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Alpines Klettern in Neuseeland (Autor: Alexandra Lischka)

Seit meiner ersten Hochtour in den Alpen bin ich auf den Genuss des alpinen Kletterns gekommen. Vereiste Gipfel haben einfach etwas Magisches. Anfang des Jahres bin ich für meine Doktorarbeit nach Neuseeland gezogen. Ein Grund, warum ich mir diesen Standort ausgesucht habe, ist unter anderem die vielfältige Berglandschaft hier. Im Vergleich zu den europäischen Alpen ist das Lawinenrisiko allerdings recht hoch und ich fühle mich noch nicht bereit, mit meinen Freunden alleine auf Hochtouren zu gehen. Um mich sicherer zu fühlen, habe ich deshalb für drei Tage an einer Snowschool auf dem höchsten Berg der Nordinsel Neuseelands, dem Mount Ruapehu (2.797 m), teilgenommen. Wir waren eine Gruppe von 8 Teilnehmern und 2 Bergführern.

Der erste Tag des Trips startete im Sturm und mit einer Menge Hagel. Da die Sicht sehr eingeschränkt war, haben wir den direkten Weg zur Hütte auf 1.900 m gewählt. Ich hatte vergessen, wie stark mich ein schwerer Rucksack mit Verpflegung, Kletterseil und Ausrüstung einschränken kann. Der Aufstieg war extrem anstrengend, besonders im frischen Schnee. Meine Laune stieg jedoch schlagartig, als ich dann endlich die Hütte erblickte. Dort galt es, sich erst einmal aufzuwärmen und meine lila Lippen wurden auch wieder rosa!

Aufstieg zur Huette, mit Hagel, Sturm und Schnee

Nach einer Menge warmer Getränke starteten wir mit dem ersten Programmpunkt: self-arresting. Das ist eine Technik im Bergsteigen wenn der Kletterer einen vereisten oder verschneiten Hang herunterfällt und sich selbst vom Runtergleiten stoppen muss. Wir simulierten Stürze in alle Richtungen: Vorwärts, rückwärts, seitwärts und ernteten fast alle blaue Flecken. Die erste Nacht in der Hütte schlief ich sehr tief. Die Kälte und die physische Erschöpfung (plus ein wenig Rotwein) hatten uns alle ermüdet.

Am zweiten Tag beschäftigten wir uns mit Lawinenbergung. Lawinen stellen in Neuseeland ein großes Risiko dar und zu wissen, wie man im Ernstfall handelt, ist ein Muss. Bei einer Hochtour trägt jeder Kletterer ein Lawinenausrüstungset mit sich, welches aus Schaufel, Sonde und LVS (Lawinenverschüttungssuchgerät) besteht. Wir vergruben jeweils in zweier Teams die LVS und begaben uns auf die Suche. Gar nicht so einfach - der Radius, in der die LVS einen verschütten Menschen orten können, beträgt maximal 40 m und im Ernstfall gilt es schnell zu handeln. Nach einer Faustregel gilt es, den Verschütten in maximal 15 Minuten zu orten und auszugraben, bevor es zu spät ist. Die Übungen machten uns Spaß, hinterließen aber einen bitteren Beigeschmack und die Hoffnung, niemals in eine solche Situation zu gelangen

Beim Erlenern der Eiskletter-Technik Daggering

Nach Lawinentheorie und -praxis gestaltete sich der Tag sehr unterhaltsam: wir bauten Rutschen in Eis und Schnee und ich entdeckte mein neues Hobby: „Daggering“. Das ist eine Technik des Eiskletterns mit Äxten, bei der man den Schaft der Eisäxte sowie die Frontzacken der Steigeisen nutzt, um moderat steile Hänge zu besteigen. Recht auspowernd und der gesamte Körper ist beteiligt.

An unserem letzten Tag begrüßte uns die Sonne mit einem wahnsinnigen Sonnenaufgang. Der Sturm war endlich vorbeigezogen und es hatte aufgehört zu schneien. Da das Lawinenrisiko immer noch hoch war, konnten wir leider keinen Gipfel besteigen, aber erklommen einige kleinere Hügel.

Techniktraining am Hang


Meine neuseeländische „Snowschool“ hat mich weiter auf das alpine Klettern vorbereitet. Dennoch bin ich ein Anfänger und kann noch sehr viel lernen. Aber das meiste kommt durch Erfahrungen und in einigen Wochen plane ich eine Besteigung in den neuseeländischen Alpen. Meine Bergsteigerfreunde sind glücklicherweise erfahrener als ich. Durch das Erlernen der Techniken und der Erkennung möglicher Risiken fühle ich mich einen Schritt näher meinem Traum, eine Bergsteigerin zu werden!

Sonnenaufgang ueber Ngauruhoe


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