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Trekking durch Norwegens Winterlandschaft (Autor: Julian Wystyrk)
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Ich arbeite in Norwegen entlang der Küste und hatte das Privileg 22 Tage zur für mich richtigen Zeit frei zu haben, um mein kleines Winterabenteuer zu starten. Ende Februar bis Mitte März ist in den Fjellregionen der richtige Winter gerade auf dem Höhepunkt und die Tage werden länger.

Der Anfang in Bergen war nicht wirklich vielversprechend: Berg-typischer Dauerregen! Und die Pulka war schon ziemlich schwer mit all dem Benzin, der Verpflegung und Winterzeltausrüstung – die konnte ich unmöglich tragen, also bekam sie kurzerhand Räder! Ein kleiner Rollwagen, der mich die ganze Tour über begleitet hat. Die Busfahrt von Bergen in die Bergregionen war allerdings schon fast eine Sightseeingtour – es geht entlang tief eingeschnittener Fjorde, dunkler Täler bis nach Flåm und weiter windet sich der längste Autotunnel Europas bis hoch hinauf in die schneebedeckten Fjellgebiete. Plötzlich stehe ich in Tyinkrysset an der E16, der Verbindungsstraße zwischen Oslo und Bergen, und los geht´s. Zunächst möchte ich nach Norden, eine Runde durch Jotunheimen ziehen.

Nach ca. einer Stunde hab ich dann auch die letzten Ferienhütten hinter mir gelassen und stehe in der Wintereinsamkeit. Die ersten Tage muß ich mich erst wieder an der Gehrhythmus gewöhnen. Dazu kommt, dass die Pulka doch ziemlich schwer ist und die Anstiege recht steil. Jetzt weiß ich zumindest, warum der norwegische Wanderverein nur mit Rucksäcken auf Hüttentour unterwegs ist!! Ich treffe nur ganz wenige Menschen in diesen Tagen, es ist noch nicht die Zeit für Norweger im Fjell unterwegs zu sein – zu unbeständig ist das Wetter. Aber genau das macht ja auch den Reiz einer Winterreise aus, extreme Wetterumschwünge – Whiteout, Schneefall, starker Wind (natürlich von vorn), aber eben auch immer mal wieder Sonne.


Norwegens beeindruckende Natur


Ich genieße die Freiheit mein Zelt aufschlagen zu können wo ich gerade bin, wo es mir gefällt oder wo ich einfach nicht mehr weiter kann und möchte. Da ist es schon hilfreich, wenn die Zeltroutinen sitzen, so geht der Auf- und Abbau auch bei starkem Wind gut und ich kann mich schnell in das kleine, behagliche Reich zurückziehen. Zum Teil baue ich noch eine Schneemauer, um den Wind etwas abzumildern. Wenn dann der Kocher schnauft und fleißig Schnee für das Abendessen und den heißen Kakao schmilzt, nebenbei schon die Handschuhe trocknet, brüte ich über der Karte und überlege mir die nächste Tagesetappe. Natürlich habe ich schon recht ausführlich vorgeplant.

Dennoch passe ich die Tour jeden Tag an das Wetter und die aktuellen Schneeverhältnisse an. Gut, dass ich mir nicht auch noch Sorgen um die Hüttenöffnungszeiten machen muss, denn um diese Zeit des Jahres sind viele noch geschlossen. Die stark windigen Nächte verbringe ich nicht sonderlich ruhig. Zu sehr zottelt der Wind am Zelt, immer wieder kontrolliere ich, ob alle Abspannungen halten. Eine Nacht harre ich fertig angezogen, fast fertig gepackt im Zelt aus, immer bereit für einen Aufbruch – aber das Zelt hält!! Und es kommen auch wunderbar ruhige Zeltnächte in absoluter Stille und auch Windstille.



Unterwegs mit der Pulka


Es ist fantastisch, einfach über die Seen zu fahren, die im Sommer große Umwege erfordern. Ringsherum ragen steil die Bergflanken auf. Und ich bin glücklich, dass die meisten Routen tatsächlich schon gekvistet sind so zwei Wochen vor Ostern. Der DNT - der norwegische Wanderverein - markiert jedes Jahr ca. 4300 Kilometer Winterwege mit Zweigen/Kvisten – im ca. 50 m Abstand, so dass selbst bei Nebel und Schneegestöber die nächste Kviste noch sichtbar ist. Das macht die Orientierung um einiges leichter in dieser kleinteiligen Landschaft. Zwar habe ich Karte, Kompass und GPS-Kurs dabei, aber die Abweichungen zeigen mir doch, dass es offenbar immer wieder kleine Anpassungen gibt. Ich habe später die Chance mit jemandem zu sprechen, der diese Wege seit 52 Jahren kvistet. Er weiß genau, wo es lawinenträchtige Hänge oder offene Bachläufe unter der Schneedecke gibt. Die sind für mich nicht immer so schnell auszumachen, zumal nicht bei schlechter Sicht!

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Unterwegs ist eine Firmengruppe von Outdoor-Fachgeschäften, die ihren Ursprung 1987 in Wilhelmshaven hat. Zunächst als reines Einzelhandelsgeschäft gegründet, führte das auf Service, Qualität, Fairness und Vielfalt fußende Angebot zum schnellen Wachstum.