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Erst die Arbeit und dann das Vergnügen

von Alexandra Sander

Tipps

Über eine Zufallsbekanntschaft haben wir von einer Vorschule in Marakissa (Gambia, West Afrika), der durch einen deutschen Verein finanziert wird, erfahren. Dieser sucht immer wieder Freiwillige, die vor Ort mithelfen.

Nach der ersten Mail zu dem 1. Vorsitzenden des Vereins stellte sich heraus, dass auch dieser ein Kind Wilhelmshavens ist. Von diesem Moment an war für uns klar, das wir für drei Monate nach Gambia/ Marakissa gehen und anschließend durch den Senegal reisen werden. Unser Flieger ging im Januar 2022 nach Banjul. Vom Flughafen wurden wir von dem Koordinator der Vorschule Muhammed abgeholt. Die Fahrt von der Hauptstadt bis zum kleinen Dorf Marakkisa dauerte ca. 2 Stunden. Schon auf dieser Fahrt haben wir einiges von dem kleinsten Land Afrikas gesehen und unsere Vorfreude wurde noch größer.

Wir hatten das Glück, ein eigenes Haus mit Strom, fließendem Wasser sowie einer Toilette auf dem Gelände beziehen zu können. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da die meisten Hütten im Dorf ohne Strom und ohne Wasseranschluss auskommen müssen. Es gibt einige öffentliche Wasserhähne, unter anderem auch auf dem Kindergartengelände, die für alle Bewohner zugänglich sind. Zudem hatten wir auch noch das Glück, dass an unserem Ankunftstag ein Fest auf dem Fußballplatz stattfand. Daher verbrachten wir unseren ersten Abend mit Muhammed und waren von den Darbietungen der einzelnen Musiker, Tänzer und Wrestler sehr beeindruckt.

Diesem großartigen Einstieg folgte am Montag der Vorschulalltag. Wir lernten die 210 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, sowie die Lehrer und weiteren Mitarbeiter kennen.

Wir versuchten in unseren drei Monaten in allen Gruppen/ Klassen dabei zu sein, um so viel wie möglich kennenzulernen. Im Arbeitsalltag haben wir die Lehrer in ihrer Arbeit unterstützt und eigene Projekte entwickelt und durchgeführt.

In unser Freizeit, vor allem an den Wochenenden, sind wir an verschiedene Plätze gereist oder haben die örtliche Fußballmannschaft zu den Auswärtsspielen begleitet.

Für unsere Wochenendreisen durchs Land haben wir immer die sogenannten Galle Galle (kleine öffentliche Busse mit 20 Sitzplätzen) benutzt. Unter anderem waren wir am Gunjul Beach, Bintang Bolong, Kotu und Brikama.

Der Gunjul Beach bot nicht nur lange Spaziergänge im Sand oder sich im Januar von der Sonne bräunen zu lassen, vor allem bot er einen fantastischen Blick auf die "Gunjur Sand Mosque".

In Bitang Bolong fanden wir eine Lodge, wo wir in einer kleinen Hütte mit einer Terrasse in mitten der Magroven übernachteten. Von dieser konnten wir morgens nicht nur den Sonnenaufgang beobachteten, sondern auch die lokalen Fischer mit ihren kleinen Booten, die zum Angeln auf dem Bitang Bolong herausgefahren sind.

Abends waren wir selber mit einem lokalen Guide auf dem Fluss unterwegs und haben nicht nur einige der über 600 verschiedenen Vogelarten wie Pelikane und Kingsfischer entdeckt sondern zudem auch einen Waran.

In Kotu haben wir das Touristenleben hautnah erfahren was uns sehr ambivalent zum gambianischen Altag, welches wir aus Marakkisa kannten, erschien.

Die Stadt Brikama war die nächst größte Stadt von Marakkisa. Diese war daher für uns nicht nur ein Wochendendausflug, um Stadttrubel zu erleben oder um einzukaufen, sie war auch der Knotenpunkt, um an andere Ausflugsziele zu gelangen.

Besonders in Erinnerung geblieben sind uns aber die Auswärtsspiele mit der Fußballmannschaft aus Marrakkisa, da wir sofort ein Teil des Teams bzw. des Fanclubs waren.

Nach drei Monaten in Marakkisa war unsere Zeit in Gambia beendet und es ging über die Grenze in den Senegal. Unser Weg führte uns als erstes an den kleinen Küstenort Abene. Dort genossen wir den Strand, besuchten den heiligen Baum "Bantam Woro" und ließen die Abende in einem der vielen lokalen Restaurants mit frisch gefangenen Fisch ausklingen.

