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Abenteuer Südamerika

von Andreas Hünnebeck

Tipps

Zwei Freunde, zwei Motorräder, zwei Zelte - und drei Monate Zeit. Chile, Argentinien, Bolivien und Peru, eine Tour durch wilde Landschaften, abgelegene Hochlandregionen und mit bewegenden Begegnungen. Abenteuerliche Offroad-Etappen mit Pech und Pannen - und dem Glück, unterwegs zu sein.

Carretera Austral
Valparaiso Anfang Januar: Die Reiseenduros sind längst vor Ort, nachdem sie per Container von Hamburg nach Valparaiso verschickt wurden. Ein Jahr intensive Vorbereitung liegt hinter uns, jetzt geht es los. Im Süden Chiles auf der Carretera Austral diktiert die Natur die Regeln. Dichte Regenwälder wechseln sich mit offenen Tälern ab, in denen der Wind ungehindert über die Landschaft fegt. Immer wieder halten wir an, nicht, weil wir müssen, sondern weil wir nicht anders können. Türkisblaue Flüsse schneiden sich durch das Gestein, Wasserfälle stürzen von steilen Felsen, und hinter jeder Kurve scheint ein neues Panorama zu warten. Das Motorradfahren auf der Carretera Austral ist anspruchsvoll. Der Schotter ist mal fest und griffig, dann wieder lose, tief und tückisch. Schlaglöcher, Baustellen, Serpentinen und plötzlich auftauchende Tiere. Wir sind eben nicht nur unterwegs, wir sind mittendrin. Jeder Kilometer will erfahren werden.

Die Einsamkeit ist allgegenwärtig und wohltuend. Stundenlang begegnen wir kaum einem anderen Fahrzeug. In kleinen Dörfern entlang der Strecke scheint die Zeit langsamer zu laufen. Die Menschen sind herzlich, neugierig und hilfsbereit. Zehn Tage nach dem Start in Valparaiso erwartet uns das Ende der Carretera Austral. Vor atemberaubender Kulisse des tiefblauen Lago General Carrera schlagen wir unsere Zelte auf.

 

Ans Ende der Welt

Es folgen 160 km unbefestigte Pisten durch die Anden bis in die unendlichen Weiten der argentinischen Steppe. Auf nach Feuerland. Die Strecke beginnt mit einem Gefühl, als würde man ans Ende der Welt aufbrechen. Die Anreise über die windgepeitschten Weiten Patagoniens und die Fähre über die Magellanstraße stimmen auf das ein, was kommt: rau, ungezähmt und beeindruckend still. Kaum auf der Insel, verändert sich die Landschaft spürbar. Endlose Ebenen ziehen sich bis zum Horizont, das Gras beugt sich im permanenten Wind. Die Mopeds kämpfen nicht nur gegen die Strecke, sondern auch gegen die Böen, die uns immer wieder zur Seite drücken. Fahren wird zur aktiven Arbeit. Der Straßenbelag wechselt überraschend, und wir lernen schnell, den Blick weit nach vorne zu richten. Je weiter wir in den Süden kommen, desto dramatischer wird die Kulisse. In Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, mischt sich Abenteuergefühl mit einer fast surrealen Endzeitstimmung. Hier endet die Straße, hier beginnt nur noch das Meer und dahinter die Antarktis. Es ist windig, sehr kalt, oft unberechenbar. Aber genau das macht Feuerland so besonders. Es ist das Gefühl, am Ende der Welt ein Stück Freiheit gefunden zu haben.

 

Ab in den Norden

Es sind zunächst die rauen Welten Patagoniens: Windgepeitschte Straßen führen uns zu türkisfarbenen Seen des Torres del Paine, weiter zum donnernden Eis des Perito Moreno Gletschers und schließlich zu den schroffen Gipfeln des Fitz Roy: Freiheit, Naturgewalt und Abenteuer pur. Auf der Ruta Nacional 40 fahren wir entlang der Anden durch einige der wildesten und abgelegensten Landschaften Argentiniens. Endlose Schotterpisten, karge Steppe, windige Hochplateaus und kleine Dörfer machen jede Etappe zu einem echten Abenteuer. Es ist eine Reise voller Freiheit, Einsamkeit und spektakulärer Natur - rau, herausfordernd und unvergesslich, über 5.000 km vom tiefen Süden Argentiniens bis zur bolivianischen Grenze.

