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Paddeln des North Fork Koyukuk River in Alaska

von Maximilian Botsch

Tipps

1996, als ich gerade knapp zwei Jahre alt war, flog mein Vater zum ersten Mal mit seinen Freunden nach Alaska. Einundzwanzig Jahre später sollte ich ihn auf seiner zehnten Tour zum ersten Mal begleiten. Ursprünglich planten wir eine Familienreise, welche leider nicht wie geplant stattfinden konnte. Mein Vater und ich hatten das Glück, dass eine zweite Gruppe unseres engen Freundeskreises zeitgleich in der Planung einer Alaska Tour steckte und wir uns dort mit einbringen konnten.

Die neue Gruppenkonstellation bestand aus drei `Greenhorns`, zwei Alaska-Erfahrenen und einem Alaska Senior:

v.l.n.r.: Kai Gramlich, Jochen Suck, Max Botsch, Adolf Botsch, Henning Bubenzer, Falk Feige

Mehrmals trafen wir uns zu unseren Alaska Abenden, um den Tourenverlauf und die Details zu planen und uns klamottentechnisch abzustimmen. Zwei Wochen in der Wildnis müssen gut geplant und vorbereitet sein. Unser Ziel stand schon bald fest – wir wollten den Koyukuk River paddeln und zwar vom `Gates of the Arctic` im gleichnamigen Nationalpark, bis runter in das kleine Indianerdorf Bettles. 

Ende August, nach so langer Planung und Vorfreude, ging es dann endlich los. Der Flieger in das Land, welches ich nur von all den Collagen im Keller meiner Eltern kannte, hob mit mir und meinem Vater ab. Der Rest des Trupps startete zwei Tage später aus Frankfurt.

Am Flughafen in Anchorage wurden wir herzlichst von Freunden empfangen, welche mein Vater bei seiner ersten Reise nach Alaska im Flieger kennenlernte. Die gute Beziehung blieb über all die Jahre bestehen, sodass sogar jede Menge Ausrüstung in deren Garage lagert. Diese Ausrüstung sammelten wir ein und machten uns auf den Weg nach Fairbanks. Wir übernachteten auf der Fahrt einmal kurz vor dem Denali Nationalpark, da es spät wurde und uns der lange Flug in den Knochen steckte. Kurz bevor wir uns auf der Ladefläche des Dodges zum Schlafen legten, sahen wir tatsächlich schon die ersten Nordlichter.

Am nächsten Morgen, nach kurzem Stopp im Denali Nationalpark, erreichten wir Fairbanks. Unser Programm war sehr stramm getaktet. Wir mussten zuerst das GPS-Telefon einsammeln. Anschließend unsere Boote - die Allys - abholen und daraufhin im Fred Meyer Proviant für die ersten Tage in der Wildnis kaufen. Als wir mit der To-Do-List fertig waren, machten wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft.

Sven Haltmann, ein Bekannter meines Vaters aus früheren Touren, führt ein Hostel (Sven´s Basecamp), wo es sich sofort nach Abenteuer anfühlt. Die Stimmung hier war super und man kommt meist schnell ins Gespräch mit anderen Naturfreunden. Wir ließen den Abend am Feuer ausklingen und verschwanden früh im Bett, denn am nächsten Morgen sollte es früh über den Dalton Highway Richtung Coldfoot gehen.

Dort startete unser Flug mit Coyote Air in einer ´kleinen´ Beaver. Unser Drop Off und somit unser erstes Camp lag 1° nördlich des Nordpolarkreises (67.7985N, 150.8985W).

Dirk, unser Pilot, lud unser Gepäck ab und flog davon. Und erst jetzt wurde mir allmählich bewusst, wo wir dort eigentlich waren und was wir dort vorhatten. Auf dem Weg vom Flussufer, wo das Flugzeug gelandet war, bis zum Camp unserer Wahl sahen wir gleich Bären,- sowie Elchspuren – Natur pur! Jetzt hieß es Zelt aufbauen, Holz für das Feuer besorgen und die Gegend erkunden.

Am nächsten Tag erwarteten wir gegen Mittag den Rest unserer Truppe. Es kam allerdings niemand zur geplanten Zeit und wir fingen an, uns Gedanken zu machen. Wir hatten schließlich nicht einmal die Info, ob unsere Jungs überhaupt in Alaska angekommen sind. „Hat bei denen alles funktioniert?“ „Was machen wir eigentlich, wenn die anderen nicht kommen?“ „Der Rest sollte Verpflegung mitbringen, wie lange kommen wir mit dem was wir haben aus?“. Das waren die ersten Fragen, die mir durch den Kopf gingen, bei dem Gedanken, wo denn der Rest unserer Gruppe bleibt. Das Wetter war sehr windig. Eine Regel der Piloten ist: „Wenn wir die Berge sehen, dann können wir fliegen!“. Und so war es zum Glück auch. Gegen Abend kam der kleine Flieger mit Pilot Dirk erneut ins Tal und unsere Gruppe war vollzählig!

