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Magische Mongolei (Autor: Stefanie O.)

Nach 32-stündiger Zugreise über die russische Grenze komme ich in Ulan Bator an. Geburtststätte des berühmten Dschingis Khan, Land der Wildpferde, der Nomaden, des Bogeschießens und des Wrestlings: Die Mongolei. Am Bahnsteig wartete ein kleiner Mann mit einem Schild auf mich, auf dem steht "Steffi O. - Welcome to Mongolia". Mein erstes Guesthouse vermittelt mir den ersten nachhaltigen Eindruck mongolischer Gastfreundschaft. Ich komme gegen sechs Uhr morgens an und werde gleich mit kostenlosem Frühstück und einen Bett versorgt, in dem ich mich ausschlafen kann bis mein Zimmer bezugsfertig ist.

Dschingis Khan Denkmal

Ulan Bator, mein erster und eher kurzer Stopp bevor es in die Steppen geht, ist insgesamt überraschend modern und übersichtlich. Beherrscht wird das Stadtbild von einem großen Platz, an dessen Ende Dschingis Khan in einem riesigen, modernen Gebäude thront. Viele kleine, gemütliche oder international bekannte Cafés zieren die Straßen, der „State Department Store“ lädt dazu ein, mongolischen Kaschmir, traditionelle Kleidung oder exotisch Gemälde zu kaufen und ein Stück des Abenteuers mit nach Hause in den Alltag zu nehmen.

Am folgenden Tag ging es dann in die Wildnis zu meiner ersten nomadischen Gastfamilie. Drei Jurten zeichnen sich malerisch in der Ferne vor einem bewaldeten Hügel ab, auf den ich gemütlich auf einem Ochsenkarren entgegezuckel. Die Familie ist sehr herzlich, begrüßt mich mit gesalzenem Milchtee und donutähnlichem Gebäck und setzt mir prompt eines der Kinder auf den Schoß. Ich lerne viel über das entbehrungsreiche Leben der Nomaden und einem Volk wie den Mongolen bin ich vorher noch nie begegnet.

Nomaden in der Mongolei

In unserer schnelllebigen Zeit schaffen sie es, Beziehungen zu wilden Tieren aufzubauen und zu pflegen. Sie haben Pferde, Kühe und Ziegen, die sie tagsüber freilassen. Die Tiere suchen sich ihr Futter selbst, Pferde müssen wieder eingefangen werden, wenn die Familie sie benötigt. In der Folge sind sie robust, scheuen aber häufig und brauchen beim Reiten eine starke Hand. Die Kühe und Ziegen kommen von selbst wieder, weil die Jungtiere bei der Familie bleiben. Tagsüber überraschen einen wilde Pferdeherden, die frei durch die malerische Landschaft galoppieren oder ein paar Kühe, die einen erwischen, wenn man gerade aus dem Plumpsklo tritt. Nachts schnauft und meckert es vor der Jurte und man hört die Wachhunde in Erfüllung ihrer Pflicht leise schnarchen.

Jurten von Innen

Ihre Zelte, die Jurten, sind wie aus dem Bilderbuch: ein kleiner Ofen in der Mitte, ein paar Betten an den Seiten, gemalte Verzierungen an den Rundhölzern. Sie werden nachts beheizt, denn auch im Sommer ist es nachts empfindlich kalt und durch das Dach kann man die Sterne zählen. Eines Nachts regnet es und wir werden völlig überschwemmt. Meinen Reisepass rettet nur der Zufall. Die Familie haben alle Hände voll zu tun, insgesamt lerne ich fünf von ihnen kennen. Sie kümmert sich um die Tiere. Wenn sie ein Tier schlachten verwenden sie alle Teile des Tieres, sogar die Knochen werden zu kleinen Spielen für die Kinder verarbeitet.

Sie wissen, wie man zahllose Produkte aus der Milch ihrer Tiere herstellt: Käse, Joghurt, Kekse, sogar Wodka. Ich lerne jeden Tag etwas dazu: die Pferde satteln, reiten und mit wilden Tschu-Rufen antreiben, den Karren einspannen, Spiele mit Fußgelenkknochen spielen, mit Pfeil und Bogen schießen, nachts in völliger Dunkelheit den Weg zum Toilettenverschlag finden, Orientierung in der Steppe...

Jurten

Ich lausche am Lagerfeuer Geschichten über Dschingis Kahn und mongolischen Geistern, bade im eiskalten Fluß, lerne wie man nach nomadischer Sitte singend den selbst gemachten Wodka trinkt. Die Nomaden haben häufig weder Elektrizität noch fließend Wasser. Kein Licht, Kühlschrank, Heizung oder Fernseher, alles Dinge, die zu Hause selbstverständlich sind. Es gibt in den Camps keine Uhren, wir orientieren uns an der Sonne. Sie ziehen in der Regel vier Mal pro Jahr an einen anderen Standort. Die Kinder wachsen schnell in dieses Leben, mit vier bis fünf Jahren lernen sie zu reiten, die Herden zu hüten und Vorräte für den Winter anzulegen.

Nach insgesamt vier Wochen Reise kehre ich nach Deutschland zurück. Was bleibt, ist ein nachdrücklicher Eindruck der Mongolei, der mich viele Dinge in der Heimat anders betrachten lässt.
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