Wenn Wind eine Heimat hat, dann in Patagonien. Für Tage gesperrte Straßen und riesige umgestürzte LKWs am Wegesrand sind warnende Zeugen. An starken Wind waren wir bereits gewöhnt, aber nicht an Windstärken, welche die leistungsstarken Enduros dazu zwingen, in den 4. Gang zu schalten, nur um weiter voranzukommen. Anhalten? Beim ersten Versuch werden wir direkt umgeblasen und liegen mit den Mopeds am Boden. Nur mit Glück finden wir in der Einsamkeit ein Haus mit Windschutz und der Möglichkeit, dort zu übernachten. Ausnahmsweise nicht allein. Fünf Motorradfahrer aus Uruguay geraten in Sichtweite mit ihren 350er-Maschinen in arge Not und kommen nicht weiter. Gemeinsam schaffen wir bei tosendem Wind einen völlig entkräfteten Biker und die Maschinen zum Haus. Eine Lehre, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Weiter im Norden ist die Landschaft ein anderes Universum. Zum Ende der Ruta National 40, kurz vor Bolivien, leuchteten die Berge in Rot, Violett und Ocker, als hätte jemand sie bemalt. Hier fühlen wir unmittelbar den Wandel und tauchen nun ein in die Kultur Südamerikas. Bunte Farben und überwiegend indigene Bevölkerung prägen das Bild. Natur und Menschen zeigen uns: Wir sind angekommen.

Bei aller Freude merken wir aber auch etwas anderes - die Höhe. Fast unmerklich sind wir Meter für Meter geklettert. Wir sind auf knapp 3.000 Meter Höhe. Beim Moped fahren fällt es gar nicht so auf, aber ein kleiner Aufstieg zu Fuß reicht, um uns völlig aus der Puste zu bringen. Es ist, als würde jeder Atemzug ein bisschen zu kurz greifen und die Kraft, weiterzugehen, schwindet mit jedem Schritt. Daran werden wir uns gewöhnen müssen. Für die nächsten Wochen sind 3.000 Höhenmeter eher der untere Gradmesser.

 

Bolivische Kontraste - Salzsee und Dschungel

Unser nächstes Etappenziel, der Salar de Uyuni: Auf 3.651 Metern die größte Salzpfanne der Erde. 140 mal 110 Kilometer nur Weiß, endloses Weiß. Keine Straße. Keine Markierungen. Kein Geräusch - nur die Motoren zweier Reiseenduros. Vorsichtig, erst zögerlich, dann aber die Weite genießend fahren wir los. Der Untergrund wirkt meist fest und absolut eben. Als Referenzpunkte dienen nur weit entfernte Berge, die in der Sonne flimmern und wie schwebende Ufos über der unendlichen Ebene wirken. Der Horizont verschwimmt. Himmel und Erde gehen ineinander über. Alles ist blendend weiß. 50 km fahren wir auf purem Salz. Nach der Rast in der Unendlichkeit geht es zurück. In der Ferne entdecken wir zwei Jeeps, die auch ihren Weg durch die Salzwüste suchen. Ein Tag auf dem Salar de Uyuni ist mit nichts zu vergleichen - er ist unvergesslich.

Nach dem Salzsee fahren wir in die höchstgelegene Hauptstadt der Welt: La Paz. In bis zu 4.100 Metern Höhe liegt sie in einem gigantischen Talkessel, umgeben von gewaltigen 6.000er Bergen der Anden. Mit den Motorrädern schlängeln wir uns in der quirligen Innenstadt durch Dauerstaus fast eine Stunde steil bergab, bis die Bremsen qualmen. Unser Hostel liegt ganz zentral am mystischen Hexenmarkt. An den Ständen, die wir vorsichtig umfahren, hängen mumifizierte Ferkel, Alpakas oder deren Föten. Sie werden angeboten für traditionelle Rituale und Opfergaben.

Von La Paz machen wir einen Abstecher in den Urwald zum Rio Yacuma, einem Zufluss des Amazonas. In 12 Stunden aus 4.100 Metern Höhe auf nur 180 Meter. Gemeinsam mit unserem Local Guide besteigen wir ein schmales, langes Boot mit kleinem Außenborder, um die abgelegene, auf Stelzen im Wasser gelegene Lodge zu erreichen. Hier ist die Luft schwer und warm, durchzogen vom Duft feuchter Erde, verrottender Blätter und blühender Pflanzen. An den Ufern liegen reglos Kaimane, ihre Augen knapp über der Wasseroberfläche. Wir sehen Schlangenhalsvögel und urzeitliche Hoatzine, die unbeholfen durch das Geäst flattern. Aus den Bäumen beobachten uns Totenkopfäffchen mit großen, wachen Augen, während aus der Ferne das tiefe Brüllen der Brüllaffen durch den Dschungel schallt - ein Laut, der durch Mark und Bein geht. Termitenhügel, Agutis, Capybaras... Und dann unser Highlight: Ein leises Auftauchen neben dem Boot. Ein grauer Rücken durchbricht die Oberfläche: einer der seltenen Flussdelphine! Er taucht auf und gleich wieder ab, gleitet ein Stück neben dem Boot her, bevor er verschwindet. Die Tage im Dschungel hinterlassen einen tiefen Eindruck und das Gefühl, dass wir Menschen nur Beobachter und Gast sein sollten.

