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Wüstenelefanten in Namibia (Autor: Christian Frasch)

Durch das Buch „Frühstück mit Elefanten“ von Gesa Neitzel wurde ich auf Projekt von EHRA (Elephant Human Relationsship Aid) zum Schutz der Wüstenelefanten in Namibia aufmerksam. Im Verlauf ihrer mehrmonatigen Ausbildung zur Parkrangerin absolvierte die Autorin ein mehrwöchiges Praktikum, bei dem sie die Freiwilligen während ihrer Arbeit bei EHRA betreute. Auch, wenn es mich durchaus reizen würden, die gleiche Ausbildung wie Gesa Neitzel zu machen, passte ein zweiwöchiger Aufenthalt als Freiwilliger bei EHRA in Namibia eher zu dem Rest meines Lebens mit Freundin, Pferden und Arbeit in Deutschland als eine mehrmonatige Ausbildung in Namibia, Botswana und Südafrika.

Als Vorbereitung für die zweiwöchige Arbeit in dem englischsprachigen Projekt von EHRA machte ich vorab noch einen zweiwöchigen Sprachkurs in Südafrika. Auch, um nicht nur für vierzehn Tage die ganze Strecke über den Äquator bis in die südliche Hälfte Afrikas geflogen zu sein.

Der Treffpunkt war ein Hostel in Swakopmund. Wobei in Swakopmund die Spuren der Deutschen Kolonialzeit noch allgegenwärtig waren. So gab es Straßen mit Deutschen Namen, historische Gebäude mit Deutschen Schriftzügen und eine Deutsche Kirchengemeinde. Im Altstadtrestaurant, vor dem das lebensgroße Standbild eines Schutztruppenreiters aus der Deutschen Kolonialzeit wachte, gab es u. a. Leberkäse, Eisbein und Sauerkraut. Alles feilgeboten in einer deutschsprachigen Speisekarte, die als Zugeständnis zu der englischen Amtssprache immerhin englisch untertitelt waren.

Stein
Schild

Am Folgetag ging es nach den letzten Erledigungen mit einem Kleinbus von Swakopmund aus zum EHRA Basiscamp in das Landesinnere. Anfangs - entlang der Küste - dominierte das grau-beige der bis direkt ans Meer reichenden Wüste das Landschaftsbild. Wogegen später im Landesinneren immer mehr rötliche Felsen hinzukamen. Mich erinnerten diese an die Landschaftsbilder aus Australien, die ich nur aus dem  Fernsehen kannte.

Baumhaus
Feuer

Im EHRA Basiscamp gab es für uns freiwilligen Helfer Schlafplätze auf Plattformen in einem Baum. Nach dem Abendessen, das in schweren Gusseisernen Kesseln, die mit Füßen direkt im Feuer standen, zubereitet worden war, ging es zum Schlafen über Leitern auf den Baum. Unbeschreiblich war der Anblick des Sternenhimmels, der sich uns hier unten im Süden weit abseits von Städten bot. Noch nie in meinem Leben habe ich die Milchstraße so deutlich gesehen.

Am nächsten Morgen verstauten wir nach dem Frühstück unser Gepäck, diverse Kochutensilien und Proviant für mehrere Tage in dem Kleinbus und dessen Anhänger. Danach beluden wir einen Anhänger hinter einem der Landcruiser des Camps für unser Bauprojekt mit Schaufeln, Zement, Schubkarren und Eimern. Dann ging es los.

Unser Ziel, ein ca. 10 Kubikmeter fassender Wasserhochbehälter, der in der jüngeren Vergangenheit errichtet wurde, um eine kleine Siedlung mit fließenden Wasser zu versorgen, erreichten wir nach gut zwei Stunden Fahrt. Leider war der Anschluss, der das Wassernetz der Hütten mit dem Wasserhochbehälter verband, von den Elefanten einer vorbeiziehenden Herde abgerissen worden. So hatten die Elefanten an dem auslaufenden Hochbehälter ihren Durst gestillt.

Allerdings waren nun die umliegenden Hütten wieder ohne fließendes Wasser, nachdem der Hochbehälter ausgelaufen und kaputt war. Die Bewohner mussten ihr Wasser wieder zu Fuß von einer Quelle, die etwa einen Kilometer entfernt war, holen gehen. Dies war der Konfliktstoff, der das Nebeneinander von Elefanten und Menschen gefährdete und teilweise sogar zur Forderung des Abschusses von Elefanten führte.

