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Mit dem Bulli unterwegs in Skandinavien und dem Baltikum

von Alexandra Sander

Tipps

Manchmal kommt es anders als man denkt; so erging es uns, als wir unsere Jobs und unsere Wohnung Ende 2019 gekündigt hatten um nochmals nach Australien zu fliegen. 
Da es durch Corona nicht möglich war überhaupt zu reisen, bzw. absehbar war, dass Australien für längere Zeit seine Grenzen geschlossen halten werden wird, mussten wir unsere Pläne erst einmal auf Eis legen und haben überlegt, wie und in welche Himmelsrichtung es dann gehen könnte. 

Sobald klar war, dass Dänemark seine Grenzen Mitte Juni 2020 für Touristen öffnen würde, war unser Plan, mit unserem Bulli durch den hohen Norden bis zur Russischen Grenze, dann wieder Richtung Süden bis nach Polen und zurück Richtung Westen bis nach Wilhelmshaven zu fahren.

Der erste Steckenabschnitt führte uns über schöne Landstraßen bis nach Schleswig-Holstein, wo wir auch unsere erste Nacht auf einem schönen Stellplatz direkt hinter dem Deich verbracht haben. An diesem lauen Sommerabend mit dem Meeresrauschen und dem Geschrei der Möwen in den Ohren haben wir unsere ersten Portion Nudeln, eine von sehr vielen, im Bulli gekocht und sind danach satt und zufrieden ins Bett gefallen. 

Am nächsten Tag mussten wir nur noch zwei Stunden fahren um über die Grenze von Dänemark zu gelangen. Kurz hinter der Grenze haben wir dann einen offiziellen Campingplatz angesteuert (zu dem Zeitpunkt musste man sechs Tage einen "festen & offiziellen" Stellplatz vorzeigen). 

Auf dem Campingplatz angekommen wurden wir schon von einigen anderen Campern in Empfang genommen da unser Bulli leider einige Fehlzündungen von sich gegeben hatte, die nicht nur die Schafe am Deich aufhorchen ließen. Da wir den Platz für sechs Tage im Vorfeld buchen mussten, haben wir das "kleine Fehlzündungsproblem" erstmal gewissenhaft ignoriert. Die Tage haben wir mit langen Wanderungen am Meer und dem Erkunden der umliegenden Dörfern verbracht. Nachdem wir das Problem nicht mehr ignorieren konnten (da wir auch irgendwann weiter wollten), sind wir nach Hoyer gefahren bzw. geruckelt. Dort wollten wir den Bulli in einer Werkstatt durchchecken lassen. Der sehr nette ältere Mechaniker hat bei seinem Check leider nur feststellen können, was das Problem ist, konnte es aber nicht lösen. Daher empfahl er uns zurück nach Niebüll / Deutschland zu fahren, da dort die nächste VW Werkstatt ist. Am nächsten Tag haben wir es nur bis kurz hinter den Campingplatz geschafft und sind liegen geblieben. Zu unserem Glück kamen gerade unsere netten Nachbarn vom Campingplatz vorbei gefahren und boten an, dass sie uns bis nach Niebüll abschleppen würden. Bei der Werkstatt angekommen, wurde uns nach der obligatorischen Fehlersuche mitgeteilt, dass Ersatzteile für die Reparatur erst bestellt werden müssten. Dies würde mit der Reparatur ca. eine Woche dauern.

Kurz entschlossen nahmen wir einen Zug zurück nach Wilhelmshaven, um eine Woche später den Bulli wieder abzuholen. Von der Werkstatt ging es dann so schnell wie möglich wieder über die Grenze nach Dänemark. Leider sind wir kurz nach dem Grenzübergang wieder liegen geblieben und wir wurden von der Werksatt aus Niebüll netterweise abgeholt bzw. abgeschleppt. Dort haben wir dann auch die Nacht in unserem Bulli verbracht. Am nächsten Tag konnten wir dann endlich wieder auf die Straße und haben zum dritten mal die Grenze zu Dänemark überquert. 

Von da an fuhr der Bulli einwandfrei und wir konnten uns endlich wieder auf den Weg machen. Wir verbrachten noch zwei Wochen in Dänemark und sind mit Freunden die Westküste langsam aber sicher Richtung Norden gereist.


