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Insel-Abenteuer Estland (Autor: Jörg Knorr)
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Ein halbes Jahr später sitze ich auf der Fähre von Travemünde nach Ventspils in Lettland. So um die 600 km Strecke werden von Ventspils bis Tallinn zusammenkommen. In 3 Wochen sollte das machbar sein.

Mein längstes Seestück

Lediglich für 2 Nächte habe ich in Lettland gezeltet. An menschenleeren Strandabschnitten, die meine Erwartungen übertrafen. Absolute Ruhe. Keine Zivilisationsgeräusche. Ab und zu ein Möwenschrei, sonst nichts. Genau 30 km sind es von hier bis zum Südzipfel Saaremaas. Der kürzeste Weg übers Wasser von Süden kommend. Mein GPS-Gerät gibt mir neben Karte und Kompass ein gutes Gefühl, auch wenn das Ziel erst nach 2 Stunden in Sicht kommt. Viel Zeit zum Nachdenken. Auf dem Wasser gehen mir Dinge durch den Kopf, für die im Alltag der Raum zu fehlen scheint. Die Weite um mich herum verführt zu Gedankenspielen, die in die Ferne abschweifen. Da die Ostsee in Ufernähe auffallend flach ist, muss ich nicht auf Schiffe achten, die meinen Weg kreuzen könnten. Nach 4,5 h und 32 km steige ich aus dem Boot. Arme, Schultern und Hintern brauchen Erholung. Trotz der körperlichen Anstrengung bin ich glücklich, endlich Estland erreicht zu haben. In unmittelbarer Nähe liegt ein Restaurant. Ein Bier muss jetzt sein, um meiner Ankunft ein Minimum an Bedeutung zu verleihen. Ich mache das ganz leise mit mir selbst klar: „Prost Estland! Da bin ich“, flüstere ich, mein Glas in der Hand mit leicht gestrecktem Arm Richtung Ostsee haltend. Ich fühle mich großartig.

Estland


Ein Saku in Sõru

Alte Beobachtungstürme aus der Zeit, als Estland noch Teil der Sowjetunion war, standen früher im Sperrgebiet, sind aber noch in einem ausreichend guten Zustand, so dass ich immer mal wieder einen Blick von oben auf die Ostsee riskieren kann. Ich möchte so schnell wie möglich rüber zum Panga Kliff, da für den Nachmittag auffrischender Wind angesagt ist. Hinter dem steil aufragenden Kliff kommt Regen auf. Die Wellen scheinen stetig in die Höhe zu wachsen. „Morgen rüber nach Hiiumaa, das wäre perfekt,“ ist der letzte Eintrag des Tages in mein Reisetagebuch, als ich abends ausgepowert im Zelt liege.

Voller Erwartungen paddle ich durch die schmale Einfahrt in das Hafenbecken. Viele Boote und Menschen bevölkern den Hafen von Sõru. Innerhalb kürzester Zeit ziehe ich an der Slipanlage mein Boot aus dem Wasser und sitze nur 20 Minuten nach Ankunft vor einem Teller Nudeln mit Hühnchen und einen halben Liter kalten Saku (große Brauerei in Estland). Der letzte Tag eines kleinen Jazz-Festivals ist der Grund für das quirlige Leben im Hafen. Meine Tischnachbarn schauen mich etwas irritiert an. Ist mein wohliges Ahhh nach dem ersten Schluck zu laut geraten? Ich kläre meine Nachbarn auf, warum ich hier bin. Ein an mich gerichtetes anerkennendes Nicken und ein fast im Chor ausgebrachtes „Terviseks“ (prost), ist die prompte Reaktion. Als mein Becher leer ist, dauert es keine 2 Minuten bis ein neues Saku neben meinem Teller steht. Dankbar gerührt bin ich es dieses Mal, der ein lautes „Terviseks“ in die Runde ruft.

Kajaktour Estland


Mittsommer in Kõpu

Die letzten 2 Tage hätte das Wetter nicht besser sein können. Heute ist der längsten Tag des Jahres. Den Kõpu tuletorn (tuletorn = Leutturm) möchte ich mir genauer ansehen. Er steht im Landesinneren auf einem 67 m hohen Hügel 3 km Luftlinie vom Ufer entfernt. Das 102,6 m über dem Meeresspiegel liegende Leuchtfeuer ist eines der höchsten im Ostseeraum. Der Kõpu tuletorn ist der weltweit drittälteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm. Schon 1505 begann der Bau, der von Vertretern der Hanse gefordert wurde, um die Schiffsverluste im flachen Seegebiet um Hiiumaa zu reduzieren. Am Nordufer der weit nach Westen ragenden Landzunge Hiiumaas finde ich einen von der staatlichen Forstbehörde RMK angelegten Lagerplatz. Die Benutzung dieser Plätze ist kostenlos. Ich geselle mich zu zwei jungen Männer und frage nach einem Wanderweg zum Leuchtturm. Ihre sinngemäße Antwort in bestem Englisch: „Nach Kõpu wollen wir heute Abend auch. Dort ist heute Mittsommer-Party. Wir nehmen dich mit.“ Das ist mal ’ne die Ansage. Die Party am Leuchtturm wird zu einem weiteren Höhepunkt. Ich lerne Esten kennen, die extra von Tallinn hierhergekommen sind, gebe eine Runde Wodka aus, beobachte alt und jung bei verschiedensten Spielchen und bin gegen 1 Uhr ganz froh, als ich mit meinen Freunden Kerdo und Aivar gut angeheitert wieder Richtung Lagerplatz marschiere. Zeit zum Pennen.

Sonnenuntergang am Zeltplatz


Durch’s Gewitter nach Vormsi

Graue Wolken schieben sich zusammen, wo eben noch die Sonne schien. Der Himmel wirkt plötzlich bedrohlich, der Wind frischt auf und die Wellen flößen mir Respekt ein. Eine Gewitterfront zieht über das Seegebiet hinweg. Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei. Der Wind lässt wieder nach.

Gewitterfront auf der Ostsee


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