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Radreisetraum in Neuseeland (Autor: Katja Stöhr)

Manche Träume bleiben in Leben lang solche, andere werden wahr und hinterlassen unvergessliche Eindrücke, die das weitere Leben dauerhaft beeinflussen. Seit langer Zeit träumte ich als begeisterte (Reise-) Radlerin von einer ausgedehnten Radreise durch Neuseeland. Im Rahmen eines Arbeitsplatzwechsels hatte ich das große Glück, diesen Traum verwirklichen zu können. Nach längeren Vorbereitungen und einem endlosen Flug genoss ich mit großer Dankbarkeit jeden auf meinem eigenen mitgenommenen Fahrrad zurückgelegten Kilometer, der den Alltag immer weiter zurückweichen ließ, nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“.

Radreise Neuseeland

Das Fahren auf der linken Straßenseite war schnell Routine. Ich hatte mir eine grobe Route zurecht gelegt, die ich nach den örtlichen Gegebenheiten, der Schönheit der Landschaft und dem Wetter anpasste. Die Reise führte mich zunächst um die Südinsel, hier sah ich zum ersten Mal Pinguine in freier Wildbahn, fuhr durch endlose hügelige grüne Landschaften mit vielen Schafen, überquerte die Südalpen auf dem Hast Pass und gelangte an die Westküste ins regnerische Fjordland. Dort warteten Gletscher inmitten eines üppigen Regenwaldes, türkisfarbene Gletscherseen und der höchste Berg Mt Cook mit tollen Eindrücken auf. Hier und an vielen anderen Stellen tauschte ich meine Rad- gegen Wanderschuhe und genoss die Landschaft beim Wandern. Es gibt unzählige wunderschöne Tages- und Langstreckenwanderungen mit unterschiedlichen Anforderungen, aber immer fantastische Eindrücke garantiert.

Berg Mt Cook

Das Zusammentreffen mit den neugierigen Keas, den Bergpapageien, hinterließ Schnabel-Beschädigungsspuren an meiner sonst sehr zuverlässigen und robusten Ausrüstung.

Keas

Aus Zeitgründen reiste ich einige Strecken mit den Überlandbussen, bei denen eine Fahrradmitnahme problemlos möglich war. Auf dem Rad zogen jeden Tag traumhafte Landschaften in dem gemächlichen Tempo, die eine Reise mit dem Rad mit sich bringt, an mir vorbei. Zu den Landschaftseindrücken gesellten sich neue ungekannte Geräusche, exotisches Vogelgezwitscher, unerträglicher Lärm unzähliger zirpender Grillen, die in der Dunkelheit verstummten und den Ohren Erholung gönnten, rauschende Wasserfälle, zischende Geysire, blubbernde Schlammlöcher und leider auch Verkehrslärm, da sich befahrende Straßen nicht immer umgehen ließen. Neuseeländer selbst fahren wegen der großen Distanzen kaum Fahrrad, so dass die Radfahrer, die ich unterwegs traf, bis auf wenige Ausnahmen Touristen waren.

Dazu kam anfangs im neuseeländischen Spätsommer die sengende Sonne, die trotz Sonnencreme mit höchstem Lichtschutzfaktor Sonnenbrände verursachte und die Kleidungsstücke ausblich. Neben der exotischen Pflanzenwelt mit Farnen und Palmen war auch die einheimische Tierwelt sehr spannend. Neben bunten Vögeln und Reptilien allen voran der Kiwi, ein flugunfähiger, nachtaktiver faszinierender Vogel, das Wappentier Neuseelands. Dazu die gleichnamige Frucht, die neben anderen unbekannten Früchten und Süßkartoffeln meinen Speiseplan üppig bereicherte.

Nach gut der Hälfte der Zeit setzte ich mit der Fähre auf die Nordinsel über. Hier prägt der Vulkanismus die Landschaft, allem voran im Tongariro Nationalpark, dazu einige Geothermalgebiete mit zischenden Geysiren, blubbernden Schlammlöchern, kochenden Seen mit bunten Ufern und einer neuen Geruchserfahrung, dem unangenehmem Schwefelgeruch in der Nase.

Tongariro Nationalpark

Übernachtet habe ich meist mit Schlafsack im Zelt auf einfachen sogenannten DOC Campingplätzen inmitten herrlicher Natur, auf komfortablen Campingplätzen, die keinen Wunsch offen lassen, und in Hostels. Erfahren habe ich eine unglaubliche selbstverständliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Einheimischen. Im Laufe der Reise hatte ich eine Sammlung von Adresszetteln von zufälligen Bekanntschaften auf der Straße in meiner Lenkertasche mit der Aufforderung: „ruf einfach an, wenn du in der Gegend bist, dann kannst du bei mir übernachten“.

Als ich nach 3 Monaten aufgrund eines Vulkanausbruchs auf Island nicht wie geplant zurückfliegen konnte, fand ich eine herzliche Aufnahme bei einem radbegeisterten „Kiwi“ in Auckland, wo ich die unfreiwillige Verlängerung meines Aufenthalts entspannt verbringen konnte. Auch wenn ich manchmal bei Dauerregen, Kälte und Gegenwind sowie endlosen Steigungen und gefährlichen Überholmanövern rücksichtsloser Autofahrer meine Reise in Frage stellte, war sie jede Kurbelumdrehung wert und eine unvergessliche Bereicherung. Mitgenommen habe ich neben tollen Eindrücken, Muscheln, die ausgeblichene Kleidung und etwas von der Gelassenheit der Neuseeländer. Die Erinnerung ist heute noch so intensiv, als wäre die Reise gerade und nicht schon vor 7 Jahren gewesen.
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