Sternenparks in Deutschland: Der klarste Sternenhimmel Deutschlands

erstellt am: 03. 12. 2020 um 7:03 Uhr

In die weite Ferne reisen – und das vom Boden aus: In den Sternenparks Deutschlands sind die Sterne zum Greifen nah. Viele Stadtbewohner kennen den Orion oder die Milchstraße nur vom Hörensagen – oder höchstens vom Bildschirm. Dabei müssen sie gar nicht so weit reisen: In den vier deutschen Sternenparks leuchten Tausende Sterne um die Wette. Bei absoluter Dunkelheit verweilen Hobbyastronomen und interessierte Besucher im Park und blicken staunend auf das Sternenzelt über ihnen. Wir stellen Dir hier die dunkelsten Regionen Deutschlands vor.

Der Feind des Sternenzelts: Lichtverschmutzung

In Gebieten mit viel Beleuchtung bleibt verborgen, was der Nachthimmel Faszinierendes zu bieten hat. Mit bloßem Auge die Milchstraße erkennen? In der Stadt unmöglich. Schuld daran ist die Lichtverschmutzung. Diese findet überall dort statt, wo künstliches Licht die Nacht erhellt. Straßenlaternen, beleuchtete Sehenswürdigkeiten, Schaufenster, Werbetafeln, Privathäuser – das alles trägt zur Lichtverschmutzung bei. Dass wir dabei nicht mehr ungehindert den Sternenhimmel betrachten können, ist allerdings das geringste Übel.
 
Die permanente Beleuchtung bringt den Biorhythmus aus dem Takt – und zwar den von Menschen, Tieren und Pflanzen gleichermaßen. Beim Menschen gerät der Hormonhaushalt durcheinander und die Schlafenszeiten verkürzen sich. Schlafstörungen sind die Folge, und diese können wiederum für weitere gesundheitliche Probleme verantwortlich sein.
 
Bei Pflanzen wird der natürliche Wachstumszyklus durch die Lichtverschmutzung gestört. So sprießen etwa bei Bäumen früher Blätter, wenn sie sich nahe an der Straßenbeleuchtung befinden. Damit werden sie anfälliger für Frostschäden.
 
Auch im Tierreich wirkt sich der Lichtsmog negativ aus: Viele Tiere sind nachtaktiv und nutzen die Dunkelheit zum Jagen, zur Futtersuche oder zur Fortpflanzung. Das viele Licht stört die nächtlichen Aktivitäten. Insekten schwirren im hellen Licht orientierungslos umher, Zugvögel oder Fledermäuse werden von ihrer Flugbahn abgelenkt.
 

Aufgebautes Zelt bei Nacht unter sternenklarem Himmel.

Deutschlands Sternenparks: Was ist ein Sternenpark?

Sternenparks bewahren die fesselnde Schönheit eines Sternenhimmels und bieten Tieren und Pflanzen weiterhin einen geschützten Lebensraum. Die Auszeichnung als Sternenpark muss man sich aber erst einmal verdienen. Denn nur dort, wo es nachts stockdunkel ist und sich kaum ein Lichtstrahl hinverirrt, haben Sternengucker die beste Chance auf einen funkelnden Sternenhimmel. Voraussetzung ist, dass die Gebiete dünn besiedelt sind und keine Lichtverschmutzung aufweisen. Aber natürlich darf sich nicht jedes beliebige lichtarme und wenig besiedelte Gebiet als Sternenpark bezeichnen. Kommunen mit einer Sternenpark-Auszeichnung müssen den nächtlichen Himmel aktiv schützen, indem sie die Beleuchtung durch Vorschriften regulieren. Ebenso gehören Bildungsangebote und Veranstaltungen zu den Auflagen für eine Zertifizierung. Die Entscheidung, ob ein Bewerber zum Sternenpark wird, fällt die „International Dark Sky Association (IDA)“. Erfreulich: In Deutschland gibt es bereits vier Gebiete, die als Sternenpark ausgezeichnet wurden.

Ein klarer Blick auf das Himmelszelt: Die vier Sternenparks in Deutschland

Ein sternenübersäter Himmel kann so faszinieren, dass Du trotz fortgeschrittener Nacht kein Auge zutun willst – höchstens um Dir etwas zu wünschen, wenn eine Sternschnuppe über den Nachthimmel zischt. Darum such Dir am besten dort ein Plätzchen, wo der Nachthimmel am dunkelsten ist: In einem der vier Sternenparks Deutschlands.

Sternenpark Westhavelland: Der erste Sternenpark in Deutschland

Viermal so groß wie Bremen: Auf einer Fläche von über 1.300 Quadratkilometern erstreckt sich das Schutzreservat Westhavelland in Brandenburg. Es wurde als erster Sternenpark Deutschlands ausgezeichnet. Das Gebiet ist kaum besiedelt und beeindruckende Sehenswürdigkeiten suchst Du dort vergebens. Dafür bietet es nachts bei klarem Himmel ein mitreißendes Naturschauspiel. Rund 3.500 Sterne können Besucher des Sternenparks hier bei besten Bedingungen sehen, dazu das weiße Band der Milchstraße. Hinein kann man in den Sternenpark beinahe von allen Seiten und der Eintritt ist kostenlos.
 
