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Mit der Bahn durch Tansania und Sambia

von Thomas Beutler

Tipps

Nicht nur in den Tropen: Ein guter Insektenschutz sorgt für entspannte Tage und erholsame Nächte.
Und auch die Vorteile einer Stirnlampe wollen viele Reisende nicht mehr missen - sei es beim Wandern, um den Weg auch in der Dämmerung noch gut erkennen zu können oder einfach, um im Zelt entspannt noch ein Buch zu lesen.
Die TAZARA - Tansania-Sambia-Railway, finanziert mit Geldern aus China, entstand in den 1970iger Jahren, um die Bergbauregionen im Norden Sambias an der Grenze zur DRC mit der Küste Tansanias zu verbinden. Denn die einzige damalige Verbindung zu einem Hochseehafen war nur über das Apartheids-Südafrika möglich. Heute verbindet die Strecke auf über 1830 Kilometern Tansanias Wirtschaftszentrum am indischen Ozean Daresssalaam mit dem zentralsambischen Kapiri Mposhi. Trotz der politischen und ökonomischen Differenzen des Kalten Krieges, die auch den Bau der Bahnlinie begründeten, wurde die sogenannte Kapspur verbaut, was theoretisch eine Zugverbindung von Daressalaam ins südafrikanische Kapstadt ermöglichen würde.

Heute hat die Bahnlinie mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Seit 2015 wurden zwar durch chinesische Kredite neue Dieselloks und Wagons eingeführt, grundlegend leidet die Strecke aber unter akutem Materialmangel. Dies führt öfter zu spontanen Ausfällen oder stundenlangen Verspätungen. Trotzdem bildet sie auch noch heute eine wichtige Verbindung, um Güter und Personen zu transportieren. Der Personenverkehr ist allerdings nur ein Nebenerwerb. Denn während man für die Strecke planmäßig etwa 48 h benötigt, ist man mit einem Überlandbus wesentlich schneller. Allerdings auch nicht so sicher.

Tansania Sambia Railway
Landschaft

Ich bin nun mit der TAZARA zweimal gefahren. Einmal von Daressalaam im Februar 2015 und einmal im Januar 2018. Mit dieser Bahn zu fahren war die Erfüllung eines Traumes aus frühen Jugendzeiten, nachdem ich einmal einen Dokumentationsclip davon gesehene habe. Allerdings war die Erfüllung 2015 dann doch eher eine relativ spontane Sache. Nach meinem Studium in Morogoro/Tansania, wollte ich mir noch ein bisschen die Region angucken und da bot sich die Bahn an, denn die Busverbindungen waren damals noch viel unsicherer als heute.

Die Tickets konnten über eine Servicenummer gebucht werden, allerdings ging das nur in der Landessprache Swahili. Das Buchen eines Tickets aus Europa wird kaum möglich sein. Aber auch nicht nötig, denn noch drei Tage vor der geplanten Abfahrt gab es genügend Tickets. Es empfiehlt sich, Tickets für die Erste Klasse zu buchen, um halbwegs schlafen zu können. Denn die anderen Klassen bieten keine Kabinen, sondern lediglich überfüllte Wagons was gerade nachts beschwerlich werden kann. Die wenigen europäischen Backpacker reisen zwar vornehmlich in der ersten Klasse, aber auch viele lokale Geschäftsreisende aus Tansania, Sambia, Malawi oder der DRC sind mit an Bord und erkaufen sich ein Stück Komfort.

Die Kabinen sind in Geschlechterkategorien getrennt. Paare müssen frühzeitig eine eigene Kabine reservieren und für vier, statt für zwei Betten zahlen. Ein Laken, eine Decke und ein Kopfkissen werden angeboten genauso wie einfache Speisen und Getränke. Durch die Investitionen 2015 u. a. in einen neuen Speisewagon, wird nicht mehr über offenem Feuer gekocht, das Essen aber trotzdem noch in den Kabinen serviert. Auch der Zustand der Kabinen hat sich verbessert. Heute gibt es mehr Fenster als früher, das Gitter gegen Insekten für die Nacht wird nicht mehr mit einem Stock hochgehalten.

Auch scheinen heute die Bremsen des Zuges wieder zu funktionieren. 2015 wurden wir regelmäßig aus den Kojen gerollt, da nur die Notbremsen des Zuges funktionierten. Strom gibt es allerdings noch immer nicht. Die Deckenleuchte der Kabine funktioniert nicht immer. Von daher sollten Stirnlampen sowie Powerbanks mit an Bord sein. Weil man den ganzen Tag bei offenen Fenstern unterwegs ist (der Kopf sollte durch Büsche und Bäume nur mit großer Vorsichtig aus dem Fenster gehalten werden), empfiehlt sich auch ein Insektenschutzspray (für Tropen), da es nachts auch mal jucken kann. Außerdem sollte man unbedingt beachten, dass es vereinzelt tagsüber, aber auch nachts sehr kalt werden kann. Die Strecke verläuft durch einige Höhenlagen.

Lokomotive Parking Place
TAZARA

Bei der ersten Reise 2015 haben wir Glück. Wir starten nur eine Stunde zu spät. Veronica – die Schaffnerin – erzählt, dass die Bahn in der Regel mindestens acht Stunden Verspätung hat. Eine Bekannte musste einige Wochen zuvor fast zwei Tage auf die Abfahrt warten. 2018 sollte die Bahn dann aber sogar pünktlich starten. Die Uhren ticken eben manchmal anders. Und Zeit sollte in den nächsten Tagen sowieso keine Rolle mehr spielen.

