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September im Nationalpark Hainich in Thüringen

von Ulrich Münten

Tipps

Für unser einwöchiges Unterwegssein haben wir uns den Hainich („grünes Herz Deutschlands“), ein Waldgebirge an der Wasserscheide von Unstrut und Werra, zwischen den Städten Bad Langensalza, Creuzburg, Eisenach (Wartburg) und Mühlhausen ausgewählt.

Der Hainich ist ein Höhenzug aus Muschelkalk und seine Kammlinie verläuft auf etwa 400 Metern , höchste Erhebung ist der Alte Berg mit 494 Metern. Ab 1997 ist der Hainich Nationalpark und seit 2011 auch Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder in Deutschland“. Wir finden hier das größte zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands (Rotbuche). 

Im Nationalpark mit seinen unzerschnittenen, strukturreichen Wäldern sind Tierarten wie Wildkatze, Baummarder, Specht, Baumfalke und aktuell auch der Kranich heimisch.

Baumkronenpfad Thiemsburg

Der Baumkronenpfad, einer der schönsten Wipfelwege Deutschlands, befindet sich an der Thiemsburg im Nationalpark Hainich, 10 Kilometer westlich von Bad Langensalza. Aufgrund ihrer Strukturvielfalt stecken Urwälder voller Leben. In den Kronen der unterschiedlichen Bäume leben zahlreiche Vogel-, Käfer- und Schmetterlingsarten. Jede Schicht des Blätterdachs beherbergt ihre ganz spezifische Lebensgemeinschaft. Der Pfad (zwischen 10 bis 24 m Höhe) gewährt uns Einblicke in einen der vielfältigsten Lebensräume der Erde. 

Ein 300 m langer Steg führt uns bis auf 24 Metern über dem Boden und auf Augenhöhe mit den Wipfeln von Buchen, Stieleichen, Eschen, Elsbeeren und einigen anderen Arten. Von der Aussichtsplattform genießen wir ein Rundum-Panorama. Zum Brocken sind es 80 Km, im Süden ganz nahe liegen Hörselberge und Wartburg, im Südwesten der Meißner. 

 

Die 1000 jährige Betteleiche am Rennstieg

Der Rennstieg ist ein alter Lauf- und Botenweg, der zwischen Eigenrieden und Behringen von Norden nach Süden in Höhen zwischen 300 und 500 m über den Kamm des Hainich verläuft. Fast auf seiner gesamten Länge von 32 Km führt er uns durch naturnahe Buchenwälder. Nur wenige Teilstrecken durchqueren offenes Land. Dort eröffnen sich uns Fernblicke zu den Fahner Höhen einerseits und zum Thüringer Wald mit der Wartburg andererseits …

Wir hatten einen Transfer nach Eigenrieden organisiert, unseren PKW in Behringen abgestellt. Als wir gegen 8 Uhr in Eigenrieden westlich von Mühlhausen in den Wald eintauchen, ist es gleich angenehm temperiert mit 14 Grad.

Nach einigen Stunden betreten wir an der Antoniusherberge das Territorium des Nationalparks, der Weganteil beträgt ca. 8,5 Km.

Hier befindet sich die bizarr geformte Betteleiche, eines der Wahrzeichen des Nationalparks. Von 1442?bis?1525 gab es im nahegelegenen Ihlefeld einer Außenstelle des St. Katharinenklosters zu Eisenach. Hier lebten Bettelmönche, die sich um Reisende kümmerten, die auf den Höhenwegen im Hainich unterwegs waren. Reisende und Ortsansässige hinterlegten an der Betteleiche Almosen für die Mönche und Zettel mit den Namen derer, für die sie ein Gebet baten. Um die Gaben vor dem Wetter zu schützen, schlugen die Mönche eine Aushöhlung in den Stamm. Die Verwitterung erweiterte sie im Laufe der Jahrhunderte, teilte den Stamm und gab der Betteleiche so ihr heutiges, imposantes Aussehen. 

Nach etlichen weiteren Waldkilometern und angenehmen Pausen erreichen wir gegen 17:30 Uhr unser Ziel in Behringen. Etwa 7,5 Stunden Gehzeit für 32 Kilometer und 300 Höhenmeter, ein sehr schöner Tag im Wald.

Bad Langensalza und das Café „Schwesterherz“

Eine über 1000-Jährige Stadt ist die Kur- und Rosenstadt Bad Langensalza mit vielfältigen Gartenlandschaften und einer historischen Altstadt mit ihren malerischen Fachwerkhäusern. Faszinierend finden wir den fast komplett erhaltenen historischen Stadtkern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Wir erfreuen uns an dem munteres Treiben in den Gassen, schlendern über den Markt und essen auch die regionale Spezialität Thüringer Rostbratwurst.

