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Marokko - zwischen Surfbrett und Saharasand

von Lukas Terhechte und Lavinia Rodax

Tipps

Unsere 1-monatige Marokko-Reise begann ohne festen Plan mit dem Wunsch, uns treiben zu lassen, offen zu sein für Begegnungen, neue Lebensweisen und Erfahrungen abseits klassischer Touristenaktivitäten. Rückblickend war genau das die richtige Entscheidung, denn Marokko hat uns auf sehr intensive und vielfältige Weise geprägt.
 

Zu Beginn unseres Aufenthalts machten wir für eine Woche ein WorkAway an der Atlantikküste im Dörfchen Sidi Kaouki in einem Surfboardverleih mit integriertem Restaurant. Dort arbeiteten wir im täglichen Restaurantbetrieb und machten alle möglichen Instandhaltungs-Aufgaben, die so anfielen und bekamen einen sehr authentischen Einblick in den Arbeitsalltag und die Organisation eines marokkanischen Gastronomiebetriebs. Neben der Arbeit blieb noch Zeit, die Umgebung zu erkunden und erste Eindrücke von Land und Leuten zu sammeln. Besonders das gemeinsame Essen spielte dabei eine große Rolle: viel Brot (oft süß), dazu Eier in allen Variationen. Die Mahlzeiten waren einfach, aber geprägt von Gemeinschaft, da man das Brot teilte, um damit das lecker gewürzte Rührei zu essen.

Vom Surfshop aus unternahmen wir unter anderem einen Ausflug mit dem Bus in das nahegelegene Essaouira. Schon die Fahrt mit einem einheimischen Linienbus war für uns ein Erlebnis und machte uns kulturelle Unterschiede deutlich bewusst. Körperliche Nähe oder Berührungen in der Öffentlichkeit sind ein absolutes No-Go zwischen Männern und Frauen, ein wichtiger Lernprozess im Umgang mit einer anderen Kultur und ihren gesellschaftlichen Normen. 

Nach dieser ersten Phase reisten wir weiter in die Küstenstädte Taghazout und Imsouane, wo wir tief in das Surferleben eintauchten. Besonders Imsouane mit seiner berühmten, langen Welle (der längsten Welle Nordafrikas) begeisterte uns sehr. Die Tage waren geprägt von Surfen, schönen Unterkünften, traumhaften Sonnenuntergänge, dem Leben im Rhythmus der Natur und einer starken Gemeinschaft unter Surfer*innen. 

Der wohl intensivste Teil unserer Reise begann jedoch mit dem zweiten WorkAway im Süden des Landes, nahe Tagounite, am Rand der Sahara. Für diesen Aufenthalt kauften wir Anfang April im Unterwegs-Laden das Travel Soap Eco, das sich als unverzichtbar herausstellte. Wir lebten bei einer marokkanischen Familie in einem traditionellen Lehmhaus in einer Oase mitten in der Steinwüste. Wasser war dort eine wertvolle Ressource: Dusch- und Waschwasser wurde aufgefangen und neben dem Abtritt gesammelt, um später für das Spülen der Toilette wiederverwendet zu werden. Genau deshalb war es essenziell, ein ökologisches Wasch- und Duschmittel zu nutzen, dass das Wasser nicht verschmutzt.

Unsere Aufgaben reichten vom Ernten von Getreide über das Hüten und Versorgen des Viehs bis hin zu alltäglichen Arbeiten rund um Haus und Hof. Wir erlebten hautnah, was es bedeutet, mit minimalen Ressourcen zu leben und wie achtsam mit Wasser, Lebensmitteln und Materialien umgegangen wird. Eine Erfahrung, die uns unsere eigene privilegierte Lebensweise in Deutschland sehr deutlich vor Augen geführt hat. Duschen und der Toilettengang in der Lehmhütte zählten dabei definitiv zu den ungewohntesten Erfahrungen. Auch die fehlende Privatsphäre war eine große Umstellung, machte den Aufenthalt aber umso authentischer. 

Eine Saharatour, die das Paar mit uns unternahm, blieb uns besonders in Erinnerung: freilaufende Kamele, weite Dünenlandschaften, Sandboarden und die völlige Stille der Wüste. Gleichzeitig gehörten Skorpione im Waschhaus selbstverständlich zum Alltag. 

Vor dem Ende unserer Reise führte uns der Weg noch nach Imil in das Atlasgebirge. Dort konnten wir die Natur noch einmal intensiv genießen. Wir waren viel wandern, schwammen in Wasserfällen und erlebten eine beeindruckende Berglandschaft. Auch hier zeigte sich erneut, wie einfach das Leben sein kann und wie wenig es eigentlich braucht. Das Travel Soap Eco war auch in dieser Region besonders praktisch, da wir uns nach Wanderungen direkt in der Natur frisch machen konnten, ohne die sensiblen Wasserquellen zu belasten. Die Menschen in den Bergen begegneten uns mit aus Deutschland ungewohnter Offenheit und Freundlichkeit.

Kritisch beobachteten wir jedoch während der gesamten Reise die Tier- und Viehhaltung. Besonders auf Märkten sahen wir viele Hühner, die auf engstem Raum in kleinen Käfigen gehalten wurden. Diese Eindrücke waren schwer auszuhalten und zeigten uns auch die Schattenseiten des Alltags in einem Land, in dem wirtschaftliche Möglichkeiten oft begrenzt sind. 

Unsere Reise endete schließlich in Marrakesch, einer lauten, bunten und lebendigen Stadt, in der plötzlich wieder Komfort und Luxus allgegenwärtig waren. Nach der Zeit in der Wüste und in den Bergen war dieser Kontrast enorm, und wir mussten uns erst wieder an fließendes Wasser, westliche Standards und die ständige Reizüberflutung gewöhnen. 

Auch nach unserer Rückkehr nach Deutschland begleitete uns diese Reise weiter. Wir sind deutlich sensibler geworden im Umgang mit Wasser und Ressourcen und tragen das Bewusstsein mit uns, dass vieles, was für uns selbstverständlich ist, in anderen Regionen der Welt kostbar und begrenzt ist. Marokko hat uns nicht nur landschaftlich und kulturell beeindruckt, sondern uns nachhaltig zum Nachdenken gebracht über Konsum, Privilegien und einen achtsameren Lebensstil.

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