Waldbeeren – welche kann ich essen

erstellt am: 08. 06. 2020 um 7:00 Uhr

Als Kind war ich viel im Wald unterwegs. Zum Spielen, im Herbst "in die Pilze" und im Sommer immer, immer, immer von einem Strauch mit Waldbeeren zum nächsten, den ganzen Nachmittag lang. Meine Oma macht das weltbeste Holunderblütengelee (will mir allerdings das Rezept nicht verraten, weil ich mich nicht mehr so über ihre Pakete freuen würde, wenn ich es selbst machen könnte, sagt sie). Und Du?

 

Weißt Du noch, welche Beeren essbar sind, bei welchen Du für einen kleinen Snack eine zerkratzte Hand riskierst, und welchen Sträuchern Du definitiv aus dem Weg gehen solltest, egal wie verlockend die Früchte aussehen? Es gibt eine ganze Reihe an Waldbeeren, die roh unverträglich sind, sich aber großartig zu Marmelade verarbeiten oder als Zutat in einem Kuchen verwenden lassen.

 

Hier ein kleiner Guide mit wertvollen Tipps.


verschiedene Waldbeere

Die Grundregeln

  • iss nichts, was Du nicht kennst
  • im Zweifel lieber nicht direkt vor Ort naschen, sondern später auskochen
  • bitter heißt nicht immer giftig, wohl aber unverträglich!
  • nicht direkt vom Boden sammeln
  • die Besitzverhältnisse klären (auch Waldbesitzer haben das Recht, das Sammeln von Beeren zu verbieten. Achte auf Hinweisschilder.)

"Waldbeere" ist nicht gleich Waldbeere

Wir benutzen den Begriff "Waldbeere" oder Wildbeere in diesem Artikel ganz umgangssprachlich für alle Früchtetragenden Sträucher und Pflanzen, die in einem Wald vorkommen. Denn ja, eine Erdbeere ist botanisch gesprochen eine Steinfrucht und der Wacholder ist ein Baum und seine Beeren eigentlich Zapfen. Einigen wir uns darauf, dass "Waldbeeren" kleine, im Wald vorkommende Früchte sind, deren Fruchtfleisch einen (Samen-)Kern umschließt.

 

Diese Beeren enthalten viel natürlichen Zucker und Vitamin C, und sind damit ungemein gesund. Je nach Sorte können die Früchte, sowie die Blätter und Blüten verzehrt oder verarbeitet werden. Die meisten essbaren Wildbeeren sind rot oder orange, einige aber auch leuchtend blau bis schwarz. Eine Faustregel ist, dass alles Grüne und Gelbe entweder noch nicht reif oder unverträglich ist.

 

Da sie viel Zucker enthalten, schmecken die meisten Früchte im reifen Zustand süßlich. Sollten sie sauer schmecken, ist der Reifegrad noch nicht ausreichend; ein bitterer Geschmack ist eine Warnung.


In jedem Fall essbar sind:

  • Erdbeere
  • Himbeere
  • Brombeere
  • Schwarzbeere (bzw. Heidelbeere, Blaubeere)
  • Sanddorn und Hagebutte
  • Preiselbeere

Die ersten vier erkennst Du sicher auf Anhieb, denn sie werden mittlerweile auf Felder und in Kulturen gezüchtet und im Supermarkt angeboten. Die Walderdbeere ist im Vergleich zur Erdbeere aus dem Supermarkt winzig klein, aber extrem geschmackvoll. Sie wächst nahe am Boden, daher ist es ratsam, sie vor dem Verzehr zu waschen. Im Frühjahr trägt sie eine schneeweiße Blüte und ist dadurch leicht zu erkennen. Falls Du auf einem Spaziergang eine Pflanze entdeckst, merk Dir gut, wo sie sich befindet und komm in ein paar Wochen noch einmal vorbei.

 

Bei Himbeeren gilt: vor dem Verzehr unbedingt einen Blick in das hohle Innere werden. Ist nämlich ein lauschiges Plätzchen, aus Sicht eines Wurms.

 

Die Brombeere macht einem das Pflücken richtig schwer, denn der Strauch ist bis in den kleinsten Ast mit spitzen Dornen übersät. Eine feste Hose und lange Ärmel werden Dich beim Pflücken der Früchte schützen.

 

Die wilde Heidelbeere (bzw. Blaubeere) ist oft etwas kleiner, schön fest und schmeckt süß bis säuerlich.

 

Der Sanddorn ist vor allem uns Nordlichtern ein Begriff. Aber Achtung! Erstens besteht hier Verwechslungsgefahr, plus das Pflücken der Beeren ist mühsam. Zusammen mit der Hagebutte wird hier zudem im Herbst geerntet.

Waldbeeren im Korb

 

Alle anderen Früchte sind im Sommer reif!