Im Arboretum, dem Baumpark der Stadt wachsen derzeit 219 verschiedene Arten von Gehölzen, die 23 Pflanzenfamilien zugeordnet werden. Ein ganz besonderes Flair verströmen die Skulpturen aus Holz und Muschelkalk von neun Künstlern aus vier Ländern. 

Das Café „Schwesterherz“ bietet neben Café, Kuchen auch viele andere schöne Dinge.


Rundwanderwege Feensteig, Hünenteichweg und Germanischer Kultpfad

Um die Besonderheiten des Nationalparks zu entdecken, stehen uns insgesamt 20 Rundwege zur Auswahl. Wir trafen eine kleine Auswahl ...

Auf dem Feensteig (3 Km) verzaubern uns Waldriesen, sprechende Raben, Wurzelzwerge, weiße Frauen im Nebel, wispernde Zweige und gute Feen. Der Urwald ist tief und dunkel, plötzlich tut sich unerwartet eine wunderbare Lichtung auf. 

Der Hünenteich (Rundweg ca. 7 Km) ist ein angestauter Erdfall und eines von wenigen stehenden Gewässern im Hainich. In Karstgebieten herrscht Wassermangel, da das Oberflächenwasser schnell im Boden versickert. Der Hünenteich ist ein wichtiger Lebensraum für Schwertlilie und Wasserminze die den Uferbereich umsäumen. Bergmolche und andere Amphibien nutzen den Teich als Laichgewässer. Der Wassermangel hielt die Menschen früher davon ab, dauerhaft im Hainich zu siedeln. Geologische und kulturelle Aspekte haben dazu beigetragen, dass der Hainich heute ein großes, unzerschnittenes Waldgebiet ist, ein UNESCO-Welterbe. 

Auf dem 2 Km langen Germanischen Kultpfad werden 8 vorchristliche Heiligtümer vorgestellt. Auch der Urwald war Teil der germanischen Lebenswelt.

Opfermoor Vogtei Niederdorla am Mittelpunkt Deutschlands

Bei Niederdorla, dem geographischen Mittelpunkt Deutschlands, befindet sich eines der ältesten Siedlungsgebiete germanischer Stämme. Die vorchristlichen Kultstätten, beginnend im 6. Jh. v. Chr. ist einer der besterhaltenen Fundkomplexe dieser Art in Mitteleuropa. 

In zwei archäologischen Grabungskampagnen wurden unter der Leitung von Prof. Behm-Blancke in den Jahren 1957-1964 die Kultstätten und von 1964-1976 eine mehr periodische Siedlung ausgegraben. Die dabei gemachten Funde weisen auf eine intensive Besiedlung dieser Region hin. Eine originalgetreu rekonstruierte germanische Siedlung sowie der Ausstellungspavillon mit Funden der Ausgrabungen sind ein beliebtes Ausflugsziel und begeisterten uns sehr!

Sperbersgrund Rundweg und die Hainichbaude

Nahe dem Wanderparkplatz "Craulaer Kreuz" ist ein Tal entlang des Weges nach dem Sperber benannt. Auf den Feldern und Wiesen um Craula sind, wenn auch keine Sperber, fast immer Rotmilane und Mäusebussarde zu beobachten. Der Sperbersgrund Rundweg (7 Km) durchläuft für den Hainich große Höhenunterschiede, die teilweise mit einer Treppe überwunden werden. 

Auch heute noch warnen Schilder vor Blindgängern und verstreut liegender Munition. Die Rote Armee hatte große Flächen als Truppenübungsplatz genutzt.

Am Craulaer Kreuz bietet die Hainichbaude neben herrlichem Ausblick auch gemütliche Atmosphäre, deftige Hüttenkost, leckeren Thüringer Kuchen, Getränke und wird zur Einkehr nach Wandertouren wärmstens von uns empfohlen.

Die Creuzburg im Werratal

Die mittelalterliche Höhenburg liegt mitten im 1200 Jahre alten idyllischen Ort Creuzburg wachend über dem Werratal. Sie gilt als „Schwesternburg“ der Wartburg bei Eisenach. Die gepflegte und gut erhaltene Anlage bietet uns ein faszinierendes Bild, die Burg übt eine magische Anziehungskraft aus, lädt ganz einfach ein zum Betrachten und Verweilen.

Unlösbar sind Ort und Burg mit dem Namen des hier geborenen herausragenden frühbarocken Komponisten, Kapellmeisters und Musikwissenschaftlers Michael Praetorius (1572-1621) verbunden. Dem Schöpfer von „Es ist ein Ros’ entsprungen“ und vieler bedeutender Werke der evangelischen Kirchenmusik ist eine Gedenkstätte gewidmet. 

Mit ihren Ringmauern von über 340 Metern Umfang und einer geschlossenen Fläche von 7400 Quadratmetern zählt sie wohl zu den herausragenden romanischen Burganlagen Deutschlands.