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Unterwegs auf dem Küstenweg/Camino del Norte

von Corinna Länger

Tipps

Neben guten Wanderschuhen und einer Softshelljacke ist es auf den meisten Wanderruten sinnvoll einen Regenponcho dabei zu haben, um auch bei Regenwetter optimal aufgestellt zu sein.
Panorama

Auf meinen bisherigen Pilgerwegen habe ich nur Gutes über den Küstenweg gehört. Vor allem, da er im Vergleich noch recht einsam ist. Bei einem gemütlichen Abend mit warmem Tee in den Händen las uns eine Hospitalera die aktuellen Statistiken vor. Momentan (Anfang November 2019) seien pro Tagesetappe ca. 30 – 40 Pilger auf dem Küstenweg und um die 400 auf dem Camino Francés unterwegs! Wer also gerne allein wandert und dabei das Auf und Ab der Küstenpfade nicht scheut, kann auf diesem Jakobsweg von Hendaye im Baskenland über Kantabrien und Asturien nach Galicien und damit Santiago de Compostela in ca. 830 km pilgern.

Ich startete in Bilbao und verkürzte aus Zeitgründen somit auf ca. 660 km. Neben dem von außen wirklich beeindruckenden Guggenheim-Museum überraschte mich der viele Asphalt während der ersten Etappen. Zum Glück kann ich berichten, dass der Küstenweg später vermehrt über Feldwege und kilometerweit direkt auf dem Strand verläuft.

Strand

Je nach Kondition und Etappenlänge kann man zwischen vielen unterschiedlichen Alternativen wählen, die teilweise direkt an der Küste verlaufen, Anhöhen umgehen oder Abkürzungen entlang der Straße darstellen. Diese Freiheit bedeutete für mich allerdings auch, dass ich auf diesem Jakobsweg weitaus mehr vorausgeplant habe als für den Camino Francés oder Camino Portugués. Teilweise lag das auch an meiner Wanderzeit im Spätherbst, wo einige Herbergen bereits schließen.

Wer sich auf ein paar Abenteuer einlässt, kann so beispielsweise von Unquera nach Llanes durch Kuherden wandern, über Weidengatter klettern und direkt an der Felsküste entlang die Wildnis Asturiens erleben. Hier befinden sich auch die Bufones de arenillas. Bei diesem Naturphänomen wird das Meereswasser bei kräftigem Seegang in unterirdische Löcher und Höhlen der Steilküste gedrückt und entweicht mit lautem Pfeifen oder Fauchen Geysiren gleich in die Luft.

Küste

Auch meine absolute Lieblingsetappe und gleichzeitig mit Abstand die anstrengendste war eine dieser Alternativen. Von El Pito über Soto de Luiña wählte ich anschließend die recht niedlich klingende Alternativroute “Weg über die Anhöhe“, wie es in meinem Pilgerführer hieß. Wie auf dem Bild zu erkennen, erklimmt man stolze 500 Höhenmeter, die anschließend auch wieder hinabzusteigen sind und die “Anhöhe“ zieht sich nette 18 Kilometerchen... Ich bin niemand, der den Jakobsweg nur aus sportlichem Ehrgeiz geht oder sich ständig beweisen will, aber endlich oben am Alto de Peñas de Bolado angekommen, hatte ich wirklich einen König der Welt-Moment. Die Aussicht mit Blick auf das Meer und den umliegenden Bergketten ist atemberaubend, dazu läuft man komplett auf Trampelpfaden weit ab der Zivilisation und hat die Bergspitze ganz für sich – einmalig! Insgesamt war meine Tagesetappe 33 Kilometer lang und ich war abends sogar zu müde, um etwas in mein Pilgertagebuch zu schreiben, aber das war es wert.

Höhenprofil

So unterschiedlich die Wegvarianten sind, so unterschiedlich sind auch die Fortbewegungsmittel entlang des Küstenweges. Das mag für den Fußpilger erst mal widersprüchlich klingen, gestaltet diesen Jakobsweg jedoch interessant und abwechslungsreich. In Portugalete ist es eine Schwebebrücke, die von einem Ufer des Nervións zum anderen pendelt. Von der Landzunge bei Laredo wartet man am abgelegenen Strand neben einem in die Jahre gekommenen Steg auf einen kleinen Fischkutter, der als Fähre nach Santoña fungiert (ohne den Pilgerführer hätte ich nicht geglaubt, dass ich hier richtig bin). Um Santander zu erreichen, nutzt man eine öffentliche Fähre und kann sich dadurch eine schöne Pause von ca. 20 Minuten gönnen sowie die Skyline der Hauptstadt Kantabriens genießen. Schließlich fährt man eine Station mit einer Straßenbahn bis Mogro, um die gefährliche und zu Fuß verbotene Überquerung der Eisenbahnbrücke zu vermeiden.

Fischkutter

Bezüglich der Herbergen sind die ersten drei Bundesländer teurer als Galicien, wo die öffentlichen Herbergen einheitlich €8 kosten. Hier kommen meine drei absoluten Spitzenherbergen.

In der angenehm kleinen Albergue "Tu camino" begrüßt Hospitalero Guiseppe herzlich alle Pilger, der Hund Paco freut sich über Streicheleinheiten und abends gibt es ein leckeres Abendessen in geselliger Pilgerrunde.

Abendessen

Die familiäre Spendenherberge von Brigitta und Manfred übertrifft alle Pilgererwartungen! In der Kapelle im wunderschönen Garten wird abends zu einer Meditation eingeladen, das gemeinsame Essen war himmlisch und die Herbergseltern sind tolle Vorbilder.

Die Herberge in Miraz war eine der wenigen, die in der kühlen Jahreszeit die Heizung anhatte und sogar im gemütlichen Gemeinschaftsraum brannte das Kaminfeuer. Ich wurde schon vor den Öffnungszeiten hereingelassen und sehr herzlich von dem englischen Ehepaar aufgenommen. Das absolute Highlight war die Nutella zum Frühstück!

Ich möchte diesen Pilgerbericht mit meinen Überraschungsmomenten auf diesem Jakobsweg und dem Caminospirit schließen:

  • Mir wurde von einem Lieferanten in San Antonio eine Tafel Schokolade geschenkt.
  • Ein Rennradfahrer überbrachte mir liebe Grüße von zwei Pilgern, die ich am Vortag getroffen hatte. Es stellte sich heraus, dass die beiden ihn nach dem Weg fragten und so ins Gespräch kamen und mich erwähnten. Da seine Trainingsstrecke in meine Richtung ging, hielt er die Augen nach mir offen und überbrachte mir Pilgergrüße.
  • Ich, ohne Französischkenntnisse, bin tagelang mit Franzosen gepilgert, die kaum Englisch sprachen.
  • Eine süße Omi bat mich im Nieselregen zu sich auf den Hof und gab mir heißen Kakao.

In diesem Sinne: Buen Camino!

Camino

Unterwegs