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Surfen in Portugal (Autor: Natalie Au)


Schon seit mehreren Jahre hatte ich mit dem Gedanken gespielt, einmal das Surfen zu probieren. Es waren immer mal wieder die Gedanken daran, die diese Idee aufrecht erhielten. Nachdem ich die Stille der Wüste im Sinai im Vorjahr kennengelernt hatte, war es dann im Frühjahr soweit. Das Element Wasser zog mich an und ein Plan war im Nu entworfen. Das Internet leistete mir wertvolle Dienste im Vorfeld und so fand ich meinen ersten Surfkurs in Penice im frühen Herbst in der Nebensaision in Portugal. Die Website - Maximumsurfcamp - bietete alle Informationen, die ich brauchte und so wusste ich schon bald, worauf ich mich in den nächsten Monaten konzentrierte, um mich körperlich vorzubereiten. Die Umsetzung fiel leicht. Im nahen Freibad übte ich in den Sommermonaten vor allem das kraulen hatte so manche Liegestütze absolviert.

Portugal

Als der Tag des Abflugs näher rückte, begann ich meine Vorbereitungen. Ich packte meinen Rucksack zur Probe, damit ich diesen wieder als Handgepäck mitnehmen konnte. Im Camp gab es zwar laut Internet Bettwäsche, aber meinen geliebten Schlafsack wollte ich auf keinen Fall missen. Sunblocker und eine kleine Reiseapotheke fanden neben Hoody und Shorts auch noch Platz im Gepäck.

Nach einem unspektakulären Flug nach Lissabon wuchs meine Aufregung, als ich meinen Mietwagen am Lissaboner Flughafen in Empfang nahm. Ein kleiner, feiner schwarzer Opel Corsa. Der Mann sprach ein bisschen Deutsch und erklärte mir, wie ich fahren sollte. Aus dem Flughafen heraus ging es dann erst einmal direkt mehrspurig mit viel Verkehr los. Etwa 15 Minuten später befand ich mich in einem vierspurigen Kreisverkehr und es gab dort Ampeln! In einem Kreisverkehr! Ein Wagen von rechts scherte noch vor mir in die winzige Lücke ein, die erste Vollbremsung. Aber, alles noch einmal gutgegangen! Nach diesem Adrenalin-Schub war auch der letzte fehlende Schlaf der letzten Nacht vom Flug vergessen und inmitten des belebten Verkehrs Portugals setzte ich meine Reise nach Penice fort. Auf dem Rückweg plante ich an der Küste entlangzufahren, heute jedoch wollte ich nach dem Flug im Camp ankommen und kam auch gut voran.

Surfparadies Portugal

Dann, die erste Mautstelle, aber, was war das? Tja, da gab es gleich mehrere zur Auswahl, aber welche war die richtige? Und das in all dem Verkehr. Nun gut, eine ausgewählt, Maut bezahlt und ab geht´s weiter auf der Autobahn... bis ... das durfte jetzt doch nicht wahr sein! Mir winkte ein Polizist ihm auf den Rastplatz zu folgen. Na hoffentlich war das jetzt auch ein echter Polizist, dachte ich noch und in der Tat, er war echt. Irgendetwas war wohl doch mit der Plakette nicht in Ordnung wie ich seiner Gestik entnehmen konnte. Nun portugiesisch sprach ich nicht und mit meinen paar Brocken Spanisch kam ich hier auch nicht gerade weiter. Nach einigen Minuten und der Feststellung des „Nicht verstehens“, gab er mir zu verstehen, das ich ihm folgen sollte.

Es gibt in Portugal doch tatsächlich schmale enge Gänge, die unter der Autobahn auf die andere Seite führen. Nicht unbedingt sehr gut befestigt und ausgemauert für mein Verständnis, zieht sich der Gang dunkler werdend geradeaus. Die Birnen in unregelmäßigem Abstand an den Wänden spendeten ein karges Licht und mein Magen fängt an sich zusammenzuziehen. War es das richtige, diesem Polizisten hierdurch zu folgen? Mich würde hier unten niemand finden, dessen war ich mir sicher, wenn was passieren würde. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit Licht am Ende des Tunnels, wir gehen die Treppen auf der anderen Seite hoch und dort ist auch ein kleines Polizeihäuschen neben der Autobahn. Drinnen setze ich mich erst einmal und dann kommt ein Polizist, der ganz gut deutsch spricht und mich einen weiteren Obulus zahlen lässt, um dieses Problem mit der falschen Plakete (woher sollte ich das denn in all dem Verkehr auch so schnell überblicken, welche die richtige ist, aus der Welt schaffen lässt.)

Danach führt mich der andere wieder durch diesen engen langen Tunnel auf die andere Seite, befestigt die jetzt „richtige“ Plakette am Auto und wünscht mir wahrscheinlich eine gute Fahrt.