Mauer

Hier kamen die Bauprojekte von EHRA ins Spiel, die durch die Teilnahmegebühren der freiwilligen Helfer finanziert und von diesen auch umgesetzt wurden. In unserem Fall wurde der Bau einer Feldsteinmauer, die die Gruppe vor uns begonnen hatte, fortgesetzt. Die Mauer umschloss ringförmig den Wasserhochbehälter. Da die Gruppe vor uns viel Zeit mit dem vorbereiten und ebnen des Bodens für die Mauer aufwenden musste, hatte sie nur einen halben Meter Höhe geschafft. Unsere Aufgabe war es nun, sie bis auf gut zwei Meter zu erhöhen. Einfach nur den Anschluss des Wasserbehälter stabiler zu machen hätte nicht ausgereicht, da die Elefanten den Behälter dann mit den Stoßzähnen aufgeschlitzt oder ihn gar umgeworfen hätten. Immerhin wiegen ausgewachsenen Elefanten bis zu acht Tonnen.

Für die Elefanten gab weiterhin die Möglichkeit an der Quelle zu trinken oder im ausgetrockneten Flussbett, das noch unterirdisch Wasser führte, nach welchem zu graben,

Bis die Mauer in fünf Tagen ihre endgültige Höhe von gut zwei Metern erreicht hatte, galt es erst einmal Steine zu schleppen, Sand zu schaufeln, Schubkarrenweise Mörtel mit der Schaufel anzurühren und zu Mauern. Wobei beim Sammeln der Steine für die Mauer drauf zu achten war, dass man sie vor dem anheben zunächst zu sich hin kippte. So hatten eventuell unter den Steinen verborgene Schlangen, Skorpione oder giftige Hundertfüßler die Chance, von einem weg zu fliehen.

Unsere Mannschaft setzte sich mit den der EHRA Mitarbeitern aus 18 Personen aus 9 Nationen zusammen.. Die jüngste Teilnehmerin war 17, der älteste Teilnehmer dagegen 63 Jahre alt. Wobei man Jay aus Südafrika seine 63 Jahre echt nicht anmerke, wenn er aus Sand, Wasser und Zement mit der Schaufel Zement anrührte. Seine Tagesbestleistung lag bei elf fertigen Schubkarren Mörtel, wobei er nebenbei auch noch vielen von uns die Zubereitung von Mörtel beibrachte.

Die Nächte verbrachten wir nahe der Baustelle unter freien Himmel oder unter einem großen Pavillon. Wobei seitens der Guides darauf geachtet wurde, dass wir uns nicht verstreuten. So wollten sie verhindern, dass falls nachts Elefanten in das Lager kamen, diese zwischen verschiedene Gruppen schlafender gerieten.

Frühstück und Abendessen bereiteten wir auf dem Lagerfeuer zu. Wobei wir an den Abenden noch lange am Lagerfeuer sitzen blieben. Mit einem Schmunzeln im Gesicht muss ich heute noch an Phillips Geschichte aus aus Sambia denken. Als er dort mit einer Reisegruppe im Auto aus einem Ort fuhr, kam ihm ein farbiger Radfahrer in einem Tour de France würdigen Tempo entgegen. Auf seinem Gepäckträger hatte er eine Kiste mit Orangen. Als sie gerade an ihm vorbei fuhren stoppte der Radfahrer und fing an, die Orangen aus der Kiste auf der Straße zu schütten, um sich gleich darauf wieder in den Sattel zu schwingen, um kräftig strampelnd weiter Richtung Ort zu fahren. Dann sahen Phillip und seine Mitreisenden den Grund für die Eile des Radfahrers auf sich zukommen: Ein Elefant, der sich angezogen von den Orangen auf die Jagd nach selbigen gemacht hatte. Elefanten die sie kennen, lieben Orangen.

Mit der Fertigstellung der Mauer ging es dann zurück in das Basiscamp, wo wir wieder unsere Schlafplätze auf dem Baum bezogen. Am nächsten Tag machten wir in dem gut eine Autostunde von dem Basiscamp entfernten Uis eine Auszeit von der Wildnis. In der dortigen Lodge aßen wir zu Mittag und nutzten ausgiebig Dusche, Pool und Internetzugang.

