Fisch Gefallen an den wenigen, verbliebenen Haferflocken. Für Angler sicher ein lohnendes Ziel. Wir machen uns auf den Weg und folgen einem abwechslungsreichen Weg weiter in östlicher Richtung. Nach einiger Zeit treffen wir auf den Bohusleden. Von nun an geht es wieder nach Süden. Den Weg, den wir von Göteborg aus mit dem Zug in Richtung Norden gefahren sind, werden wir nun durch den Wald zurück wandern. Uns umgibt nichts als Wald, hier und da ein paar kleinere Seen und Natur pur. Der Bohusleden ist meist gut zu finden, denn in kurzen Abständen sind Bäume mit orangen Markierungen versehen. Dass man sich dennoch einmal verläuft ist nicht ausgeschlossen und passiert auch uns. Eine Karte ist hilfreich, aber Ausdrucke der schwedischen Katasterbehörden, die man im Internet kostenfrei finden kann, tun’s auch. Wenn auf einmal rechts von uns im Wald ein See auftaucht, der dort nicht sein sollte, dann ist das ein Zeichen nochmal zurück zu gehen.

Seen, Sumpf und Wälder – Herbst in Schweden

Wir erreichen einen größeren See, den Store Väktor, der fast schon ein wenig wie ein Fjord aussieht. Die Hänge am Ufer sind von buntem, leuchtendem Herbstwald überzogen, da die Sonne sich durch die Wolken gekämpft hat. Es ist T-Shirt-Wetter. Weiter geht es auch mal über Wiesen und durch Windbruchflächen. Immer in stetigem auf und ab. Ein Auerhahn schreckt vor uns im Unterholz auf und flattert davon.

Anstrengend wird es, als der Weg nach dem Überqueren einer Straße schnurstracks einen steilen Berghang hinauf verläuft. Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel am See Djupevatten. Auch hier steht wieder eine Windschutzhütte in der wir schlafen werden. Sie ist zwar diesmal nicht so sauber und in eher schlechterem Zustand, aber wir sind nur zum Schlafen hier. Nicht ganz. Das Wetter ist zwischenzeitlich so gut, dass ich ein Bad im See nehme. Die Sonne geht am gegenüberliegenden Ufer hinter dem Wald unter. Der Mond steigt auf und spiegelt sich im Wasser als es Zeit wird im Schlafsack zu verschwinden.
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