Bachwasser trinken – nützliches Wissen und Filtermethoden

erstellt am: 20. 07. 2020 um 15:34 Uhr

Vor allem auf kleinen Touren in den Bergen wäre es doch schön, wenn man nicht ganz so viel Gepäck mit sich herumschleppen müsste. In Deinem Rucksack ist ja immer schon eine Regenschutzjacke und etwas zu Essen, vielleicht ein Erste-Hilfe-Set, ein Sonnenschutz und das Telefon. Vor allem Wasser bringt ein hohes Gewicht mit und macht uns so eine Tour vielleicht ein bisschen schwerer als nötig. Ohne ausreichend Trinkwasser können wir jedoch nicht aufbrechen. Auf einer körperlich anstrengenden Strecke steigt der Bedarf an Flüssigkeit sogar noch. Aber welches Wasser kann man unterwegs bedenkenlos trinken?

 

Kinder trinken Brunnenwasser

 

Hier mal ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Trinkwasser, eine Checkliste für alles, was es zu beachten gibt, und schlaue Filtersysteme, die sich leicht transportieren und anwenden lassen.


Ist Bachwasser trinkbar?

Bestimmt bist Du schon oft in den Bergen an glasklaren Bächen vorbeigekommen und hast darüber nachgedacht, gleich an Ort und Stelle Deinen Durst zu stillen. Und ja, auf den ersten Blick ist die Frage, ob Bachwasser trinkbar ist, ganz klar mit Ja zu beantworten. Selbstverständlich ist Wasser aus einem Fluss oder einem Bach trinkbar, die komplette Fauna und Flora lebt davon. Die Frage in unserem Fall ist also eher: kann man bedenkenlos davon trinken?

 

Was kann Wasser verunreinigen?

  • Natürlich vorkommende Viren und Bakterien
  • Kleinstlebewesen, Parasiten
  • Tier(kot)
  • Chemikalien
Weide am Fluss

 

Vor allem krankheitsauslösende Parasiten sind in unseren Breiten eher selten. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass durch tierische und menschliche Verunreinigungen auch Viren und Bakterien in das Wasser gelangen, die uns krank machen können.

 

In heimischen Gewässern sind Tiere und deren Kot insbesondere ein kritischer Faktor. Selbst besonders klares Wasser, das seiner Quelle sehr nahe und damit durch den natürlichen Filter in Form verschiedener Gesteinsschichten vergleichsweise rein ist, kann durch ein nahe des Bachlaufs verendetes Tier erheblich verunreinigt sein. Gleiches gilt für deren Kot, vor allem entlang großer Weideflächen. Über diesen Weg werden Norovirus und E-Coli, aber auch der Fuchsbandwurm übertragen.

 

 

Die Belastung durch Chemikalien ist in erster Linie ein von Menschen gemachtes Problem und durchaus eines der größten. Eine chemische Belastung ist schwer zu erkennen und kann auch vorliegen, wenn der Ursprung der Verschmutzung weit ab des einen Teilstücks des Gebirgsbaches liegt, den wir gerade vor uns haben.

Was sind die Folgen?

Die Folgen reichen von einer leichten Magenverstimmung, bis hin zu Erbrechen und Parasitenbefall, der noch Jahre danach Auswirkungen auf Deine Gesundheit haben kann. Der Norovirus verursacht starken Brech-Durchfall, was zügig zur Folge hat, dass es zu einer Dehydrierung kommen kann. In einer solchen Situation ist es schwer, den Körper schneller mit Feuchtigkeit zu versorgen, als er sie verliert. Auch EHEC etwa ist ein Bakterium, das in unseren Breiten verhältnismäßig häufig vorkommt. Es wird von Wiederkäuern jeder Art (Rindern, Ziegen, Schafen, Rehen und Hirschen) übertragen und kann nachträglich von Mensch zu Mensch weitergegeben werden.


CHECKLISTE

Worauf gilt es zu achten, unabhängig davon, ob das Wasser "pur" oder gefiltert getrunken wird?

  • je kälter, desto besser
  • je näher der Quelle, desto besser

Wobei auch im alpinen Bereich ab 2000m Höhe damit gerechnet werden muss, dass sich die Quelle relativ nahe an der Oberfläche befindet. Eine Filterung durch Gesteinsschichten findet hier nicht ausreichend statt. Zudem fließen auf dem Berg oft mehrere kleinere Bäche ineinander und sind im Zweifel auch nahe eines Gletscherbachs gelegen, der oft mit einer hohen Keimbelastung einhergeht.

  • fließendes Gewässer

Niemals solltest Du von stehenden Gewässern (Seen oder Tümpel) trinken. Hier haben Bakterien etc. die besten Voraussetzungen sich zu vermehren und werden dies auch tun.

