Atmungsaktivität, MVTR, RET – Was hat das zu bedeuten?

erstellt am: 23. 03. 2018 um 15:07 Uhr

Atmungsaktiv, winddicht und bitte wasserdicht soll sie sein – die Funktionsbekleidung. Wetterfest eben! Um diese Eigenschaften zu messen, haben Wissenschaftler ausgefuchste Werte, Faktoren und Skalen definiert, an denen ihr euch als Käufer orientieren könnt. Und um genau diese geht es mir heute. Genauer gesagt, um die Werte zur Messung der Atmungsaktivität: dem RET-Wert und dem MVTR-Wert!


Was bedeutet Atmungsaktivität?

Atmungsaktivität oder besser „Wasserdampfdurchlässigkeit“ beschreibt, inwiefern und in welchem Umfang der Wasserdampf von der Innenseite eurer Jacke nach außen gelangt. Je höher die Dampfdurchlässigkeit, desto angenehmer ist das Klima in der Jacke. Mit dem RET-Wert und dem MVTR-Wert lässt sich die Atmungsaktivität messen und einordnen.


Warum muss Funktionskleidung atmungsaktiv sein?

Sicher kennt ihr das auch nur allzu gut, ihr sitzt auf dem Rad, radelt was das Zeug hält und geratet dabei ins Schwitzen. In der Vergangenheit kam es bei mir nicht selten vor, dass sich unter meiner alten Jacke schnell Wärme und Feuchtigkeit stauten. Auch euch ist sicher dieser nasskalte Film auf der Innenseite eurer Jacken bekannt, oder?

 

Damit sich die Feuchtigkeit nicht zwischen euch und der Kleidung sammelt, wurden atmungsaktive Membranen entwickelt. Diese lassen es zu, dass die Feuchtigkeit nach außen gelangen kann und von eurer Haut wegtransportiert wird, aber kein Wasser eindringt. Diese Eigenschaft nennt sich atmungsaktiv und kommt allen zugute, die sich viel bewegen. Bereits der 30-minütige Weg zur Arbeit auf dem Fahrrad bringt euren Körper unter der Jacke auf Touren. Daher ist eine atmungsaktive Jacke nicht nur für Outdoor-Aktivitäten sinnvoll, sondern auch für den Alltag.

Beim aktiven Wandern oder Trekken braucht ihr eine atmungsaktive Jacke mit hohem MVTR-Wert oder niedrigem RET-Wert.

Messung der Atmungsaktivität: MVTR und RET-Wert

Auf zwei verschiedene Weisen kann die Atmungsaktivität wissenschaftlich gemessen werden. Die Hersteller bedienen sich dabei jeweils an beiden Messverfahren, weswegen euch zum Beispiel bei Marmot der MVTR-Wert und bei Arc'teryx der RET-Wert begegnet.
 
Was bedeutet MVTR?

MVTR steht für „Moisture Vapor Transmission Rate“ - zu deutsch: Wasserdampfdurchlässigkeit. Bei diesem Verfahren wird gemessen, wie viel Gramm Dampf pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden entweicht. Die Einheit lautet g/m²/24h. Je höher der MVTR-Wert eurer Jacke ist, umso atmungsaktiver ist sie also. Aber wonach soll man sich nun richten? Ein Wert ab 10.000 g/m²/24h gilt als sehr atmungsaktiv.
 
Was bedeutet RET-Wert?

RET ist eine Abkürzung für „Resistance to Evaporating Heat Transfer“ - der Wasserdampfdurchgangswiderstand. Dieser Wert gibt an, wie viel Widerstand das Gewebe dem Durchgang von Wasserdampf entgegensetzt. Beim RET-Wert gilt, weniger ist mehr. Je kleiner der RET-Wert eines Kleidungsstücks, desto atmungsaktiver ist es.

  • RET-Wert 0 - 6: sehr gute Wasserdampfdurchlässigkeit
  • RET-Wert 6 - 13: gute Wasserdampfdurchlässigkeit
  • RET-Wert 13 - 20: zufriedenstellende Wasserdampfdurchlässigkeit
  • RET-Wert 20 +: unbefriedigende Wasserdampfdurchlässigkeit
Eine atmungsaktive Jacke ist wichtig bei Bewegung im Freien

Wie funktioniert das mit der Atmungsaktivität?

Wir wissen nun, was Atmungsaktivität bedeutet, wozu sie gut ist und wie sie gemessen wird. Doch wie genau funktioniert das denn jetzt eigentlich? Dampfdurchlässige Membranen machen sich die Tatsache zunutze, dass es in der Jacke – in den meisten Fällen – wärmer ist als außerhalb. Es besteht ein Temperaturgefälle, durch welches ein Druckgefälle entsteht. Dieses ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Feuchtigkeit nach außen wandert.

 

Wir steigen noch tiefer ein: Der Vorgang basiert auf dem Prinzip des osmotischen Drucks. Zwei ungleich konzentrierte Lösungen sind durch eine Membran getrennt, die nur bestimmte Moleküle hindurch lässt. Es entsteht das besagte Druckgefälle. Die Teilchen möchten einen Ausgleich herstellen, können aber nur einseitig durch die Membran hindurchdringen. Die Kraft, mit der das geschieht, nennt sich osmotischer Druck. Dieser Vorgang funktioniert nur, wenn ein entsprechendes Temperaturgefälle vorhanden ist. Bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, die unserer eigenen sehr nahe kommen, ist die Atmungsaktivität einer Membran nicht mehr gegeben.

