Payment on
account
  • My Bookmarklist My Bookmarklist
    0
  • Basket Basket
    0 0,00

Gotland - nordische Insel mit Raukas, Kiefern und Fossilien

von Sarah Ide

Tipps

Die größte Insel der Ostsee haben wir in den letzten Jahren schon mehrfach mit der Fähre nach Helsinki passiert. Nun wird es Zeit, dass wir uns die sagenumwoben Raukas,  die Gotlandschafe, die blütenreichen Heidelandschaften und die alte Hansestadt Visby aus der Nähe anschauen.
Mit der Fähre erreichen wir Gotland nach gut drei Stunden. Die Sonne hat sich hinter Wolkenschleiern versteckt und ein plötzlich aufziehender Seenebel taucht die Insel beim Näherkommen in ein unwirkliches Licht.

Der Seenebel lässt Gotland beinahe verschwinden

 

Doch als wir eine Stunde später durch die kleinen, alten Gassen von Visby schlendern und uns ein erstes Eis gönnen, ist es wieder sommerlich warm und die Rosenbüsche vor den alten Türen blühen um die Wette.

Vor Visbys alten Häusern blüht es prächtig

 

Wir bauen unser Lager mit Bulli und Zelt auf einem kleinen Campingplatz an der Ostküste auf, wo wir abseits des Trubels lauschig unter alten Kiefern auf Sandboden stehen. Von hier aus haben wir einen guten Ausgangspunkt für unsere zahlreichen Unternehmungen zu Fuß und mit den Kajaks.

Blick nach Süden auf den Klintkustleden

 

Da es in den ersten Tagen auf Gotland noch recht windig ist, starten wir mit Wanderungen auf dem Klintkustleden. Auf dem schmalen Pfad entlang der Steilküste hören wir unter uns das Meer rauschen und immer wieder bieten sich spektakuläre Ausblicke auf die Küstenlandschaft und das weite Meer. Die hellen Kalksteinfelsen und das grünblaue Wasser erinnern uns mehr an die Provence als an nordische Landschaften. 

Kalkfelsen wie im Süden /
Der schmale Pfad verläuft abwechselnd auf der Klippe und am Streinstrand                                                                                              

 

Wir bestimmen zahlreiche Blumen, die links und rechts unseres Pfades und auf den kargen Heideflächen blühen, während die Schmetterlinge um uns herumflattern und die Hummeln und Bienen summen. Die Mücken lassen uns erstaunlicherweise in Ruhe, was uns an vielen anderen Orten in Schweden nicht vergönnt war. 

Solche schönen Versteinerungen finden wir an den Stränden

 

Gotland ist bekannt für seine vielen Fossilien, die sich an vielen Orten einfach aus dem Strandgeröll lesen lassen. Das Suchen von Fossilien für die private Sammlung wird (bis auf wenige Ausnahmen in Naturschutzgebieten) toleriert. Bei unserer Picknickpause an einem einsamen Steinstrand sitzen wir daher mit gesenkten Köpfen auf unserer Matte und klauben rund um uns herum Kuhhornkorallen, Knopfkorallen und noch so allerlei andere Versteinerungen aus dem Geröll. Das wird ein schönes Souvenir für unsere Fensterbank zu Hause.

Viel Fischfang wird auf Gotland nicht mehr betrieben. Zu leer gefischt ist die Ostsee rundherum. Aber die alten Fischerdörfer verbreiten nach wie vor maritimen Flair und in Lickershamn gibt es immer noch köstlichen Räucherfisch zu kaufen. Der bringt Abwechslung in unsere schlichte Campingküche.

Fischerhütte in Lickershamn

 

Schon Selma Lagerlöff hat in ihrem berühmten Buch von Nils Holgersson die Raukas auf Gotland beschrieben: Die Raukas sind Felstürme, die das Meer zu bizarren Formen gewaschen hat. Die größten Raukafelder stehen auf der kleinen, nördlich gelegenen Insel Färö, auf die uns eine ständig pendelnde Fähre in nur 5 Minuten übersetzt.

Es macht Spaß zwischen den Raukas herumzuklettern und immer neue tolle Fotoperspektiven zu finden. 

Raukas auf Färö

 

Allerdings hat unser Wanderführer verschwiegen, dass eine Teerstraße dicht entlang unseres Küstenwanderweges führt, so dass auch alle Autos und Wohnmobile direkt zu den Felsen vorfahren können. Während wir dicht neben oder auf der Straße entlangstiefeln und regelmäßig von Autos überholt werden, sind wir uns einig, dass die Atmosphäre der Landschaft durch so eine Straße nachhaltig beeinträchtigt wird. Der kleine Fischerort Hellgumannen, der gerade richtig für unsere Mittagsrast auftaucht, versöhnt uns mit diesem Ausflug. Wir sitzen an die kleinen Fischerhütten angelehnt, mit dem Geruch von alter Teerfarbe in der Nase und dem Blick über die kleinen Holzboote und das weite, brandende Meer und genießen unsere Brote und den mitgebrachten Kaffee. 

Mittagsrast in Hellgumannen

 

In den kommenden Tagen wird das Wetter immer wärmer, und der Wind beruhigt sich, so dass wir nun auch endlich unsere Kajaks vom Dach des Bullis laden können.
Wir setzen an der Badestelle in Valleviken ein, wo die schwedischen Kinder mit ihren Optis das Segeln trainieren. Wir winken ihnen freundlich zu und nehmen Kurs auf die vorgelagerten Inseln. Zahlreiche Wasservögel kreisen um uns und manch eine Seeschwalbe macht mit wütenden Schreien deutlich, dass wir uns ihrem Brutplatz nähern. Wir halten aber respektvoll Abstand und steuern die Landnase mit dem vorgelagerten Leuchtturm für ein Foto an. Auf dem Rückweg passieren wir ein Industriedenkmal, an dem früher im großen Stil der Kalkstein abgebaut wurde. Ein verrosteter Kran auf dem alten Pier, Schienen und Schutthalden zeugen von dieser Vergangenheit. Heute gibt es auf der Halbinsel stattdessen Naturschutzgebiete.

Der junge Fuchs sitzt neugierig am Straßenrand

 

An unserem vorletzten Tag auf der Insel herrscht nur eine leichte Brise, so dass wir endlich auch die nordwestliche Steilküste vom Kajak aus erkunden können. Trotz des ruhigen Wetters gibt es durch die vielen Felsen im Wasser immer wieder Brandungszonen, so dass wir zwar die Küstenlinie bewundern, aber trotzdem gut achtgeben müssen, um nicht zu kentern.

Manche Welle geht über Deck /
Die Steilküste vom Boot aus                                                                                       

 

Ganz anders ist es dagegen an unserem letzten Paddeltag bei Katthammarvik. Dort herrschen bei Südwind und 30 Grad im Schatten Ententeichbedinungen und es gibt schöne Buchten und Strände, die zum Baden einladen. In der großen Räucherei gibt es nicht nur leckeren Fisch und regionale Produkte wie Honig und Brot zu kaufen, sondern nebenan am Badestrand kann man auch Kajaks mieten. Alles per App, in Schweden ist die Digitalisierung weit fortgeschritten. Und so treffen wir an unserem letzten Urlaubstag auf der Insel erstmalig auf andere Paddler.

Entspanntes Paddeln im seichten Wasser

 

Als wir frühmorgens mit der Fähre in Visby ablegen, regnet es leicht. Wir haben Gotland aber vor allem als eine Sommersonneninsel erlebt, die uns mit ihrer überraschend schroffen und einsamen Landschaft für sich eingenommen hat. 

Unterwegs der Outdoor-Shop