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Tandem Tanja an der Nordsee

von Franziska Pfeffer

Tipps

Vor wenigen Wochen haben wir, als zwei Freunde und WG-Mitbewohner, eine außergewöhnliche Anschaffung getätigt. Wir haben uns ein Tandem gekauft! Und so unnötig diese Investition auch gewesen sein mag, hat sie sich seit Tag eins, allein schon durch die Freude, die wir daran haben, rentiert. Da wir Studierende sind, die für alles einen Grund zum Feiern suchen, und auch noch die Zeit dazu haben, haben wir unser Tandem ganz feierlich in großer Runde Dienstag abends auf den Namen Tanja getauft.

Damit Tandem Tanja aber nicht nur die Münster Promenade zu sehen bekommt, stand schnell fest, dass eine Tandem-Tour geplant werden musste. Direkt am nächsten Wochenende sollte es losgehen, und das Ziel war das Meer. Da auch wir leider unter zeitlichen Einschränkungen aufgrund von Arbeit leiden, ging es für uns drei erst am Freitagnachmittag, gegen 15:30 Uhr, los. Anfangs noch etwas unbeholfen und mit viel Gepäck in den Satteltaschen und auf dem Gepäckträger starteten wir am Münster Hauptbahnhof. Dort stießen wir direkt auf Herausforderungen, die wir vorher so nicht eingeplant hatten. Ein Fahrrad dieser Länge ans Gleis zu bekommen und später in den Zug, um die Ecke ins Fahrradabteil, ist gar nicht mal so einfach.

Wir fuhren mit der Regionalbahn Richtung Norden. Zuerst nach Leer (Ostfriesland) und anschließend weiter nach Sande. Von dort aus startete dann die richtige Fahrradtour, und unsere neu gekauften Radlerhosen erwiesen direkt ihre Nützlichkeit. In unseren ersten gefahrenen Kilometern machten wir gleich zahlreiche Entdeckungen über Eigenheiten unseres Tandems, welche uns in der restlichen Fahrzeit noch vor einigen Pannen bewahrten. Da der Tag bereits schon so weit vorangeschritten war, gerieten wir auf unserer Strecke, von ca. 35 Kilometern, in starken Nebel sowie Dunkelheit. Auch wenn dies vielleicht etwas unglücklich klingen mag, fühlte es sich doch erstaunlich entspannend an, vor allem als hintere Mitfahrerin mit Begleitung von leiser Musik über unsere Musikbox. 35 Kilometer sind für geübte Radfahrende wohl kaum der Rede wert, aber für eine Fahrt auf einem bereits recht alten Tandem, mit zwei Fahrenden und Gepäck obendrauf ist dies eine beachtliche Strecke. Diese ließ sich dank gut geführter Radwege auch problemlos meistern. Unser erster Zwischenstopp auf dem Weg an die Nordsee war eine alte Mühle in der Nähe von Carolinensiel. Hier durften wir unsere erste Nacht verbringen und noch einmal ein komfortables Bett genießen, bevor es am nächsten Morgen (nach einem traditionellen ostfriesischen Tee) früh weiterging nach Neuharlingersiel.

Von dort aus sollte uns eine Fähre auf die Nordseeinsel Spiekeroog bringen. Auch hier begegneten uns zuerst wieder transportlogistische Schwierigkeiten, da die lange Tanja nicht in eine der Fahrradboxen passte. Dank des netten Kapitäns Horst durfte sie schlussendlich aber ganz frei vorn auf der Fähre mitfahren.

Nach der kurzen Überfahrt, angekommen auf der Insel Spiekeroog, erkundeten wir die Gegend auf eigene Tour. Dabei war uns der direkte Besuch des ersehnten Meers besonders wichtig. Es stellte sich heraus, dass man mit dem Tandem nur schlecht über sandigen Boden fahren kann. Hier waren besonders unsere Kompetenzen im kräftigen Triebeln und im Gleichgewichthalten gefragt. Auch wenn Spiekeroog eine autofreie Insel ist, und dadurch der Fahrradverkehr geläufiger, ist die Sichtung eines Tandems wohl trotzdem ein aufregendes Ereignis. Tandem Tanja entpuppte sich als absoluter Fan-Favorit. Auch wenn ihre Belastbarkeit und Schnelligkeit des Öfteren infrage gestellt wurde, bereitete sie den meisten Zuschauenden eher große Freude. Nicht selten wurde bei ihrer besonderen Dekoration (welche noch Spuren von ihrer vorherigen Taufe sind) an eine Hochzeit und einen Flitterwochen-Trip gedacht. Das Wetter an diesem Wochenende war sehr bewölkt und es ging ein kühler Wind. Auch wenn wir dadurch den 30 Grad und purem Sonnenschein in Münster entkommen sind, dem Sonnenbrand sind wir es nicht. Das ist eine Lektion, die man für sein Leben lernt: Auch wenn man die Sonne nicht direkt sieht, kann man sich verbrennen!

Nach der Erkundung der Insel richteten wir uns auf dem Spiekerooger Campingplatz ein. Hier wird besonders Reisenden mit kleinen Zelten empfohlen, diese im ?Texas Tal? aufzuschlagen, aufgrund vermeintlicher Windstille. Dies lässt sich nach unserer Nacht dort allerdings nicht wirklich bestätigen. Ansonsten ist der Campingplatz Palisadendiek sehr zu empfehlen, mit heimeliger Atmosphäre, sauberen Waschhäusern, einem gut ausgestatteten Kiosk und zahlreichen Angeboten, vor allem für Kinder und Familien.

Das Highlight für uns war natürlich der direkte Strandzugang, von dem wir Sonntagmorgens auch direkt Nutzen gemacht haben. Das morgendliche Schwimmen war eine willkommene Abkühlung, bevor es wieder zurück zum Hafen ging. Dort kamen wir genau deswegen leider erst kurz vor knapp an, aber auch diesmal durften wir die Nettigkeit der Fährmitarbeitenden erfahren und wurden trotzdem mitgenommen. Wieder zurück in Neuharlingersiel genossen wir mit Picknick noch ein letztes Mal das Meer, bevor es wieder auf die Rückreise ging. Von dort aus starteten wir unsere längste Fahrradstrecke, von 45 Kilometern am Stück. Diese führte uns direkt am wunderschönen Deich entlang. Hier wurden wir von einigen anderen Fahrradfahrenden begleitet und auch Kühe sowie Schafe kreuzten unseren Weg. Die lange Strecke geradeaus eignet sich zudem perfekt für Fahrexperimente. So haben wir es tatsächlich geschafft, dass die hintere Person während der Fahrt aufstehen kann.

Ein wirklich belebendes Gefühl! Mehrere Stunden später erreichten wir Norddeich (Mole), von wo aus es wieder mit dem Zug zurück nach Münster ging. Unfassbar müde und mit schmerzenden Popos, aber dennoch glücklich, kamen wir sonntagnachts zu Hause an, nach einem Wochenende, das sich anfühlte wie eine ganze Woche und trotzdem zu schnell vorbeiging.

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