 

Voraussetzung dafür, dass die Atmungsaktivität eures Kleidungsstücks funktioniert, ist also ein ausreichendes Temperaturgefälle, auch „Temperaturgradient“ genannt.

 

Schon gewusst?

Der Mensch schwitzt unterschiedlich stark. Im Idealfall so viel wie nötig, um nicht zu überhitzen. Beim Spazierengehen können das 250 bis 500 Milliliter pro Stunde sein. Beim Trailrunning oder Joggen kommt man da aber auch schon mal auf ganze 2 Liter!

 

Das Zusammenspiel: Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit

Wetterschutz ist eine der wichtigsten Funktionen von Outdoor-Bekleidung. Um euch zu zeigen, wie Wassertropfen von einer gut imprägnierten, wasserdichten Jacke abperlen, habe ich einfach mal etwas Wasser auf meinen Mantel gegossen. Die Tropfen tanzten regelrecht auf dem Material. Als ich die Jacke bewegte, rollten sie hin und her und schließlich auf den Boden. Auf diesem Foto ist daher sehr schön zu sehen, dass die Tropfen keine Chance haben, in das Material einzudringen. Eben dieses Zusammenspiel aus der Imprägnierung des Oberstoffes und der Membran ist entscheidend für die Atmungsaktivität einer Jacke. Die Imprägnierung verhindert, dass sich das Obermaterial mit Wasser vollsaugt und dadurch der Wasserdampftransport von innen nach außen verlangsamt wird. Daher solltet ihr die Imprägnierung eurer Jacken und Hosen regelmäßig auffrischen.

Tipps rund um die Atmungsaktivität eurer Kleidung

  1. Pflegen und hegen: Imprägniert eure Softshellhose oder Regenjacken in regelmäßigen Abständen und vor allen Dingen nach der Wäsche. Wir ihr eure Kleidung korrekt imprägniert, habe ich euch hier im Blog zusammengefasst.
  2. Augen auf beim Kleidungskauf: Achtet auf eingearbeitete Reißverschlüsse oder Belüftungsschlitze. Diese finden sich häufig unter den Armen und am Rücken. Bei enormer Beanspruchung sorgt ihr für einen tollen Luftaustausch und damit für ein angenehmes Klima.
  3. Taschenkontrolle: Schaut euch die äußeren Taschen genau an. Einige Modelle besitzen ein Meshfutter, welches die Luftzirkulation wunderbar unterstützt . Regnet es, können die Taschen mit einem Reißverschluss verschlossen werden, damit keine Feuchtigkeit eindringt.
  4. Das Gesamtpaket zählt: Nicht nur die äußere Schicht eurer Bekleidung sollte atmungsaktiv sein. Möchtet ihr das volle Potenzial ausnutzen, muss jede Kleidungsschicht wasserdampfdurchlässig sein, damit ihr nicht schweißgebadet an euer Ziel gelangt.

Die Qual der Wahl

Die Entscheidung, welche Jacke oder Hose für euch die richtige ist, kann ich euch leider nicht abnehmen. Entscheidend ist immer der jeweilige Einsatzzweck, für den ihr die Outdoorbekleidung benötigt. Macht euch am besten eine Liste mit Punkten, die euch wichtig sind. Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann geht diese Liste anschließend mit einem Fachmann durch, am besten in einem unserer Fachgeschäfte.

 

Bis zum nächsten Mal
 
Eure Dori von Unterwegs

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Peter | am 9. Dezember 2015 um 14:40 Uhr

Schöner Artikel.
Doch wie groß sind die tatsächlichen Unterschiede zwischen einer Hardshelljack mit einer Atmungsaktivität von sagen wir mal 5.000 und einer zweiten mit ca. 20.000. Der preisliche Unterschied ist enorm, doch wie sieht es in der Praxis aus, wie relevant ist das wirklich?




Monika Maleck | am 10. Dezember 2015 um 16:48 Uhr

Hallo Peter!

Es freut uns, dass Dir unser Bericht gefällt!

Eine hohe Atmungsaktivität ist vor allem dann wichtig und auch spürbar, wenn Du mit Deiner Hardshelljacke besonders aktiv unterwegs bist. Zum Beispiel beim Klettern, Bergwandern oder Radfahren – sprich dann, wenn der Körper beginnt vermehrt Schweiß zu produzieren. Dann kann man tatsächlich merken, ob die Atmungsaktivität des Gewebes sehr hoch ist, oder eben nicht. Wenn Du mit der Jacke normal spazieren gehst, wirst Du den Unterschied nicht so leicht spüren.

Allerdings möchte ich anmerken, dass mittlerweile die meisten wasserdichten Jacken mit einer Unterarmbelüftung (Reißverschlussöffnungen unter den Armen) ausgestattet sind. Diese stellt auch eine besonders effektive Möglichkeit der Belüftung dar.

Viele Grüße
Monika




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