Mit der Autofähre haben wir dann nach Norwegen übergesetzt und sind die wunderschöne Westküste bis nach Bergen gefahren. Immer wieder haben uns die Ausblicke auf die spektakuläre Natur in den Bann gezogen. Die Tage bestanden nicht nur aus "Fahren" sondern aus vielen kurzen oder langen Wanderungen. Immer wieder fanden wir zum Abend einen schönen Stellplatz an einem See, an der Küste oder in den Bergen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Bergen ging es weiter Richtung Nordosten. Auf diesem Streckenabschnitt sind wir durch den Laerdalstunnelen, dem mit 24,5 km längsten Tunnel Norwegens gefahren. Einer der schönsten und auch spannendsten Abschnitte war der Trollstigen, da die 17 Haarnadelkurven nicht viel Platz für entgegenkommende Fahrzeuge ließen. 

In drei sehr abwechslungsreichen Wochen, in denen das Wetter auch immer wieder sehr kalte Tage mit sich brachte, die Natur uns immer wieder in ihren Bann gezogen hat, haben wir das Nordkap erreicht. Bis dahin hatten wir nicht nur tolle Kanufahrten auf wunderschönen Seen mit kleinen Inseln gemacht, sind auf den Lofoten den "Reinebringen" Track hochgekrakselt sondern hatten auch das Glück eine Schule von 20 Delphinen direkt von der Küste beim spielen zu beobachten.

Beim Nordkap sind wir den achtstündigen "Knivskjellodden" Wanderweg gelaufen um an den nördlichsten (Festlands) Punkt Europas zu gelangen. Dabei haben uns immer wieder Rentiere den Blick auf den Atlantik versperrt.

Vom Nordkap ging es nur noch Richtung Südosten bis nach Kirkenes und von dort machten wir noch einen Abstecher an die Russische Genze. Langsam spürten wir in unserem Bulli, dass der Herbst hier im Norden schneller kommt als in Wilhelmshaven, dies schreckte uns aber nicht ab, ein morgendliches Bad in einem See zu nehmen. 

Von nun an zeigte unser Kompass Richtung Südwesten und wir sind Mitte August über die Grenze nach Finnland gefahren. Die finnische Landschaft besteht aus Wäldern und Seen, aber die augenscheinliche Einfachheit hat uns fasziniert. Ein einzigartiges Erlebnis war, es Polarlichter beobachten zu können und im Nationalpark Saana während des Indian Summer wandern zu gehen. 


Ein weiteres Highlight war ein Stellplatz mitten im Wald an einem See mit Sauna für uns alleine. Da uns Finnland so gut gefallen hat, haben wir fast 5000 Kilometer verfahren, aber jeder Kilometer hat sich gelohnt.

Von Helsinki ging es dann per Autofähre nach Tallinn. Tallinn war für uns dann nach langer Zeit eine "große" Stadt, die wir per Fuß erkundigt haben und unserem Bulli eine kleine Pause gönnten. Uns hat es immer wieder in die kleine aber feine historische Altstadt gezogen. In den drei Wochen, die wir durch Estland gereist sind, haben wir immer wieder kleine Dörfer durchquert und hatten das Gefühl, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Aber die Begegnung mit den Menschen ist uns bis heute in Erinnerung geblieben. 

Die nächste Grenze, die wir überquerten, war nach Lettland. Als erstes haben wir die Hauptstadt Riga angefahren. Dort genossen wir vier Tage und Nächte das Großstadtleben und können uns bis jetzt nicht entscheiden, welche der beiden Hauptstädten uns besser gefällt. 

In Lettland fanden wir immer wieder schöne und ruhige Stellplätze am Baltischen Meer und konnten wunderschöne Sonnenuntergänge bestaunen. In den Nationalparks konnten wir tagsüber ausgedehnte Wanderrouten erkunden um uns für die kalten Nächte aufzuwärmen.

Allerdings kommt es manchmal anders als man denkt. Das soll heißen auch hier wurde das Thema Corona immer präsenter. Lettland wurde langsam aber sicher zum Hochrisikogebiet erklärt sowie die beiden nächsten Länder (Lithauen und Polen), die wir eigentlich bereisen wollten. Daher haben wir uns dafür entschieden von Liepaja eine Fähre nach Travemüde zu nehmen. Die Überfahrt dauert insgesamt 26 Stunden und bevor es am nächsten Morgen wieder zurück in unsere Heimat Wilhelmshaven gehen sollte, haben wir uns noch einen schönen Stellplatz in einem Wald gesucht.