Um zu unserem nächsten Ziel, Cap Skirring, zu gelangen, mussten wir morgens aus Abene eigentlich sieben Kilometer zur Hauptstraße laufen, um dort einen der Siebensitzer (meist alte Volvos mit einer zusätzlich eingebauten Rückbank) zu erreichen. Allerdings hatten wir das Glück, dass uns ein Dorfbewohner sah und uns anbot, uns für schmales Geld auf seinem Motorrad mitzunehmen. Die sieben Kilometer auf einem alten Motorad mit drei erwachsenen Personen und zwei großen Rucksäcke auf unbefestigter Straße war schon ein kleines Abenteuer für sich.

Da unsere nächste Unterkunft etwas nördlich von Cap Skirring lag, mussten wir von dort ein Taxi nehmen und die letzten zwei Kilometer durch tiefen, weißen feinen Sand laufen. Das Gasthaus hatte fünf typisch senegalesische Rundhäuser, die von den senegalesischen Besitzen selbst gebaut und unterhalten wurden. Dies war für uns eine schöne Besonderheit, da wir sonst die Erfahrung gemacht hatten, dass viele Gasthäuser oder Lodges in Besitz von Europäern oder Amerikaner sind.

In diesen Tagen lernten wie einen Amerikaner kennen, den wir später in Dakar zufällig wiedertrafen. Aus dieser zunächst flüchtigen Bekanntschaft sollte sich im Laufe der Zeit noch eine gute Freundschaft entwickeln. Mit unserem neuen Freund ging es dann zusammen nach Cap Skirring und dort trennten sich unsere Wege auch schon wieder. 

Wir wollten jetzt von der Westküste bis zum "Niokolo-Koba" National Park im Osten des Landes. Die Anfahrt quer durch das Land war nicht ganz einfach, da wir immer wieder umsteigen mussten um an unser Ziel zu gelangen. Im National Park hatten wir uns im Vorfeld in einer Lodge für drei Nächte eingemietet und machten unsere erste Safari.

In dem "Nikolo-Koba" National Park kann man zwar nicht alle der "Big Five" entdecken, allerdings waren wir mit unserem obligatorischen Guide und dem Fahrer immer alleine und haben während der Safari keine anderen Touristen gesehen. So konnten wir die Natur und ihre Tiere für uns alleine genießen. Allein diese Tatsache machte die Safari für uns unvergesslich.

Zudem hatten wir das unbeschreibliche Glück, Zeuge eines außergewöhnlichen Naturspektakels zu werden. An einem der Aussichtspunkte hatte eine sehr große Python eine Antilope angegriffen und war dabei, diese zu umschlingen, um sie zu töten. Dies zu beobachten war schon außergewöhnlich. Allerdings wurde es noch außergewöhnlicher, da ein Krokodil die Python angriff um an die Antilope zu kommen. Dies wiederum lockte weitere Krokodile an und es entstand ein Kampf um Leben und Tod. Selbst unser erfahrener Guide war so beeindruckt, dass er das Fernglas nicht aus der Hand geben wollte. Abgesehen von diesem Highlight haben wir noch Flusspferde, Affen, Schakale, verschiedene Antilopen Arten, Warzenschweine und unzählige Vögel entdecken dürfen.

Die letzte Reisewoche war nun angebrochen. Wir wollten die letzte Tage nicht in einer großen Stadt verbringen und haben zwei Nächte am "Lac Retba" verbracht. Der Salzsee färbt sich aufgrund einer bestimmten Algenart rosa und wird daher auch "Lac Rose" genannt.

Für unseren letzten drei Nächte mieteten wir uns in das "Sobo Bade" in dem Fischerdorf Toubab Dialao ein. Die Unterkunft stach nicht nur durch seine Lage direkt oberhalb eines schönen Strandabschnittes, sondern besonders durch seine außergewöhnlichen Architektur hervor. Die Unterkunft wurde von Gerhard Chenet, einem aus Haiti stammenden Anwalt, Journalisten, Schriftsteller, Architekten, Regisseur, Bildhauer, Musiker und Professor für afrikanische Geschichte entworfen. So vielfältig wie seine Berufe war auch die Unterkunft und wir haben jeden Tag ein neues Details entdeckt. 

Unsere letzte Fahrt führt uns zum Flughafen in Dakar, von wo aus es Richtung Deutschland ging.

Rückblickend muss man sagen, dass unsere Überschrift überhaupt nicht zu unserer Zeit in Afrika passt. Unser Aufenthalt hat sich zu keinem Zeitpunkt als Arbeit angefühlt hat, sondern eher wie eine tägliche Reise mit vielen neuen und spannenden Erfahrungen und Eindrücken.