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Am jungen Rhein - Graubünden

Autor: inMOTION Verlag, Remagen - www.best-of-wandern.de

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Am jungen Rhein- zwischen Rheinquelle und Rheinschlucht - Berg-, Tal-, und Seenwanderungen

Erst mal mit den Zehen vorfühlen - zwei drei mutige Schritte - gegenseitig nass spritzen und mit lautem Prusten hinein in den eiskalten Lai da Tuma - Himmel, ist das kalt! Unsere Blicke treffen sich kurz - ein verzerrtes breites Grinsen liegt auf ihrem Gesicht - bloß nicht als erster aufgeben. Genug! Raus aus dem Eiswasser, zurück in die wärmende Spätsommersonne und trockenrubbeln. Wow! - war das herrlich erfrischend. Wir haben in der Quelle des Rheins gebadet, wenn auch nur kurz, so doch immerhin. Das war genau das Richtige, nach der anstrengenden Bergtour auf den Piz Badus.
Am jungen Rhein- zwischen Rheinquelle und Rheinschlucht Früh am Morgen liegt der Oberalppass noch im Schatten der umgebenden Berge. Raureif bedeckt die Wiesen, eine dünne Eisschicht hat sich über die Wasserlöcher am Weg gelegt. Alles scheint noch zu schlafen, nicht mal ein Auto fährt auf der kurvenreichen Passstraße.

Stille! Nur die Schritte sind zu hören, das Tickern der Stockspitzen klingt vom harten Gotthardgranit wider. Allmählich wandern lange Sonnenfinger über die Berghänge, berühren erst nur die Spitzen, tasten sich die Hänge abwärts und berühren zaghaft das Tal. Nach einer guten halben Stunde fröstelnden Schattenwanderns tauchen wir in die Morgensonne ein.

Ein Schild weist nach oben, lenkt die Blicke auf zahlreiche Serpentinen durch steile Schrofenhänge. Jacken zurück in den Rucksack, Sonnebrille auf. Irgendwo dort oben links schmiegt sich der Lai da Tuma, der Quellsee des Rheins, in einen wilden Bergkessel. Der Weg wird steiler, felsiger.

Eine letzte Bergnase, dann liegt er vor uns. Noch halb im Schatten, eisig-schwarz, halb in der Sonne, grünblau schimmernd. Darüber baut drohend und abweisend das Tagesziel auf. Doch der Piz Badus kann sich noch so ins Zeug legen, schwierig ist sein Anstieg nirgends. Nicht einmal die berüchtigte "Schlüsselstelle" wenige Meter unter dem Gipfelkreuz kann uns abhalten, dann stehen wir überwältigt oben.

Die halbe Schweiz liegt uns zu Füßen, ganz im Westen die Walliser 4.000-er, die Berner,- und Urner Alpen, Finsteraarhorn, Jungfrau, Mönch, Galen- und Dammastock sowie Sustenhorn. Durchatmen, Puls runterfahren und umdrehen. Unsere Blicke wandern hinab zum Lai da Tuma, folgen dem jungen Rhein talwärts. Im Geiste besteigen wir den Eisdom des Tödi, zählen Gipfel um Gipfel und fragen uns, ob wir sie alle richtig bestimmen konnten. Vor uns liegen fünf weitere Tage in der Surselva, im Land am jungen Rhein, zwischen Oberalp und Chur.


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Datum: 10.05.2008

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