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Der Fabelberg

von Alexandra Lischka

Tipps

Dieses Jahr ist wohl nicht das beste, um es mit Reisen zu verbringen oder Reiseberichte zu schreiben. Dennoch gab es Möglichkeiten, lokale Ziele zu erkunden. Ich bin seit dem Beginn der Pandemie in Kanada bei meinem Freund. Nach Abschluss meiner Doktorarbeit versuche ich den Arbeitsmarkt hier zu erkunden und da das nicht allzu einfach ist, widme ich mich sehr dem Sportklettern.

Die Rocky Mountains haben es mir besonders angetan. Hier ist man umzingelt von Bergen und Kletterwänden. Als Abwechslung zum Sportklettern hatte ich diesen Herbst zwei größere Ziele.

Der Fabelberg

Das erste war der sogenannte Mount Fabel – Fabelberg. Er hat seinen Namen von dem ersten Versuch einer Besteigung, nach der die gescheiterte Kletterpartie behauptete, dass dieser Berg zu schwierig für eine Besteigung wäre. Eine zweite Gruppe im Jahre 1947 bewies das Gegenteil und so kam der Berg zu seinem Namen. Nach einer großen Flut im Jahre 2012 ist es das Beste, den Berg über einen anderen Berg zu erklettern, den Mount Gap und im Anschluss einen 4 Kilometer langen Bergkamm zu folgen, der die Gipfel verbindet. Zusammen mit meinem Freund machten wir uns nach Sonnenaufgang auf. Es erfolgte ein ca. 2-stündiger Anstieg durch den Wald, während dem wir ca. 900 Höhenmeter aufstiegen. Nachdem wir die Baumgrenze erreicht hatten, eröffnete sich eine Gerölllandschaft, die wir überquerten. Als wir näher an Mount Gap herankamen, war ich etwas überrascht von dem Steilheitsgrad. Glücklicherweise erwies sich das Terrain als einfacher als gedacht.

Nach drei Stunden insgesamt befanden wir uns auf dem Gipfel unseres ersten Tageszieles, Mount Gap (2517 m). Ich war optimistisch, wir könnten den Tag in unter 10 Stunden abschließen. Das war allerdings, bevor ich einen Blick auf den sich ewig windenden, sehr steilen und exponierten Gebirgskamm zwischen Mount Gap und Mount Fabel warf. Die erste Schlüsselstelle befand sich gleich nach dem ersten Gipfel, wir mussten etwas herab klettern um den Kamm zu erreichen, dies erwies sich als etwas schwieriger als gedacht auf dem nicht so soliden Fels – dafür sind die Rockies leider bekannt.

Vorsichtig und beständig kletterten wir hinab auf den Kamm und überquerten die zunächst sehr exponierten Stellen. Der Kamm weitete sich im Verlauf, jedoch war der Höhenverlust recht frustrierend! Nach etwa 3.5 weiteren Stunden erreichten wir die Basis von Mount Fabel. Nach einem Snack machten wir uns auf den Weg. Die letzten Höhenmeter waren technisch nicht allzu anspruchsvoll auf guten Felsplatten mit wenig losem Geröll. Der Ausblick von Mount Fabel (2702 m) war atemberaubend! Wir entdeckten sogar drei Auerhühner, die sich wohl verirrt haben mussten.

Der Wind nahm nun jedoch beständig zu und wir waren uns bewusst, dass der Abstieg auf dem exponierten Kamm beschwerlich sein könnte. Auf und ab ging es von dort an, bis wir wieder Mount Gap erreichten. Die Schlüsselstelle erwies sich von dieser Seite als einfacher als gedacht und ich versuchte dem Wind so gut wie möglich auf der Westseite zu entgehen. Der Abstieg von Mount Gap war schneller, wir rannten das Geröll hinunter und fanden den Pfad durch den Wald nach einer kurzen Orientierungslosigkeit schnell wieder. Nach insgesamt 12 Stunden erreichten wir wieder unsere Startposition und ich tauchte meine Füße in einen kalten Gletschersee. Was für ein Tag!

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