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Mit dem Floß auf der Biebrza - Entschleunigung im Osten Polens

von Sebastian Boblist

Tipps

Die Biebrza ist ein ruhiger Fluss im Osten Polens. Etwa 60 km nördlich von Bialystok und nur halb so weit von der Belarussischen Grenze gelegen, befindet sich das Örtchen Sztabin. Hier gibt es außer Störchen und einer Kirche nicht viel. Einen kleinen Supermarkt, eine Bank mit Geldautomaten und den Verleih von Holzflößen für eine Fahrt auf der Biebrza.

Da es schon später Nachmittag ist, als wir im Örtchen ankommen, können wir eine Nacht beim Verleih auf der Wiese vor dem Haus übernachten. Es ist nicht mehr viel los. Abends werden noch ein paar Radfahrer ankommen, ansonsten ist die Saison offenbar schon vorüber. Dieser Eindruck wird sich in den kommenden Tagen bestätigen.

Noch am Abend erhalten wir Karten von der Gegend und eine wasserdichte Tonne. Nicht weit von Sztabin entfernt schließt sich der Nationalpark Biebrza an. Hier soll es unter anderem Elche geben.

Das Floß haben wir für drei Tage gemietet, der Fluss erstreckt sich auf insgesamt 165 km. Wie viele davon wir in den kommenden Tagen zu Gesicht bekommen, wird sich noch herausstellen.

Am nächsten Morgen verladen wir zunächst Ausrüstung und Proviant für die kommenden Tage im Transporter des Verleihers und werden schließlich zur Anlegestelle gebracht. Nach einer kurzen Einführung fährt der Transporter von dannen und wir sind auf uns alleine gestellt.

Die Flöße sind mit einfacher Holzhütte ausgestattet. Diese schützt vor Wind und Regen und bietet Platz für zwei klappbare Sitzbänke und eine ebenfalls klappbare Fläche, die als Bett dient. In einem Loch im Boden, befindet sich der Naturkühlschrank. Dieser besteht aus dem Wasser des Flusses, gekühlte Lebensmittel sollten also wasserdicht verpackt sein. Die Seitenwände der Hütte lassen sich verschieben, so dass je nach Wetter entweder mehr Luft und Licht in die Mitte des Gefährts kommen oder weniger. Eine kleine Leiter führt auf das Dach und damit das Sonnendeck des Floßes.

Gaskocher, Grill und Proviant wurden zuvor an Deck gebracht und unter den Sitzbänken verstaut. Als Toilette dient ein Spaten.

Gesteuert werden die 3 x 5m großen Wasservehikel mit zwei langen Holzstangen. Sie werden im Wasser bis auf den Grund geschoben und dann damit das Floß angeschubst. Das sogenannte Staken braucht etwas Übung und ist gerade beim Manövrieren nicht ganz einfach. Die Geduld der Steuernden wird dabei etwas auf die Probe gestellt, doch Geduld braucht man bei dieser Art der Fortbewegung ohnehin.

Denn es geht nur langsam voran, sehr langsam. In einem Erlebnisbericht im Reiseführer, ist das Autorenteam am ersten Tag nur etwa 500m weit gekommen. Was wir anfangs für einen Fehler hielten, stellt sich dann doch als durchaus möglich dar. Die kommenden drei Tage wird der Kirchturm von Sztabin vom Dach des Floßes immer sichtbar bleiben. Der kurvenreiche Fluss schlängelt sich dabei nie so weit weg, dass der Ort am Horizont verschwinden würde.

Tag für Tag geht es nun den Fluss entlang. Am Ufer stehen hohe Schilfwände. Da wir am ersten Tag vergleichsweise viel Strecke machen, wird der zweite Tag zum Entspannungstag. Auf dem Dach des Floßes in der Sonne liegen und dabei die absolute Ruhe genießen entschleunigt - wie die gesamte Floßfahrt.

Elche werden wir zwar leider nicht zu Gesicht bekommen, dafür aber auch kaum andere Floßfahrer oder Kanuten. Wer Ruhe sucht und abschalten möchte, wird sie im Nationalpark finden. 

Nach Ende der dreitägigen Tour genügt ein kurzer Anruf um abgeholt und zum Ausgangspunkt gebracht zu werden. Die Autofahrt dauert keine 20 Minuten. Auch wenn sich das Verhältnis von Raum und Zeit an der Biebrza verschoben zu haben scheint, ist die Floßfahrt ein tolles Erlebnis für all jene die sich nach etwas Müßiggang und Ruhe sehnen.