schließen
NONE
Türkei, Antalya – lykischer Weg (Autor: Uwe Wohlfarth)
1 2

Schwer bepackt machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Es ist eisig kalt, gerade mal 4 °C, aber mit dicken Jacken wollen wir unser Gepäck nicht belasten, wenn wir die ohnehin schweren Rucksäcke später durchs Gebirge schleppen. Mit der S-Bahn ist es schnell und bequem, Check-In, Sicherheitskontrolle und ab in den Flieger, der trotz aller Ahnungen fast auf den letzten Platz belegt ist. 3 Stunden später sind wir gegen 19 Uhr Ortszeit in Antalya und können direkt vom Flughafen mit der Straßenbahn ins Zentrum fahren. Mittels Durchfragen und moderner Technik finden wir auch im Gewirr der Altstadtgassen die Camel-Pension, lassen das Gepäck fallen und machen unten im Eingangsbereich erst einmal eine Pause, während Sherif, der Besitzer, mit einigen Gästen schon auf der alkoholischen Zielgeraden ist. Wir schlendern noch ein bisschen durch die Gassen, gönnen uns in einen gemütlichen Hostel um die Ecke auch noch ein Bier und fallen bald in die Betten.

Antalya


Wir sind froh, noch einen weiteren Tag in der Stadt zu verbringen, ohne gleich weiter zu hetzen. Nur wenige Meter von der Pension ist eine kleine Bäckerei, wo wir uns mit Tee und leckeren gefüllten Teigtaschen versorgen. Nachdem wir die monetäre Lage aufgebessert haben, schauen wir uns die Stadt an, schlemmen köstliche, frisch gepresste Säfte an Straßenständen, versuchen, den zuweilen aufdringlichen Angeboten der Händler im Basar auszuweichen, bewundern die kunstvoll präsentierten Gewürzberge und sind schon auf den ersten Tee eingeladen – Granatapfeltee mit Hibiskusblüten und ein Gewürztee, der es in sich hat und vor lauter Menthol die Tränen in die Augen treibt. Nach einiger Suche finden wir auch den Markt der Kunstschmiede und anderer kleiner Handwerker. Uwe wird von einem älteren Herren erkannt, der gleich um die Ecke handgemachte Schuhe verkauft und uns beharrlich zum Tee einlädt. Nebenan ist ein kleiner Lebensmittelmarkt mit Grillstand. Leider gibt es dort nichts für Vegetarier, obwohl für die Fleischspieße viel frisches Gemüse benutzt wird. Wir kaufen noch Käse für unsere Tour zu minimalen Preisen. Auf dem Rückweg finden wir auch noch einen Fischimbiss, so dass nun auch der fleischfreie Magen mit einem Fischbrötchen und frischen Salat versorgt ist.

Gewürzstand


Da unser Zimmer auch eine kleine Küche beinhaltet, packen wir unser Trekking-Käse-Paket in den Kühlschrank und genießen das Flair der Altstadt für den Rest des Tages. Zwei Kampfflieger stören die durch ausbleibende Touristen angenehme Ruhe. In einer kleinen Reiseagentur erkundigen wir uns nach dem Bus nach Fethiye, wo wir am nächsten Tag unsere Trekkingtour beginnen wollen. Um 9 Uhr soll ein Kleinbus fahren – wir sind gespannt. Die Altstadt und der Hafen sind wirklich schön. Überall Blumen in den Gassen, friedlich liegen Hunde neben Katzen, die meisten Händler sind nicht aufdringlich.

Die Stadtmauer thront malerisch über der Bucht. Nur in der Ferne sieht man die Hotelburgen mit ihren Sandstränden. Am Abend sitzen wir unten in der Pension, essen leckeren Fisch mit Salat und schwatzen viel zu lange mit Sherif, bis uns bewusst wird, dass es ja hier schon eine Stunde später ist – in vier Stunden müssen wir wieder aufstehen.

Ausblick aufs Meer


Am frühen Morgen kehren wir noch kurz in der Bäckerei ein, erfreuen uns an den aus den fahrzeugeigenen Lautsprechern der Müllabfuhr klingenden Vivaldi-Tönen, laufen zur Straßenbahn und fahren zum Busbahnhof. Alles ist hier sehr modern, vor der Schalterhalle muss man durch eine Sicherheitskontrolle, aber die Preise sind sehr moderat. Wir zahlen 56 TL für beide Tickets nach Fethiye (Kurs 1 : 4). Die Fahrt ist sehr bequem. Wir sitzen in der ersten Reihe und haben Blick auf schneebedeckte Berge und die unterschiedlichsten Dörfer. In den hohen Regionen zeigt sich die Armut der Gegend – viele verfallene Häuser und fast nur alte Leute. In Fethiye wechseln wir den Bus, nachdem wir uns mit ausreichend Brot für die nächsten Tage versorgt haben. Wir lassen uns oberhalb von Ovac?k absetzen, gehen kurz zurück zum nächsten Laden, um Wasser zu holen und starten endlich unsere Wanderung. Wir beginnen mit einer Pause, da wir großen Hunger verspüren. Dann folgen wir der Straße, die zum Schotterweg wird und endlich auf einen Bergpfad führt. Unter uns sehen wir eine große Badebucht mit kleinen Inseln, die große Touristenzeit hat noch nicht begonnen. Wir gönnen uns hin und wieder ein paar kleine Pausen mit herrlichen Ausblicken und schlagen schließlich unser Lager an einer Zisterne auf, welche leider kein Wasser bietet. Ein türkischer Junge, um die zwanzig Jahre alt, bleibt auch am Platz, er ist wohl doch lieber nicht ganz alleine. Wir genießen den Sonnenuntergang von einem felsigen Ausguck und frösteln langsam dem Abend entgegen.

