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Seekajak-Tour auf der Flensburger Förde

von Jannis Ide

Tipps

Ich bin vor 18 Jahren in Flensburg geboren worden und paddle seit nunmehr 17 Jahren auf der Flensburger Förde - anfänglich allerdings wohl eher als Passagier mit meinen Eltern im Kanu. Dann aber zügig im Zweierkajak und im eigenen Seekajak. Trotzdem kannte ich bis vor Kurzem noch nicht alle Küstenabschnitte des schönen Wassersportreviers vor meiner eigenen Haustür.

Da sich die Windvorhersage zu unbeständig für unsere ursprünglichen Pläne in der Dänischen Südsee zeigt, starten mein Vater und ich einfach unser Pfingstpaddelwochenende kurzerhand von unserem Vereinsbootshaus aus. So haben wir die Möglichkeit, uns relativ einfach am Endpunkt unserer Tour abholen zu lassen. Wir packen unsere beiden Seekajaks mit Proviant, Kleidung, Zelt und der weiteren Ausrüstung und starten am Freitagnachmittag am Flensburger Ostseebad in Richtung des Seglerhafens in Schausende. Diesen Teil der Innenförde kennen wir wie unsere Westentasche. Trotzdem sind die Lichtstimmungen immer wieder anders schön, wir halten wie gewohnt Ausschau nach Schweinswalen und freuen uns, wenn mit etwas Glück der Seeadler über unseren Köpfen hoch oben in der Luft seine Kreise zieht.

Nach nur zwölf Kilometern erreichen wir bereits unser erstes Etappenziel und dürfen unser Zelt mit Genehmigung des freundlichen Hafenmeisters neben dem Spielplatz aufbauen. Mit Blick über den Hafen und der Abendsonne im Gesicht genießen wir unser erstes Abendessen, bevor wir zeitig ins Zelt kriechen.

Nach einer erholsamen Nacht und mit guter Laune packen wir am nächsten Morgen zeitig zusammen. Vor der Halbinsel Holnis, die die Grenze zwischen Innenförde und Außenförde markiert, zeigt sich unerwartet ein neugieriger Seehund ganz dicht an unseren Booten. Vor der Halbinsel ist das Wasser sehr flach, sodass die Segelboote gut beraten sind, die Fahrwassertonne, die von den Einheimischen nur die Schwiegermutter genannt wird - zu beachten und weit genug auszuholen. Wir haben schon erlebt, wie der Seenotkreuzer versuchte, aufgelaufene Boote wieder flottzubekommen. Mit unseren Kajaks haben wir diese Sorgen nicht, sodass wir deutlich dichter unter Land fahren können. In Langballigau - unser norddeutsches L.A. - erwartet uns ein großes Eis. Hier tummeln sich die Touristen, um den feinen Sandstrand zu genießen. Uns ist es aber zu trubelig für eine längere Rast.

Mit unseren Kajaks erreichen wir schnell die Küstenabschnitte, die für alle Menschen zu Fuß schwieriger zu erreichen sind. Zwischen alten, umgestürzten Bäumen unterhalb der Steilküste finden sich lauschige Plätzchen und die Möglichkeit für ein erfrischendes Bad in der Ostsee. Nach 33 km erreichen wir den Jachthafen in Gelting. Nach dem heißen, sonnigen Tag auf dem Wasser freuen wir uns auf eine Dusche und ein schönes Essen. Auf unserem kleinen Gaskocher gibt es heute einen angemessen großen Topf Polenta. Die Campingküche darf ruhig schlicht sein (denn nach so einem Tag schmeckt fast alles), solange es reichlich genug ist.

Am nächsten Morgen geht es zunächst in Richtung der Geltinger Birk und nun müssen wir die grundsätzliche Entscheidung treffen. Fahren wir rechtsherum Richtung Kappeln oder wagen wir die Querung nach links Richtung Dänemark? Den Leuchtturm Kalkgrund, der zwischen Deutschland und Dänemark mitten in der Außenförde steht, habe ich schon aus verschiedenen Perspektiven gesehen, allerdings noch nie aus der Nähe. Und auch mein Vater war das letzte Mal wenige Tage vor meiner Geburt mit dem Seekajak dort gewesen.

So wie es aussieht, ist aber heute unser Tag gekommen: Der nochmalige Check des Wetterberichts sagt, dass der Westwind nun doch etwas weniger stark werden wird. Noch ein rückversichernder Blick zum Himmel und wir nehmen kurzerhand Kurs nach Norden. Kilometer um Kilometer kämpfen wir uns durch die Wellen und freuen uns, dass der rot-weiße Turm näherkommt. Und endlich sind wir da! Natürlich gibt es ein ausgiebiges Fotoshooting. Wer weiß, ob sich so schnell wieder die Gelegenheit ergibt, hier vorbeizuschauen. Denn bei Wind ab 4-5 Beaufort steht hier schnell mal eine unangenehme Welle! Dann geht es weiter Richtung Dänemark und nach 17 Kilometern Querung (Jachthafen Gelting - Alsen) erreichen wir wieder festes Land, wenn es auch noch kein (echtes) Festland ist. Die hübsche dänische Stadt Sonderburg liegt nämlich auf der Insel Alsen.

Die Möglichkeit, für eine Pause aus den Booten auszusteigen und die Beine wieder zu strecken, ist uns sehr willkommen. Da Pfingsten und zudem sonniges Wetter ist, herrscht in Sonderborg Hochbetrieb. Es gibt wieder ein großes Eis, aber leider keinen Platz für uns und unser Zelt im hiesigen Jachthafen. Auch der nächstgelegene Campingplatz ist schon voll, sodass wir weiter müssen bis zum Broager Strandcamp. Leider weht uns der Wind nun wieder kräftig ins Gesicht, sodass die letzten Kilometer des Tages noch einmal richtig Kraft kosten.

Die Wettervorhersage verspricht weiterhin kräftigen Wind aus westlicher Richtung. Für Paddler, die in Richtung ihres Heimathafens nach Flensburg wollen, sind das keine guten Nachrichten. Aber nun hat uns der Ehrgeiz gepackt. Klar könnten wir mit einem Anruf einen Shuttle organisieren, der uns irgendwo auf der dänischen Küstenseite einsammelt, aber nun wollen wir es schaffen, aus eigener Kraft zurückzupaddeln, um die Runde um die Flensburger Innen- und Außenförde komplett zu machen. Die 21 Kilometer am Pfingstmontag bis nach Gråsten sind hart erkämpft. Aber jetzt fahre ich endlich auch einmal an den Küstenabschnitten entlang, an denen ich schon so oft mit der Familie am Gendarmstien entlanggewandert bin. Und diese nun vom Wasser aus zu sehen, ist immer cool. Spätestens ab den Ochseninseln bin ich wieder in sehr vertrautem Terrain. Allerdings bin ich noch nie von Osten aus auf die beiden kleinen Inseln zugepaddelt.

Am Dienstagnachmittag erreichen wir nach insgesamt 111 Kilometern unser Ziel. Während die nassen Paddelsachen in der Sonne trocknen, stoßen wir auf dem Steg mit einer kalten Limonade aus dem Bootshaus an. Abenteuer liegen manchmal eben wortwörtlich direkt vor der Haustür.

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