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Zum Paddeln in Grönland (Autor: Christian Frasch)
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Vorbei an bläulich-weiß schimmernden Eisbergen, die Stille unterbrochen von Donnergrollen der kalbenden Gletscher, wie ein Inuit mit dem Kajak durch die Fjorde Südgrönlands paddeln.“ So versprach es die Internetseite des Reiseveranstalters, auf den ich Ende 2015 stieß. Ich war sofort begeistert. Allerdings meldeten sich auch Zweifel zu Wort. Meine Zeit als aktiver Paddler lag schon Jahre zurück. Meinen eigenen Seekajak hatte ich vor über 25 Jahren verkauft. Aber so ganz verlassen hat mich die Faszination des Seekajakfahrens nicht und ich war schon 2010 bei meinem ersten Kanada-Aufenthalt rückfällig geworden: für fünf Tage ging es mit dem Kajak in der John Stone Street, die Vancouver Island vom Kanadischen Festland trennt, auf Orca-Safari. Auch wenn wir keine Orcas sichteten war die Tour beeindruckend, denn wir begegneten Delphinen, Seelöwen, Seeadler und Seehunden und als wir am zweiten Tag zwischen riesigen Zedern oberhalb des Kiesstrandes unsere Zelte aufbauten sahen wir keine hundert Meter von Ufer entfernt eine Herde Grauwale vorbei schwimmen.

Wegen der Zweifel legte ich erst einmal das Projekt Paddelurlaub in Grönland auf Eis. Als Probelauf buchte ich stattdessen eine Seekajaktour in Norwegen. An den von einem Rasttag unterbrochenen sechs Paddeltagen legten wir 120 km von Alesund an Norwegens Küste zum Geirangerfjord weiter im Landesinneren zurück, wobei die Landschaft mit jedem Tag beeindruckender wurde, bis sie schließlich im zum Weltkulturerbe gehörenden Geirangerfjord ihren Höhepunkt fand. Es war ein großartiger Probelauf. Ich war prima zurechtgekommen und war angefixt:

Paddeln in Grönland

Ich musste zum Paddeln nach Grönland!

Die 38 Kilometer, die wir heute paddelten waren wie im Fluge vergangen. Auch am dritten Tag hatte der Anblick der Eisberge, die wir passierten noch nichts an ihrer Faszination verloren. Es war angenehm warm, so warm, dass wir in der Picknickpause aus den Neopren-Trockenanzügen raus mussten, um in T-Shirt und Leggins zu picknicken. Die Reißverschlüsse der Neoprenanzüge hatten wir inzwischen mit ein wenig Kerzenwachs so gängig bekommen, dass wir sie alleine auf und zu bekamen. Wir waren die Ersten, die die Anzüge nach der Winterpause benutzen und Anfangs gingen die Reißverschlüsse so schwer, dass man die Hilfe eines Mitreisenden zum Öffnen und Schließen brauchte.

Im Anschluss des Picknicks ging Elo im Fjord schwimmen, obgleich in diesem Eisberge schwammen. Für sie war der Job als unser Guide ein Winterjob, im Sommer leitete die Argentinierin Whale watching-Touren in Patagonien. Wir waren eine nette kleine Truppe von gerade einmal fünf Outdoor-erprobten Teilnehmern aus vier Nationen. Da Francesco kein Englisch sprach, war die Tour zweisprachig. Gerade am Anfang der Tour wiederholte Elo ihre englischen Erklärungen auf Spanisch. Dabei musste ich irgendwie immer an den Vorspann zur Sendung mit der Maus denken, in dem ja auch immer zweisprachig die Beiträge der beginnenden Sendung angekündigt wurden. Kurz nach der Pause sichteten wir zum ersten Mal eine Robbe, die unweit unserer Kajaks zum Atmen aufgetaucht war. Neugierig blickte sie in unsere Richtung und in der Stille konnten wir sogar ihre Atemgeräusche hören.

Verlassene H?uuml;tte in Grönand

Am Vortag hatten wir die verlassene Hütte eines Jägers besichtigt. Der Besitzer ist altersbedingt nach Narsak in den Ort gezogen. Für Zuflucht-Suchende steht die Hütte nun immer offen, die Tür ist nur durch einen angelehnten Balken „verschlossen“. Zwei der Fenster sind inzwischen zerbrochen, davon abgesehen macht das Innere Hütte den Eindruck, als wäre sie erst vor ein paar Tagen verlassen worden. In einem der Räume hingen sogar noch die drei Gewehre des Beisitzers an der Wand, direkt daneben eine kleine Umhängetasche. Obgleich es mich schon sehr interessierte, ob dort drinnen vielleicht sogar die passende Munition für die Waffen lagerte, konnte ich mich gerade noch beherrschen, nicht einfach nachzusehen. Scheinbar waren wir hier so nah am Rande der Welt, dass niemand fürchtete, jemand könnte die Waffen stehlen, um damit Verbrechen zu begehen.

Am Strand mussten wir die Boote diesmal über 100 Meter schleppen. Schuld waren neben dem Tidenhub die tsunamiartigen Wellen, die das Kalben des Gletschers am anderen Fjordufer verursachten. Immer wieder drang das grollende Donnern des berstenden Eises zu uns herüber. Bei Flut liefen einige dieser Wellen fast bis zu unserem Zeltlager den Kiesstrand hinauf. Am späten Abend wurde Frank, der Franzose, beim Gang zur Klappspaten-Toilette von einer dieser Wellenfronten überrascht und musste schnell den Rückzug antreten. Am nächsten Morgen sahen wir mehrere Karibu-Spuren im Sand des Strandes. Während wir schliefen waren die Tiere offensichtlich zwischen den Zelten und dem Wasser vorbeigezogen, ohne dass einer von uns etwas mitbekommen hatte. Es stand ein Wandertag ohne Paddeln auf dem Programm. Vormittags wanderten wir zu einem nahe gelegenen See. Auf dem Weg dorthin kamen wir an flauschig weichem, weiß leuchtendem Arctic-Cotton vorbei.

Zeltlager am Fjord


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