Nach drei Tagen geht es innerhalb weniger Stunden von 180 auf über 4.000 Meter Höhe zurück nach La Paz. Es haut es uns völlig um. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und unglaubliche Müdigkeit überfällt uns. Wir sprechen den Chef unseres Hostels auf Hilfe an. Statt eines Arztes versorgt er uns mit Coca-Bonbons und wir nehmen Acemit-Tabletten. Eigentlich ein Mittel, um den Augeninnendruck zu senken. Was auch immer es war, gegen Abend geht es uns beiden deutlich besser.

 

Titicaca-See

Bis hierhin sind wir insgesamt 12.000 km gefahren. Zeit, es für ein paar Tage ruhiger angehen zu lassen. Der höchst gelegene, schiffbare See der Welt liegt wie ein stilles, spiegelndes Band zwischen Himmel und Erde, auf über 3.800 Metern Höhe. Die Luft ist dünn, das Licht unglaublich klar und die Wolken spiegeln sich im tiefblauen Wasser. Ein wenig ist dies das Gefühl, näher an den Himmel gerückt zu sein.

Weiter draußen erheben sich die Isla del Sol und Isla del Luna. Wir besuchen die Inseln mit einem kleinen Motorboot und sind nicht nur von der Landschaft beeindruckt, sondern vor allem von den Tempeln der Inkas. Sie sind tief in der Mythologie der Inka verwurzelt. Hier soll der Ursprung ihrer Welt liegen - ein Ort, an dem Geschichte, Glaube und Natur ineinanderfließen.

Auf der peruanischen Seite liegt das Tor zu einer der außergewöhnlichsten Kulturen Südamerikas: den Uros. Ein Volk, das zu seinem eigenen Schutz seit Jahrhunderten auf schwimmenden Schilfinseln lebt. Beim Betreten der Inseln, auf denen jeweils eine kleine dörfliche Gemeinschaft wohnt, schwankt alles unter unseren Füßen und mit jedem Schritt versinken wir etwas im wabernden Untergrund. Es leben nur noch wenige Menschen dort und wir fühlen uns in der Zeit weit zurückversetzt. Ein zwiespältiges Gefühl, unter ihnen zu sein. Es ist etwas zwischen Neugierde und beschämt sein. Wir sind am nördlichsten Punkt unserer Reise und haben uns am Titicaca-See neun Tage Zeit gelassen, die Landschaft und Kultur zu genießen.

 

Abenteuer Hochanden

Die Idee: Hoch in den Anden, auf kleinen, meist unbefestigten Straßen, entlang der peruanischen, chilenischen und bolivianischen Grenze in Richtung Süden. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass uns die kommenden Wochen physisch und psychisch alles abverlangen werden. Manchmal ist es eben gut, nicht zu wissen, was auf dich zukommt.

Schnell geht es im Wechsel auf Schotter- und Rüttelpisten in die peruanischen Hochanden. Inzwischen spielt sich alles auf über 4.000 Metern Höhe ab. Wir fahren durch einsame, teils verlassene Dörfer, weite Ebenen, bizarre Gesteinsformationen. Hunderte Lamas und Alpakas grasen friedlich auf Hochebenen. Wenn wir vorbeifahren, heben sie nur kurz den Kopf und grasen weiter. Nur stehen bleiben dürfen wir nicht, dann ziehen sie sich rasch in die Weite zurück.

Was zu Beginn noch eine einigermaßen befahrbare Piste war, wird zunehmend zur Herausforderung. Ein Weg mit großen Löchern und fußballgroßem Geröll, bis er sich schließlich gänzlich auflöst. Der Weg ist einfach weg - wir stehen in freier Natur. Beim Wenden und Suchen stürzt mein Freund im Gelände, kniet vor seinem Motorrad und blutet stark am Kopf. Doch wir haben Glück, nur ein kleiner Cut oberhalb des Auges, den wir selber versorgen können. Unser GPS-Notrufsystem bleibt unbenutzt. Trotzdem sitzt der Schock tief und der Adrenalinspiegel ist am Anschlag.