  • das Wasser ist klar
  • die Umgebung ist "sauber" (frei von weidenden Tieren, Tierkadavern etc.)
  • möglichst weit ab und oberhalb der nächsten bewohnten Gegend
  • möglichst weit ab und oberhalb der nächsten bewirtschafteten Weidefläche

Im besten Fall bist Du dem Bachlauf eine Weile gefolgt und hast Dich gut umgesehen oder kennst die Gegend sehr gut. Bist Du im Zweifel, dann investiere lieber noch eine halbe Stunde mehr und gehe den Bach vor allem auch oberhalb der Stelle, von der Du trinken willst, ab.

Waldbach

Wasserkessel über einem Lagerfeuer

Wasserfilter und Entkeimung

Im Allgemeinen ist es nicht anzuraten, Wasser aus Bächen oder Flüssen komplett unbehandelt zu trinken. Daher hier ein paar Filtermethoden.

 

Man unterscheidet zwei Arten der Verunreinigung:

  • Mikroskopische kleine Schwebeteilchen werden durch physikalische Filter entfernt, während nicht sichtbare Viren und Bakterien, mittels UV-Licht oder einem chemischen Reiniger unschädlich gemacht werden.

 

Abkochen

Die einfachste Methode Keimen den Gar auszumachen, ist das Abkochen von Wasser für mindestens 10 Minuten. TIPP: Diese Methode, Wasser trinkbar zu machen, eignet sich vor allem bei Wanderungen, auf denen man längere Pausen einlegt oder gar zeltet. Denn hierfür ist mindestens ein Brenner und ein weiteres Gefäß mitzubringen.

Vorteil:

  • zuverlässige gegen fast aller Keime, Viren und Bakterien

Nachteil:

  • Equipment benötigt
  • zeitintensiv
  • Schwebeteilchen etc. werden nicht entfernt

Vorteil:

  • vielseitig einsetzbar
  • zuverlässiges Herausfiltern von Schwebstoffen
  • meist sehr leicht mit einem kleinen Packvolumen

Nachteil:

  • keinen Effekt gegen Viren und Bakterien

 

Partikelfilter

Diese filtern Schwebstoffe heraus, in dem sie das Wasser durch einen extrem feines Sieb laufen lassen. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausführungen, zum Beispiel als Trichteraufsatz für Flaschen, oder bereits mit einem Filter ausgestattete Trinkflaschen oder Trinkschläuche, um jederzeit an einem Bachlauf trinken zu können. TIPP: Da diese Filter nicht gegen Viren und Bakterien wirken, empfiehlt sich diese Methode lediglich als erster Schritt vor einer Entkeimung mit Chlor oder UV-Licht.

 

 

chemische Wasserentkeimung

Diese gibt es in Form von Chlor-Tabletten, die sich schnell und einfach in einer Trinkflasche gefüllt mit Bachwasser anwenden lassen. Tipp: Um den Chlorgeschmack zu entfernen, gibt es wiederum ein Mittel in Tablettenform.

Vorteil:

  • kleines Packvolumen
  • auch auf große Mengen Wasser (Kanister etc.) anwendbar
  • macht Wasser auf lange Zeit trinkbar

Nachteil:

  • Geschmack
  • Schwebeteilchen etc. werden nicht entfernt

Vorteil:

  • absolut zuverlässig gegen Viren und Bakterien
  • kleines Packvolumen
  • schnelle Anwendung

Nachteil:

  • Schwebeteilchen etc. werden nicht entfernt

 

UV-Licht

UV-Strahlen sind ein wirksames Mittel gegen Viren und Bakterien. Diese Entkeimungsmethode wird oft mittels eines UV-Sticks angeboten. Nur 90 Sekunden ins Wasser halten und es ist trinkbar. TIPP: Im besten Fall wird das Wasser vorher durch einen Filter von Schwebstoffen befreit.


Klares Wasser

Fazit

Auf längeren Touren, die eine größere Pause oder gar eine Übernachtung vorsehen, ist das Abkochen noch immer die einfachste und beste Methode, verlangt aber nach ein bisschen mehr Equipment und Zeit.

 

Leichter geht es mit einem aufsteckbaren Filter, um Schwebstoffe zu entfernen, in Kombination mit einer UV-Behandlung, um Viren und Bakterien den Gar auszumachen.

 

Die chemischen Entkeimer bieten sich vor allem bei großen Mengen an, wie etwa einem Wassertank auf einer Seereise oder ähnlichem.

 

ACHTUNG: Wenn eine chemische Verunreinigung vorliegt, ist diese fast nicht mit herkömmlichen Mitteln zu beheben. Es ist also Vorsicht geboten in stark bebauten Gebieten oder Industrienähe! Am besten meiden.





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