Die ersten Stunden der Fahrt sitzen wir am Fenster und lassen die Landschaft langsam vorbeiziehen. Vororte, Dörfer, Savanne und überall winkende Kinder. Das erste Mal überhaupt vergesse ich wirklich die Zeit. Beim Sonnenuntergang durchqueren wir den Selous Game Reserve im zentralen Tansania. Eines der größten und schönsten Schutzgebiete Afrikas welches jetzt aber durch den Bau eines riesigen Dammes durch Tansanias Präsidenten John P. Magufuli zerstört wird. Während wir ein Bier trinken, fahren wir an Antilopen und Elefanten vorbei. Tiere bei der Fahrt zu sehen ist nicht unmöglich, doch braucht es auch ein bisschen Glück. Denn hat der Zug zu viel Verspätung, erreicht man den Nationalpark erst bei Dunkelheit.

Am nächsten Morgen weckt uns Veronica. Es gibt frischen Tee und Instantkaffee. Geschlafen haben wir schon besser, aber nicht so schlecht wie erwartet. Im Bahnhof von Wangingombe wird uns wieder alles Mögliche zum Kauf angeboten. Die Bandbreite reicht vom Teppich bis zur Cola. Wir entscheiden uns für die Suppe aus der Plastiktüte. Dazu Chapatibrot. Vorräte sind auf dieser Reise kaum nötig. Sobald der Zug hält, kommen Menschen aus allen Richtungen und verkaufen wahrlich alles an die Passagiere. Ein Bahnhof oder eine Siedlung muss dafür nicht zu erkennen sein. Kinder erfragen sich einige Münzen oder Süßigkeiten. Oder hoffen auf leere Plastikflaschen die sie daheim neu verwerten können.

Verkauf am Bahnhof
Kinder neben dem Zug
Eine Frau verkauft am Zug Waren

Langsam gelangen wir in den Süd-Westen Tansanias. Nur mit Mühe schafft es der Zug die Hügel hinauf. Wir können in weite, grüne Täler gucken. Immer wieder kreuzen wir kleine Dörfer. Die Menschen hier leben von der Landwirtschaft und der Bahnlinie. Der Zug durchquert Regionen abseits der Touristenpfade. Durch die Langsamkeit des Zuges bleibt Zeit zum Beobachten. Beruflich bin ich diese Strecke auch schon einige Male mit dem Bus gefahren. Der Zug ist entspannter. Man entschleunigt. Trotz einer Erkältung von der letzten Nacht.

Bei einem Spaziergang durch den Zug kommt man nicht nur mit seinen Kabinennachbar*innen in Kontakt. Es wird viel geschwätzt, sich ausgetauscht, Geschichten erzählt. Viele sind neugierig wo wir herkommen. Wir sind neugierig wo sie herkommen. Geschwätzt wird in allen möglichen Sprachen. Neben Englisch verstehen wir leider nur Swahili und etwas Französisch. Aber Hände und Füße versteht jede*r. Am Abend beginnen einige asiatische Backpacker*innen mit einem kleinen Violinkonzert. Man kommt sich nah hier an Bord. Die Enge schweißt zusammen. Man teilt Aussichten und Momente mit fremden Menschen. Ich habe mein Taschenmesser verloren und bekomme eines geborgt. Die sanitären Anlagen sind äußerst gewöhnungsbedürftig. Ein eigener Klopapier-Vorrat lohnt sich, auch zum Teilen. Genauso wie ein eigener Wasserkanister.

An der Grenze zu Sambia hält der Zug mitten in der Nacht. Grenzbeamte kontrollieren die Pässe. Ein Visum kann man sich direkt in der Kabine kaufen (Stand 2015). Eine Beamtin schreibt in mein Visum ich wäre „Dutch“. Als sich sie darauf hinweise, dass ich German bin lacht sie und sagt: „Ob Dutch oder Deutsch, ist doch egal“. Herzlich Willkommen in Sambia. Kurz hinter der Grenze steigen Soldaten in den Zug. Die Grenze der DRC ist zeitweise in Sichtweite. Der Zug soll bewacht werden.

Tansania Sambia Railway
Am Bahnhof

Mit acht Stunden Verspätung erreichen wir Kapiri Mposhi. Es ist bereits schon später Abend. Nur mit Glück ergattern wir uns noch einen Platz in einem Minibus, der uns nach Lusaka bringt. Sonst hätten wir die Nacht am Bahnhof verbringen müssen. Im kalten Regen.

Die Reise war anstrengend. Doch aber auch wunderschön. Man entschleunigt, kommt zur Ruhe. Man sieht Teile Tansanias und Sambias, die man sonst kaum wahrnehmen würde. Die Zugfahrt ist ein kleines Abenteuer. Der Komfort 2015 noch sehr begrenzt, 2018 schon etwas besser. Wer sich darauf einstellen kann, wird diese Reise nicht vergessen und feststellen, dass Beschwerden über die Deutsche Bahn auf hohem Niveau stattfinden. Sonnenaufgänge und Untergänge mit einem Bier vom eigenen Platz aus, ja das hat was. Wer möchte, kann in Mbeya aussteigen und dann südlich ins benachbarte Malawi weiterreisen. Oder aber man reist bis ins sambische Kapiri Mposhi, und dann weiter über Lusaka in den Süden Sambias zu den einzigartigen Victoriafällen.
Unterwegs