Mitten in der Wildnis treffen wir auf ein kleines, teils verlassenes Dorf, wo uns Einheimische ein Zimmer in einem unbewohnten Haus zur Übernachtung anbieten und gleich noch ein paar alte Matratzen ranschaffen. Gastfreundschaft ist hier nichts, was überrascht, sie steckt tief in den Menschen drin. Wir sind sehr dankbar und gleichzeitig völlig fertig. Jetzt noch unsere Reste aus Brot, Salami und Käse essen und dann fallen wir in einen tiefen Schlaf.

Auch die weitere Strecke ist eine Katastrophe, teils völlig durch starke Regenfälle zerstört, mit großen Verwerfungen und enormen Schlammlöchern. In einem stürze ich und kann gerade noch den Notausschalter bedienen, bevor der Ansaugstutzen im Wasser versinkt. Wir kommen nicht viel weiter. Auch das noch - ein Platten. Also Hinterrad ausbauen, Reifen runter von der Felge, neuen Schlauch rein und Reifen wieder drauf. 2 Stunden Arbeit auf über 4.000 Metern Höhe - eine Mords-Anstrengung.

In dem abgelegenen Bergdorf Alto Peru finden wir Unterkunft und Verpflegung bei Senhor Almondo. Er ist der örtliche Hostelero, Koch, Gemischtwarenhändler und Betreiber des Dorfradios, das seine Sendungen über Lautsprecher am Haus verbreitet. Wir bekommen ein einfaches, leckeres Mahl und ein kleines, fensterloses Zimmer in seinem Lehmziegelhaus. Auf die vorhandenen, sehr betagten und offensichtlich vielfach benutzten Bettbezüge und Decken verzichten wir und veredeln unsere Nacht mit den eigenen Schlafsäcken.

Morgens um 06:00 Uhr werden wir unfreiwillig geweckt. Senhor Almondos Radio schallt über Lautsprecher ohrenbetäubend laut durch den kleinen Ort. Unser Spanisch ist nicht gut, aber wir hören etwas von hombres alemanes und motos. Als wir nach dem Frühstück aus dem Haus treten, steht eine kleine Menschenansammlung bei den Motorrädern, um die deutschen Exoten zu bestaunen. Es folgen Fotosessions, Probesitzen und mit Hilfe des Smartphone-Übersetzers müssen wir viele Fragen beantworten und werden fürs Lokalradio interviewt.

Nach Alto Peru geht es weiter hoch. Die Motorräder kämpfen sich durch lose Steine und staubige Serpentinen. Jetzt wird das Atmen noch schwerer, so dünn ist die Luft. Keine Tiere, kaum Pflanzen - nur Felsen, Staub und Wind. Und dann sind wir oben, am höchsten Punkt unserer Reise. Wir stehen auf dem Paso de los Vientos, dem Pass der Winde. In 5.012 Metern Höhe steigen wir mit etwas unsicheren Beinen und leichten Kopfschmerzen ab. Nur der Wind und das Ticken der abkühlenden Motoren ist zu hören. Es fallen ein paar Schneeflocken.

Wir kämpfen uns weiter durch atemberaubende Natur und kommen auf kaum befahrbaren Wegen zum Salar de Surire und den heißen Quellen von Polloquere. Hier breitet sich eine Landschaft aus, die fast außerirdisch wirkt. Der Salar de Surire erscheint am Horizont - eine grünweiße, flimmernde Fläche, die sich wie ein Spiegel über die Hochebene zieht. Wir sind ganz allein. Nur ein paar Flamingos durchpflügen das Wasser mit ihren Schnäbeln.

Abends sind wir stets todmüde, schlagen die Zelte auf und bereiten unser Standard-Menü: Spaghetti mit Gemüse und Tomatensauce. Der Mulitfuel-Kocher wird auf Benzin betrieben. Gas funktioniert in diesen Höhen nicht. Die Sonne versinkt hinter den Bergen und die eiskalte Nacht in 4.300 Metern Höhe bricht herein. Schnell sind wir in den Zelten und unseren dicken Schlafsäcken verschwunden. Lauter Wind, Regen und donnernde Gewitter können uns nichts anhaben, wir schlafen tief und fest. An den heißen Quellen zieht ein Geruch von Schwefel durch das Zelt und halb im Traum erinnern wir uns daran, wo wir sind.