Drei Tage sollten wir in diesem Camp verbringen, wandern und die Gegend genießen, bevor das Eis unsere Zelte bedeckte und wir aufbrachen. 

Auf dem Weg zu unserem Camp Nr. 2 sahen wir den ersten Schwarzbären und hatten den ersten kleinen Zwischenfall, als eines der Allys an einem Baum im Wasser hängenblieb und kippte. 

18 km Flussabwärts bezogen wir unser zweites Lager (67.666383N, 151.024017W). Der Aufbau des Lagers bestand hauptsächlich darin die Zelte und einen Unterstand aufzubauen, Feuerholz zu besorgen und die Lebensmittel in sicherer Entfernung zu platzieren. Dann wurden Klamotten getrocknet und das Essen zubereitet. Da das Wetter gut war und der Platz wunderschön, blieben wir hier zwei Nächte, bevor auch hier das Eis eintraf.

28 km weiter südlich bezogen wir unser Camp Nr. 3 (67.483917N, 150.93085W). Da der Fluss sehr viel Wasser trug, scheiterte leider jeglicher Angelversuch. In dieser Nacht sollten wir die schönsten Nordlichter der Tour erleben dürfen. Die Grünen Lichter erhellten tanzend den Abendhimmel, wir lagen uns vor Glück in den Armen und man fühlte sich so frei, wie nie zuvor!

Nach einer Übernachtung paddelten wir weiter. Wir brachen zum ersten Mal im Trockenen auf und der Fluss war ungewohnt ruhig. Wir angelten, während wir uns treiben ließen und genossen die Landschaft und die Beobachtung des zweiten Schwarzbären.

Nach 16 km auf dem Fluss erreichten wir Lager Nr. 4 (67.403183N, 150.77105W). Als wir das Lager aufgebaut hatten, kostete es uns abermals etwas Überwindung uns bei 4°C Wassertemperatur zu waschen. Nachdem wir mit dem Erfrischen fertig waren, durften wir auf der gegenüberliegenden Uferseite unseren ersten Grizzly beobachten. Vermutlich roch er unser Essen, verschwand aber wieder in seinem Revier.

Auch in diesem Lager blieben wir nur eine Nacht, bevor es Richtung Camp Nr. 5 (67.242183N, 150.733883W) ging. Auf dem Abschnitt des Flusses mussten wir die Allys um Stromschnellen herumführen. Während wir dies taten, kam ein Grizzly durch den Fluss geschwommen. Er stieg aus dem Wasser und kam weiterhin auf uns zu. Wir hatten ein Marinehorn, welches man oft in Stadien verwendet, am Mann, welches den Bären wenige Meter vor uns verschreckte. Abenteuer!

Das Wetter spielte uns immer mehr in die Karten und wir konnten wunderschöne Momente in der Wildnis einfangen. Wir blieben abermals nur eine Nacht und machten uns am nächsten Morgen bei Sonnenschein auf den Weg zu Camp Nr. 6 (67.064717N, 151.05375W).

Hier sollten wir laut Karte eigentlich eine alte Cabin vorfinden. Leider war die Karte wohl genauso alt wie die Holzhütte, welche die Jahre scheinbar nicht überlebt hatte. Nach kurzer Ernüchterung bezogen wir einen Lagerplatz, der mit einem riesigen Haufen angespültem Holz ausgestattet war, welcher uns das größte Feuer der Reise bescherte. Auch hier ließen sich die Nordlichter noch einmal blicken.

Am darauffolgenden Morgen brachen wir zu unserem letzten Lager (67.020265N, 151.270323W) auf, bevor wir Bettles erreichten. Hier fanden wir eine riesige Elchschaufel am Flussufer, welche unser Camp schmückte. Wir genossen den letzten Abend in der Wildnis in vollen Zügen und kamen nach 12 Tagen in Bettles an, von wo der Flieger zurück nach Fairbanks startete.

Mit diesem Bericht blicke ich auf die bisher intensivste Reise meines Lebens zurück, in der ich die Natur schätzen gelernt habe und mir bewusst wurde, was wirklich wichtig ist und worauf man Wert legen sollte. Diese Gedanken gehen einem im Alltag viel zu schnell unter. Das Land der Bären, welches meinen Vater und seine Freunde schon vor vielen Jahren in den Bann zog, tat es auch bei mir!