 

Die Preiselbeere wird gern zu Marmelade verarbeitet und passt zu Wildgerichten. Von allen hier genannten Sorten schmeckt sie am wenigsten süß, sondern eher herb.


Holunderblüten

Lieber nicht roh!

Diese Waldbeeren solltest Du besser nicht roh essen:

  • Holunder
  • Vogelbeere
  • Wacholderbeere (Mmhh, Gin)
Wacholder

 

Diese drei sind im Allgemeinen nur in zubereitetem, d.h. gekochtem Zustand genießbar. Beim Holunder sind auch die hellen Blüten für besagtes Gelee oder Saft verwendbar.

 

Die Vogelbeere wird als giftig verschrien, tatsächlich zerfallen ihre giftigen Säuren durch das Kochen allerdings rasch.

 

Gleiches gilt für die Wacholderbeere, wobei hier zu beachten ist, dass diese nicht jedes Jahr blüht. Der Wacholder gehört zu den Zypressengewächsen und seine Beeren sind mal wieder keine echten "Beeren", sondern die Frucht eines Nadelgehölzes. Der Baum ist leicht zu bestimmen, wenn auch aufgrund seiner fiesen Nadeln nicht leicht davon zu überzeugen, seine Früchte herzugeben. Die "fertige" Frucht ist blau und der Hauptbestandteil von Gin.

 


Giftige Waldbeeren

  • Tollkirsche
  • Seidelblast
  • Zwergmispel
  • Einbeere (Wolfsbeere)
  • Stechpalme

 

Es lohnt sich, sich vor einem Streifzug durch den Wald einmal online DIE Waldbeeren anzusehen, die Du NICHT essen darfst!

 

Sie sind nicht nur im rohen Zustand unverträglich, sondern schlicht in größeren Mengen giftig. Vor allem KINDER sind aufgrund ihres kleinen Körpergewichts schon durch den Verzehr geringer Mengen gefährdet! Im Speziellen muss man vor der Tollkirsche, "Bella Donna" warnen, die wie der Name schon verrät, einer Kirsche sehr ähnlich sieht.


Andere Gefahren

Der Wald ist Natur. In den meisten Fällen sogar relativ unangetastete Natur. Das heißt, im Gegensatz zu einem Erdbeerfeld, schützt niemand die Pflanzen vor Mitessern. Neben der Essbarkeit der Früchte, gibt es also noch zwei Dinge, auf die Du unbedingt achten solltest:

  • Zecken

Die kleinen Krabbeltiere übertragen bekanntermaßen schwerwiegende Krankheiten und Du solltest unbedingt Deine Kleidung und Deinen Körper nach einem Waldspaziergang auf ungebetene Mitreisende untersuchen. Auch jede Frucht, die Du dir in den Mund steckst!

  • Fuchsbandwurm
Zeckengefahr

Als ich ein Kind war kursierten Horrorgeschichten zu diesem Thema. Das ist heute nicht mehr so, denn die Wahrscheinlichkeit sich beim Verzehr von Wildfrüchten einen von Füchsen übertragenen Bandwurm einzufangen, ist wahnsinnig klein. Dennoch gilt: die Früchte lieber nicht direkt auf Boden- bzw. Fuchshöhe vom Strauch pflücken. Auch andere Tiere genießen eine süße Mahlzeit, daher solltest Du von deinen langen Armen Gebrauch machen und nach Beeren angeln, die anderen Tieren nicht zugänglich sind.





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Ihr Kommentar:




Richard | am 18. Juni 2020 um 21:04 Uhr

Eine richtig tolle Seite hast du mit vielen tollen Tipps. Holunderblütengelee habe ich noch nie probiert, muss aber lecker sein wenn dir deine Oma selbst gemachte Gläser schickt. Ich liebte als Kind Beeren, jeglicher Art. Nach der Schule und in den Ferien war ich immer mit Freunden im Wald und wir haben alles gepflückt und mit nach Hause gebracht. Dann wurde mit meinem Vater geschaut was alles Essbar war. Als Kind hätte ich gerne einige Hilfsmittel dabei gehabt, die ich heute bei jeder Tour dabei habe. Ich liebe die Natur und bin so oft es geht unterwegs, ich beschäftige mich seit längerem mit Survival, viele Tipps habe ich auf https://www.survival-fluchtrucksack.de/ gefunden. Ohne mein Schweizer Taschenmesser gehe ich nie aus dem Haus und es hat mir oft schon in der Not geholfen. Ich hätte damals gerne so ein Kinder Taschenmesser gehabt wie du es hier auf deiner Seite zeigst und einen tollen Beitrag dazu geschrieben hast. Werde deine Tipps bei meinen Kindern umsetzen und diese mit dem schnitzen vertraut machen. das nächste Geburtstagsgeschenk ist somit gerettet. Vielen Dank und liebe Grüße Richard



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