Elefanten Herde
Elefanten am Auto

Nach einer weiteren Nacht im Basiscamp auf dem Baum beluden wir zwei Landcruiser mit unseren persönlichen Sachen, Kochutensilien sowie Proviant und Wasser für vier Tage. Nach der „Building Week“ in der ersten Woche  stand nun in der zweiten Woche die „Patrol Week“ auf dem Programm. In dieser erhielten wir die Möglichkeit Elefanten in freier Wildbahn zu beobachten, wobei es absolut beeindruckend war, diese sanften, grauen Riesen zu beobachten wie sie fraßen oder wie sie teilweise in unter zehn Meter Abstand gemächlich an unseren beiden Fahrzeugen vorbei zogen.

Löwenspur


Außer Elefanten bekamen wir noch Giraffen, Zebras, Strauße, Paviane und diverse Antilopen zu Gesicht.
Weiterhin verrieten uns Spuren im sandigen Boden die Anwesenheit von Löwen, schwarzen Nashörnern und Hyänen.

Wie schon in der Building Week wurde auch auf der Patrol Week auf dem Lagerfeuer gekocht und im Schlafsack unter freien Himmel geschlafen.

Auto
Auto in der Wüste


Das beeindruckendste Stück Autofahrt meines Lebens erlebte ich, als wir von einer wüstenartigen Hochebene durch ein Labyrinth kleinerer Dünen in das Tal eines ausgetrockneten Flusses hinab fuhren. Immer wieder hing beim Queren von Bodenunebenheiten eines der Räder drehend in der Luft. Hier waren die Landcruiser in ihrem Element. An einer Stelle war die Fahrspur so schräg, dass wir alle auf die dem Hang zugewandte Seite der Geländewagen rutschend mussten. Die Fahrer hatten sorge, dass die Fahrzeuge mit dem ganzen Gepäck auf dem Dach sonst umkippen könnten.

Zwei Mal stießen allerdings auch die Landcruiser an ihre Grenzen. Das eine Mal drohten wir uns beim Sand holen in der Building Week in einem ausgetrockneten Flussbett fest zu fahren. Der Anhänger, den wir mit Sand für die Baustelle beladen hatten, war zu schwer. Erst als wir zu sechst von der Ladefläche des Wagens abgestiegen waren und hinten am Anhänger schoben, setzte sich das Gespann mit vier durchdrehenden Rädern am Zugfahrzeug Zentimeter für Zentimeter in Bewegung.

Das andere Mal kamen wir in der „Patrol Week“ an eine Stelle, an der von unten Felsen in die Fahrspur ragten. Beim Passieren dieser Stelle im Kriechtempo kippte unter dem rechten Hinterrad des voraus fahrenden Landcruiser eine Felsplatte zur Seite, worauf das Fahrzeug mit der die Hinterachse etwa eine Reifenbreite zur Seite rutschte und stehen blieb. Die Räder drehten durch und es ging weder vorwärts noch rückwärts weiter. Erst der Blick unter das Fahrzeug offenbare, was passiert war. Ein nach unten von der Hinterachse abstehendes Blech an der Hinterachse hatte sich zwischen zwei Felsen verkeilt. Schluss endlich brachte uns nur ein Anheben des Fahrzeuges mit dem Wagenheber weiter.

Die zwei Wochen bei EHRA vergingen wie im Fluge mit vielen schönen, bleibenden Erinnerungen. Die Mischung aus Abenteuerurlaub und Freiwilligenarbeit im Artenschutz war so richtig nach meinem Geschmack. Wobei der zweiwöchige Aufenthalt, wie ich ihn wählte das Minimum darstellte. Theoretisch sind bis zu zwölf Wochen möglich, was in Namibia auch die maximal mögliche Aufenthaltsdauer mit einem Touristenvisum ist. Einige der er andern Helfer waren schon in den zwei vorangegangenen Wochen mit dabei. Von ihnen bekamen wir, die wir frisch dabei waren, am Anfang tolle Tipps.

Jay, der rüstige, ältere Südafrikaner hatte noch zwei weitere Wochen bei EHRA gebucht, sodass er wiederum denen, die frisch nach uns kamen, Hilfestellung geben konnte. Weiterhin ist die Faszination des Projektes so groß, dass es auch den einen oder anderen Wiederholungstäter gibt. Und wer weiß, ob ich nicht eines Tages wieder der Sehnsucht nach Afrika erliegen werden, um beim Schutz der bedrohten  Wüstenelefanten zu helfen. Vielleicht diesmal in Kombination mit einem Ritt in die Wüste von Swakopmund aus...

Wüstenelefant

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