Hobbyastronomen und Naturbegeisterte bevorzugen vor allem den Norden des Sternenparks: Dieser ist besonders dünn besiedelt und lichtarm, ein weiß gepunktetes Himmelszelt ist hier bei Schönwetter also garantiert. Viele VIP-Plätze für ein faszinierendes Sternenkino gibt es aber auch an den offiziellen Beobachtungsplätzen.

Sternenhimmel

Sternenpark Biosphärenreservat Rhön: Ein Naturjuwel bei Tag und Nacht

Im Herzen Deutschlands, in der Rhön, wird ebenso gegen die Lichtverschmutzung angekämpft – zur großen Freude von Tieren, Pflanzen und leidenschaftlichen Sternenguckern. Freie Plätze zum Sterneschauen gibt es genug: Auf einer Gesamtfläche von 2.430 Quadratkilometern, aufgeteilt auf die Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen, können viele Besucher gleichzeitig nach ihrem persönlichen Lieblingsstern gucken.
 
Sterne beobachten kannst Du im Sternenpark Rhön beinahe überall, doch die besten Plätze sind Dir auf dem Gebaberg, auf der Langen Rhön oder im Gebiet der Schwarzen Berge sicher. Sehr zu empfehlen: Eine Führung mit zertifizierten Sternenführern. Sie vermitteln wertvolles Wissen und erklären anschaulich, ob gerade ein Planet, eine Sternschnuppe oder doch nur ein Satellit am dunklen Nachthimmel leuchtet. Amateurastronomen können auf ausgewiesenen Plätzen sogar ihre Teleskope an den Strom anschließen und ins Universum blicken.
 
Und wenn plötzlich die Sonne aufgeht? Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön beherbergt eine große Artenvielfalt und ist auch bei Tageslicht einen Besuch wert.

Sternenpark Nationalpark Eifel: Raus aus der Stadt, rein ins Sternenkino

Sternbilder, Planeten und Galaxien beobachten im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands? Das gibt es tatsächlich: Der Nationalpark Eifel ist Zone der Ruhe und Erholung in Nordrhein-Westfalen und wurde von der IDA als Sternenpark anerkannt. Tagsüber ist das Gebiet ein Paradies für Wanderer und Radler, nachts wird es zur Arena für funkelnde Himmelskörper. Städter aus Köln und Düsseldorf müssen gar nicht weit fahren, wenn sie den dunklen Nachthimmel mit all seinen Besonderheiten herbeisehnen.

Hast Du Dich auch schon gefragt, was es mit dem Großen Wagen auf sich hat und wo dieser überhaupt zu sehen ist? Im Sternenpark Eifel wird professionelle Sternenbeobachtung angeboten und Du lernst viel über die kostbaren Schätze am Nachthimmel, die das erste Navigationssystem der Menschen darstellten. Daneben gibt es auch Fotokurse.
 

Wie weit können wir eigentlich in den Weltraum schauen?

Mit einem der besten Teleskope der Erde können wir inzwischen Objekte sehen, die über 10 Milliarden Lichtjahre entfernt sind – meist Galaxien. Uff... das klingt weit entfernt, aber eine richtige Vorstellung bekommt man jetzt nicht, oder? Daher mal zum Vergleich:

Das Licht reist...

• vom Mond zu uns auf die Erde in nur einer Sekunde.
• von der Sonne bis zu uns in 8 Minuten.
• von einem Ende der Milchstraße zum anderen circa 100.000 Jahren.
• von der uns am nächsten gelegenen Galaxie zu uns in ungefähr 2,2 Millionen Jahren.

Sternenpark Winklmoosalm: Sterne zum Greifen nah

In den Chiemgauer Alpen befindet sich der Sternenpark Winklmoosalm. Er bezeichnet sich als eine der dunkelsten Ecken Bayerns. Was so bedrohlich klingt, ist die perfekte Einladung für jene, die auf der Suche nach dem schönsten Sternenplätzchen sind. Die Winklmoosalm befindet sich auf 1.200 Metern und ist gut erreichbar.
 
Bei Gruppen- und Privatführungen erfährst Du, warum Sterne sterben, welche Galaxien zu erkennen sind und was die Weiten des Kosmos noch Unglaubliches bereithalten. Würdest Du die einzelnen Sterne übrigens zählen, wäre das ein Wettlauf gegen die hereinbrechende Morgendämmerung: Bis zu 5.000 Sterne zeigen sich bei idealen Bedingungen.
 
Aber auch bei Vollmond lohnt sich ein Besuch, denn das Licht- und Schattenspiel im hügeligen Almgebiet ist einzigartig. Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es hier im Gegensatz zu anderen Sternenparks mitten im Gebiet.
 
Na, Teleskop schon unter den Arm geklemmt? Eine Nacht im Freien lohnt sich immer. Bevor Du aber nun irgendwo Dein Zelt aufschlägst, lies in unserem Blog Wildcampen in Deutschland, wo das erlaubt ist.
 
Bis zum nächsten Mal
Euer Elchblog-Team






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