Die Einsamkeit ist Bestandteil der Landschaft. Nur einmal können wir in einigen Kilometern Entfernung sechs LKW erkennen, die offensichtlich in offenem Gelände in Richtung Bolivien unterwegs sind. Erst viel später erfahren wir, dass es großes Glück war, sie nicht direkt zu treffen. Hier oben sind LKW nur zum Schmuggeln unterwegs - Menschen, oder Drogen.

An einem weiteren Salzsee, dem Salar de Coposa, frischt der Wind während des Aufbaus der Zelte auf und entwickelt sich schnell zu einer stürmischen Brise. Eins unserer Zelte reißt sich aus den Heringen und fliegt weit aufgebläht in Richtung Horizont. Glück im Unglück, nach nur wenigen hundert Metern verfängt sich eine Leine an einem der wenigen Felsbrocken auf der sonst völlig ebenen Fläche. Nur wenige Meter entfernt sehen wir die Überreste eines halb im Salz versunkenen Alpaka-Skeletts. Zelt gerettet, aber: eine Stange gebrochen und der Stoff eingerissen.

Die weitere Strecke wird zur Tortur. Die Piste wird Meter für Meter weicher. Noch stehen wir in den Rasten und haben die Hände locker am Lenker. Dann tiefer Sand. Das Vorderrad beginnt zu schwimmen und schon geht der Rhythmus verloren. Im tiefen Sand gibt es nur diesen einen schmalen Grat zwischen Kontrolle und Chaos. Verlierst du die Kontrolle, sinkst du ein. Für nur wenige Kilometer brauchen wir Stunden, die Luft bleibt uns bei der Anstrengung weg und irgendwann stehen wir völlig erschöpft neben den Mopeds.

 

Atacama Wüste

Es geht raus aus dem Hochgebirge: San Pedro de Atacama ist unsere letzte große Station. Es wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen - Treffpunkt für Outdoor-Begeisterte aus aller Welt, die sich aufmachen, die Atacama-Wüste zu erkunden. Ein Ort aus Lehm, Staub und Licht, in der trockensten Region der Welt. Mittendrin zwei Mittsechziger mit ihren Enduros, die den Altersschnitt mindestens verdoppeln.

Wir nehmen uns ein paar Tage, um einige besondere Highlights mit den Mopeds zu erkunden. Das Valle de la Luna, ein skurriles, unwirkliches Labyrinth in Rot, gebaut aus Salz, Stein und Sand. Wenn hier die Sonne tiefer sinkt, explodieren die Farben und unzählige bizarre Felsformationen werden eingetaucht in leuchtendes Rot und Orange. Ein unvergleichliches Schauspiel der Natur. Später nachts zeigt sich eine weitere besondere Magie: Der Himmel über der Atacama in 2.000 Metern Höhe gehört zu den klarsten weltweit. Die Milchstraße spannt sich hell und detailreich über uns - so intensiv, dass man sie fast greifen kann.

Eine weitere Tour gilt den vielen Lagunen und Salzseen, die zwischen San Pedro de Atacama und Bolivien liegen. Also wieder rauf auf 4.300 Meter, wo uns zahlreiche Lagunen erwarten. Die Ebenen sind übersät mit niedrigen gelben Grasbüscheln. Mittendrin tiefblaue oder grüne Lagunen vor sonnenbeschienenen, glasklaren Himmel.

Nicht verpassen dürfen wir das Nationalreservat Reserva Nacional Los Flamencos. Die darin lebenden Flamingos wirken wie lebendige Farbtupfer in einer kargen, fast monochromen Landschaft - elegant, ruhig und erstaunlich gut an die extremen Bedingungen angepasst. Oft stehen sie scheinbar regungslos auf einem Bein im seichten Wasser, während sich ihre Spiegelung perfekt unter Ihnen abzeichnet. Ihre Ruhe überträgt sich auf uns.

 

Ausklang

Nach 3 Monaten und 16.000 Kilometern stehen wir vor dem Zollhafen in Valparaiso, schauen uns an und sind ohne Worte. Wir haben viele Dinge erlebt, die sich nicht wirklich erzählen lassen. Wir spüren, dass es vorbei ist. Aber, wir haben es wirklich gemacht. Nicht nur geplant, nicht nur geträumt oder geredet. Gemacht!

40 Jahre Freundschaft und viele kleine und große Abenteuer haben uns zusammengeschweißt. So wie auch diese Südamerikatour. Das lange Zusammensein bleibt nicht ohne Streit und Differenzen. Aber was wir ohne Zweifel voneinander wissen: Wenn es eng wird, gibt es keine bessere Freundschaft.

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