Wieder auf der Autobahn unterwegs atme ich erst einmal aus und von Musik begleitet fahre ich weiter nach Penice. Der Weg ist überraschend gut ausgeschildert und so bin ich nach gefühlter kurzer Zeit da. Das Wasser, der Strand, Surfer, die unterwegs sind, der nächste „normale“ Kreisverkehr, ein Einkaufszentrum und die Schilder, die zum Surfcamp führen, sind auch schon zu sehen. Auf einem staubigen Parkplatz stelle ich den sehr gut gepflegten Mietwagen ab und schon bin ich beim Check In. Kurze Zeit später bekomme ich auch schon mein Zimmer gezeigt, das eine kleine Terrasse hat, die zum Hof führt und im ersten Stock liegt. Es gibt von dort aus Verbindungstreppen nach unten zum Hof, wo in der Mitte Tische stehen und sich schon einige Leute aufhalten.

Nach dem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen gibt es die Vorstellung unserer Lehrer. Wir werden in Gruppen eingeteilt, bekommen unser Material und dann geht es auch schon los. Wir starten in Jeeps zu unserem ersten Spot, der nahe am Camp gelegen ist.

Perfekte Wellen in Portugal


Wir starten mit einer Einführung und Trockenübungen an Land, das aufspringen wird uns gezeigt und wir machen es immer und immer wieder nach, bis unsere Lehrer ein einigermaßen zufriedenes Gesicht machen. Sie denken sich wohl, dass Sie uns so erst einmal ins Wasser lassen können, ohne das Sie direkt hinterher müssen. Am Ende des ersten „Surf Tages“ habe ich meine ersten Weißwasserwellen genommen, stand auf dem Brett und weiß, dass ich zu dem Zeitpunkt an diesen Fleck Erde gehöre.

Die Tage vergehen und wir starten routinemäßig schon früh morgens, früher als die anderen Surfschulen und haben so die besten Spots tagsüber. Abends gibt´s immer wieder eine Überraschung: Fisch wird gegrillt, Salate und vieles mehr und wir sitzen im Hof beisammen. Abends kuschel ich mich in meinen Schlafsack und bin sehr froh, diesen wieder mitgenommen zu haben. Obwohl es ein Daunenschlafsack ist und ich zuerst dachte, er könnte zu warm werden, ist er dennoch genau richtig. Nach einem Tag im Meer und auf dem Brett ist es, als wenn die Zellen den Rhythmus des Wassers tagsüber aufgenommen haben und ein leichtes Wiegen das innere des Körpers ausfüllt. Ein schönes Gefühl, ähnlich dem liegen in einer Hängematte.

Wir haben die gesamte Zeit über schönes Wetter und so sind wir fast den ganzen Tag über am Spot und viele viele Stunden im Wasser. An einem Tag paddeln wir in einer kleinen Gruppe mit zwei von unseren Lehrern weiter hinaus in das tiefe Wasser. Es ist ruhig, da eine Felsformation die Wellen ähnlich einer Bucht draußen abfangen. Aber, das Wasser hier ist doch tiefer, so tief, das es gefühlt kälter wird und der Grund nicht mehr zu sehen ist. Ein seltsames Gefühl, das erste Mal in so tiefem Wasser auf dem Brett zu sitzen und für einen Moment kommen Erinnerungen an früher und die Frage: warum nur wollte ich als kleines Kind alle Folgen des weißen Hais sehen?

Am letzten Tag des Surfcamps sind wir weiter entfernt an einem Spot und die Fortgeschrittenen sind weit hinter den Weißwasserwellen am surfen. Das Motto des Camps „Surf or die“, wie auf der Website steht, wird hier gelebt und zwar jeden Tag mit unzähligen Stunden im und am Wasser. Alle Lehrer hier sind richtig gut, aber einer ganz besonders. Einer der Fortgeschrittenen erzählt, dass er surft und sein Käppi dabei trocken bleibt.

Sonnenuntergang am Atlantik

Am Ende des Kurses gehen wir feiern und die verschiedenen Clubs bieten für alle etwas. Von modern bis hin zu kleinen „Geheimtipps“ abseits des Mainstreams gelegen feiern wir bis spät in die Nacht. Am nächsten Vormittag, manche können lange schlafen, da der Rückflug spät geht, wache ich auf und es ist der erste Tag, wo der Himmel verhangen ist und es leicht nieselt. Wir haben Mitte Oktober und doch das schönste Wetter gehabt während der Zeit hier.

Der Rückweg an der Küste entlang ist eine Pflicht und sobald der Mietwagen abgegeben ist, schaue ich mir Lissabon an, da mein Flug mich erst in den frühen Morgenstunden am nächsten Tag Heim bringen wird.

Meine Eindrücke von Lissabon: eine schöne Stadt mit köstlichen Gebäcken, aber auch eine Stadt mit armen Menschen und vielen Touristen. Der Ausblick vom Castello de Sao Jorge über die Altstadt, die rote Brücke und die berühmte Statue Cristo do Rei ist das Eintrittsgeld, das ich für dort zahle alle mal wert. Ausklingen lasse ich den Abend am Wasser und beim Bummeln durch die Altstadt. Dazu gönne ich mir köstliche kleine Gebäcke, den Pasteis, die man in Lissabon einfach probiert haben muss. Der Plan, wieder surfen zu gehen, hat sich auch schon in meinem Kopf gespeichert...

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