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Wandertour Jotunheimen (Autor: Stephan Muench)
Der Regen prasselt aufs Zelt, schon seit Stunden, aus Erfahrung weiß ich, daß es hält, aber an viel Schlaf ist dennoch nicht zu denken. Zum Glück ist das am Ende der Tour – wegen des anhaltenden Starkregens beenden wir die Tour drei Tage vorher. Aber die zehntägige Wandertour durch Jotunheimen, dem „Heim der Riesen“ und höchstem Gebirge Skandinaviens fängt bei Traumwetter an. Die Bustour von Bergen nach Øvre Årdal, dem westlichen Eingangstor nach Jotunheimen dauert gut fünf Stunden und windet sich durch tiefe Täler, entlang steil aufragender Bergflanken. In Øvre Årdal wird der kleine Campingplatz für zwei Nächte Standort sein. Die kleine Eingehtour zu den alten Bergfarmen war dann am Abend purer Genuß.

Norwegens Jotunheimen - Heim der Riesen


Aber wie  so oft in den Bergen hier in Norwegen ist es extrem launisch und wechselhaft, so gab es in den nächsten Tagen einen Wechsel aus Sonne, tiefen Wolken, Nebel und  Schneeschauern. Der Start im Utladalen ist ziemlich anstrengend, weil es auf allen Pfaden extrem steil nach oben geht, aber dafür sind dann auch die Aussichten spektakulär. Der Aufstieg durch den Wald Richtung Tundra bringt uns auch schon dem Herbst näher, die Moltebeeren und Blaubeeren leuchten mit dem herbstfarbigen Laub um die Wette.

Hinter Skogadalbøen gehen wir Richtung Osten in den zentralen Teil Jotunheimens, durch sehr abwechslungsreiches Gelände, steile Bergpfade, Blockgelände wo man von Stein zu Stein balancieren mußte, rutschige steindurchsetzte Pfade… durch breite fast endlose Täler, über Paßübergänge… Wir kannten die Pfade und auch die Anstrengungen und die Zeit die mit ihnen verbunden sind, das Vorwärtskommen im Blockgelände oder diesen steinigen Pfaden ist nicht mit ausgebauten Wanderwegen in den Alpen vergleichbar. Das frustriert vor allem Norwegenneulinge.., weil man eben  z.T. sehr langsam vorwärts kommt.

Besteigung des Galdhøppigen


Viele Wanderer waren nicht mehr unterwegs, die Sommerferien waren auch in Norwegen vorbei und es neigte sich dem Saisonende zu. Aber um die DNT – Hütten (Hüttennetz des norwegischen Wandervereins) findet man noch einige Touristen. Da wir unser eigenes Zelt dabei hatten, sind wir eigentlich nicht auf das Hüttennetz angewiesen, aber sie bilden ein schönes Tagesziel und etwas Komfort , denn gegen eine  Gebühr kann man auch als Zelter die Annehmlichkeiten einer warmen Dusche und die Aufenthaltsräume nutzen. Das war ganz schön, speziell weil die Nächte doch schon empfindlich kalt und auch feucht wurden.  Und wenn es keine Wanderer gab hatten wir dennoch Gesellschaft – eine putzige handvoll Plüsch flitzte durch die Tundra – Lemminge in großer Anzahl – offenbar war dieses Jahr eines der Lemmingjahre wo sie gehäuft auftreten

Auf dem Weg nach Glitterheim


Die Route war nur grob geplant, um genug flexibel auf das Wetter reagieren zu können. So haben wir einfach die Chance genutzt all die Höhepunkte Jotunheimens zu besuchen. Zunächst die Besteigung des Galdhøppigen, mit 2469 m der höchste Berg Norwegens. Es ging durch Wolkenfetzen über Schneefelder und neuschneeüberzuckerte Gesteinsfelder zum Gipfel. Dort war es windstill, erstaunlich warm, aber nebelig, der Blick über große Teile Südnorwegens blieb uns also verwehrt. Mehr  Glück mit der Sicht hatten wir dann tags darauf auf dem Glittertind, dem zweithöchsten Berg, gleich neben dem Galdhøppigen. Nach der Tagesetappe von Spiterstulen nach Glitterheim ging es am späten Nachmittag noch gen Gipfel, zum Schluß über einen spaltenfreien Gletscher direkt zur Panoramaaussicht. Der Abstieg wurde enorm beschleunigt, weil wir einfach einer Schneezunge gen Tal folgten und dann einen Weg zurück nach Glitterheim fanden. Die Nacht wurde klar und kalt, das Zelt war am nächsten Morgen vollständig mit Reif bedeckt. Leider bleib es nicht so klar, sondern zog sich immer mehr zu und sollte dann auch die nächsten Tage immer wieder regnen.


Wanderung entlang des Seeufers nach Gjendesheim


Aber zunächst die Etappe nach Memurubu – die hatte es ziemlich in sich, weil zwei Paßübergänge warteten, der letzte steile Abstieg führte dann direkt zum Gjendesee. Das letzte Stück lief man schon gemeinsam mit den Wanderern, die den Besseggen Grat gelaufen sind. Der war unser Ziel für den nächsten Tag. Auf dem Gjendesee gibt es eine Bootsverbindung, die Gjendesheim, Memurubu und Gjendebu verbindet. So haben wir uns nach Gjendesheim schippern lassen, um von dort wieder über den Besseggen zurück nach Memurubu zu laufen. Hier ist es reine Geschmackssache von welcher Seite her man sich dem Grat  nähern möchte. Bei unserer  Variante allerdings ist es ziemlich luftig, weil man den Grat abklettert, so also die Tiefsicht hat. Nach einem steilen Aufstieg von Gjendesheim aus, ging es durch Mondlandschaften, flechtenüberwachsenes Geröll – auf einer Art „Elefantenrücken“ entlang. Der Weg zog sich wie eine Linie über den Berg. Der spannendste Teil war  der luftige Grat, leichte Kletterei bei der man ständig die Hände brauchte, und garantiert nichts für höhenängstliche, denn es geht steil runter auf beiden Seiten.

Der starke Wind über Nacht, der am Zelt rüttelte, zeigte schon den Wetterwechsel an, es sollte regnen und zwar stark und ausdauernd. Daher beschlossen wir hier die Tour zu beenden mit der kurzen Wanderung entlang des Seeufers nach Gjendesheim. Von dort fuhren noch Busse Richtung Fagernes, dem Knotenpunkt für Busse nach Oslo, Lillehammer und Bergen – denn dorthin mußten wir wieder zurück.
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