Frühstück auf den Felsen


Frühstück auf den Felsen, 600 m hoch über dem Meer. Als die im Wald grasenden Ziegen immer näher kommen und schließlich in unserem Lager stehen, ist es Zeit zum Packen. Kurz danach kommen die ersten Wanderer vorbei. Wir brechen auch auf. Es geht weiter steil bergauf mit Aussichten, die nach Pausen rufen. An einem Imbiss machen wir eine Teepause. Hirten haben hier wohl ihre Chance gesehen, sich etwas dazuzuverdienen. In Kirme weichen wir versehentlich von der Route ab und müssen den richtigen Weg suchen. Dabei entdecken wir eine Schildkröte, die nicht sehr erfreut über unsere Begegnung ist. Vielleicht haben wir sie bei ihrer Eiablage gestört. Wir finden wieder auf den Weg und sind am Nachmittag in Faralya. Im ersten Restaurant genießen wir ein kühles Bier und merken bald, dass wir vergessen haben, in Fethiye unsere Geldreserven zu sichern. Mit Euro werden wir nicht weit kommen in dieser Gegend. Wir finden einen schönen Wiesenplatz und schlagen vor Kabak unser Zelt auf. Morgens ist es eisig kalt. Die Sonne quält sich über den höchsten Felsen, bis wir endlich die Wärme spüren. Nur der Wind bleibt kalt. Oberhalb von Kabak gehen wir weiter und hoffen auf einige Quellen, wo wir unseren Wasservorrat auffüllen können. Fast alles ist absolut ausgetrocknet. Eine Quelle sprudelt noch ein wenig. Wir machen Rast, füllen Wasser auf und nutzen die Chance für eine Körperschnellreinigung. Wenig später kommen ein paar türkische Wanderer, die sich als Österreicher bezeichnen und im Dialekt den echten in nichts nachstehen. Wir treffen sie an mehreren Aussichtspunkten immer wieder und fragen, ob jemand ein bisschen Geld tauschen kann. So wechseln die Währungen hoch oben über dem Meer mitten auf dem lykischen Weg – es ist schließlich ein alter Handelsweg. In Alinca rasten wir in einem kleinen Restaurant und nehmen auch noch ein wenig Brot und Käse mit. Ein steiler Abhang liegt noch vor uns, wieder sehen wir nicht, wo der Weg hinführen könnte. Versehentlich weichen wir von der Route ab und finden uns auf der Straße wieder. Bald sehen wir unseren Weg wieder und beschließen an einer alten Zisterne unsere heutige Tour. Ein Stück dahinter, zwischen den Feldern inmitten alter Gemäuer, finden wir unseren Platz für die Nacht.

Auf dem lykischen Weg


Bevor wir weiterlaufen, schöpfen wir mühsam mit einer am Strick hängenden Tasse Wasser aus der alten Zisterne und filtern es vorsichtshalber. Der Weg ist erst eben, dann geht es wieder hinauf. In Gey pausieren wir, bestellen ein Omelett und bekommen für 30 TL dazu auch noch Salat, Joghurt und Bulgur. Tee gibt es gratis dazu, soviel man möchte. Drei Brote für je 1 TL nehmen wir auch noch mit.

Zunächst wandern wir über Feldwege, vorbei an blühenden Wiesen, die auch die Schildkröten für sich entdeckt haben, dann über schmale Pfade zwischen zwergenhaften Wäldern und schönen Ausblicken. Der Weg wird wieder anstrengender und nicht ungefährlich. Am späten Nachmittag sind wir in Bel und rasten in einer Pension. Es gibt Bier und sogar eine Dusche. Länger wollen wir jedoch nicht bleiben, da die Wirtin schon ihr großes Geschäft wittert, wir aber die Natur vorziehen. Obwohl wir geduscht haben und sie uns auch noch zwei leckere Teigtaschen brachte, verlangt sie nur das Geld fürs Bier. Wir geben gutes Trinkgeld und bekommen noch zwei Orangen mit auf den Weg. Hinter dem Dorf zelten wir auf alten Terrassen unter einem Olivenbaum.

Wandern in der Türkei


Am Morgen treffen wir auf eine Gruppe Jäger, die zum Glück nicht unseren Weg laufen. So besteht hoffentlich nicht die Gefahr, in eine Schusslinie zu geraten. Gleich darauf müssen wir 400 Meter absteigen. Das erfordert einige Konzentration und wir sind froh, wieder halbwegs ebenes Gelände zu erreichen. In Gavuragili beenden wir am zeitigen Nachmittag unsere Tour für den Tag. Wir sind ziemlich kaputt und haben keine Lust, noch einmal 200 Meter hochzusteigen. Stattdessen zelten wir oberhalb der Steilküste und nehmen in einer einsamen, steinigen Bucht ein kühles Bad im Meer.
1 2
Zum Seitenanfang

Unterwegs ist eine Firmengruppe von Outdoor-Fachgeschäften, die ihren Ursprung 1987 in Wilhelmshaven hat. Zunächst als reines Einzelhandelsgeschäft gegründet, führte das auf Service, Qualität, Fairness und Vielfalt fußende Angebot zum schnellen Wachstum.