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Candle Light für Backpacker - Rucksacktour durch Italien (Autor: Pier Paolo Caputo?)

Verona
Ein menschenleerer Flughafen. Die Sonne brennt. Die 8,3 kg im Rucksack drücken ungewohnt auf den Schultern, während wir über staubige Straßen zur historischen Altstadt laufen. Gaukler, Parteifreunde und Stehgeiger füllen die Piazza delle Erbe ebenso wie die zahlreichen Touris, die, ein Eis in der Hand, bewundernd umher stehen und ein Foto im letzten Abendlicht ergattern wollen. Uns hingegen zieht es weiter, zum nächsten Supermercato, in dem wir uns mit Essen und Trinken eindecken. 3 Wochen liegen vor uns, da heißt es Low Budget für Backpacker.


Altstadt in Verona


Venedig
Venedig hat Tauben, Venedig hat überfüllte Vaporettis, Venedig ist teuer, Venedig ist voll mit Souvenierständen, Venedig hat Straßen mit Prada, Gucci und Armani, Venedig hat den atemraubenden Markusplatz und Bars, in denen ein Cappuccino 5 Euro kostet. Aber es gibt sie, die entzückenden Gassen, in denen Commissario Brunetti seine Mörder sucht; die menschenleeren Brücken, unter denen sich höchstens ein singender Gondoliere duckend verirrt; die alten Palazzos, unter denen die Holzpfähle faulen. Und es gibt ihn: einen versteckt gelegenen Supermercato, den wir zu unserer Verwunderung im Getümmel unüberschaubarer Gassen und Kanäle in den nächsten Tagen immer wiederfinden.


Ponte Vecchio in Florenz


Florenz
Unser Hostel liegt zentral inmitten der alten Stadt, die uns vom ersten Moment lang sofort in ihren Bann zieht. Wir können uns nicht satt sehen an den wunderschönen Palazzos, beeindruckenden Kirchen und den Piazzas, auf denen Straßenmaler ihre Kunst anbieten. Entgegen meiner ansonsten genauen Planung lassen wir uns tagelang treiben, tauchen ein in ein Labyrinth aus Werkstätten und Ateliers der Bildhauer, Papierschöpfer, Schuhmacher und Buchbinder, die uns in außergewöhnlichen Gesprächen an ihrer uralten Handwerkskunst teilhaben lassen. Unsere Abende verbringen wir ganz romantisch auf der Ponte Vecchio, der alten Brücke. Und wenn die letzten Kreuzfahrtgäste die Stadt verlassen, die Goldverkäufer ihre Holzverschläge herunter lassen und Straßenmusik erklingt, legt sich ein ganz besonderer Zauber über den majestätischen Arno.

Eine der schönsten Städte Italiens: Perugia

Perugia
Ist sie einer der schönstens Städte Italiens? Ein Ziel, für das es sich lohnt, von 3 Wochen einige Tage zu opfern? Wochenlang waren wir mit Fragen und Entscheidungen beschäftigt. Und ... wir haben es nicht bereut. Zudem waren wir skeptisch, ob es die(!) Rolltreppen gibt. Es gibt sie tatsächlich: Die Rolltreppen! Vom Bahnhof an aufwärts führen uns zahlreiche Rolltreppen durch die alte Festung, Rocca Paolina, hinauf in die Oberstadt. Nicht nur, dass wir von dort oben einen traumhaften Ausblick auf das Umland haben, der Ort selber ist architektonisch großartig. Unsere Begeisterung steigt, als wir am Abreisetag mit der Minimetro, einem einzelnen Wagon auf Schienen und Ausblick auf die Stadt wieder hinunter zu Bahnhof gefahren werden.

Das Po Delta

Porto Garibaldi - Po Delta
Pünktlich um 9.30 Uhr startet die MS Albotros vom Hafen aus in See, an den Stränden der Lidi und den ausgedehnten Abschnitten mit Muschelaufzucht entlang. Umso überraschter sind wir, dass unser weiblicher Kapitän nicht nur sicher das Boot durch das wunderschönem Naturschutzgebiet mit seinen engen, von Schilf gesäumten Po-Armen hindurch manövriert, sondern sich auch als perfekte Köchin erweist. Und so sitzen wir vor gegrillten Gambas und gebratenen Zucchini, über uns blauer Himmel und die Sonne brennt und sind mehr als zufrieden, dass wir die Eintönigkeit unseres Low-Budget-Essens mit erstklassiger italienischer Hausmannskost durchbrechen.

Sonnenuntergang und mehr in Viareggio

Viareggio
Erstmals tun wir uns schwer mit einem Ortswechsel und irren ziemlich lange herum, bevor wir unser Hostel finden und einchecken. Dass sich Freundlichkeit und niedriger Preis nicht unbedingt ausschließen, hebt unsere Stimmung gewaltig und wir bummeln begeistert über eine Traumpromenade. Der Strand ist feinkörnig und weit, das Wasser trotz der frühen Jahreszeit angenehm warm. Nach unseren notwendigen Einkäufen folgen wir dem Tip einer Einheimischen und schlendern zufrieden durch einen weitläufigen Park mit zahlreichen Fahrgeschäften und Bars hindurch. Es ist eine sehr schöne Anlage und so bleiben wir noch lange im Schatten der Bäume, bevor es uns später zum Sonnenuntergang ans Meer zurückzieht. Am nächsten Tag bringt uns der Bus zum Lago Pucchini. Dem Reiseführer zufolge ein derart schöner Fleck, der Pucchini beflügelt hat, seine schönsten Opern zu schreiben. Dem können wir nicht zustimmen. Aber wir schreiben auch keine Opern. Die Promenade ist sehr kurz, der See überschaubar und das Boot, das uns eigentlich auf die andere Seite herüberbringen sollte, kaputt. Tja...

Die ewige Stadt Rom

Rom
Für wenig Geld fährt uns ein klappriger IC zu unserem letzten Ziel. Draußen sind es 38 Grad, die Klimaanlage im Zug ist defekt und so strömt unser schweiß genauso schnell wie die Menschenmassen auf dem Bahnhof Rom Termini. Venedig war zauberhaft, Florenz hat uns begeistert, Viareggio hat entspannt. Und was werden wir über Rom sagen? Tage später stehen wir wieder in einem Supermercato. Meine Füße brennen in den Wanderschuhen. Auf dem Petersplatz haben wir gestanden, die Aura des Papstes gespürt, aber auch die urlangen Warteschlangen vor der Sixtinischen Kapelle registriert; auf dem Weg durch das Forum Romanum die alten Römer gefühlt, bevor uns das Colosseum mit seinem Ausmaßen an Begeisterung erschlug; unser Kleingeld durften wir behalten, denn der Trevibrunnen wurde restauriert; wir sind durch die Via Condotti, der Modemeile Roms, hindurch flaniert und haben die 138 Stufen der spanischen Treppe erklommen und von oben die Aussicht genossen. Fazit: Rom ist weder zauberhaft, noch begeisternd, noch entspannend. Rom ist ein grandioses Chaos inmitten antiker überdimensional riesiger Bauwerke, ein Chaos, das auf keinen Fall zu Fuß erkundet werden sollte.

Ein letzter Abend, der letzte Einkauf im Mercato und wie so oft sitzen wir auf einer Bank und packen unsere Einkäufe aus. "Hätten wir irgendetwas anderes machen sollen?", fragt mein Paolo und sieht mich dabei unsicher an. Ich schüttel überzeugt mit dem Kopf. Nein, wir brauchten keinen Luxus, keinen Stern, keinen samtbezogenen Sessel und auch keinen Kellner; jede Minute war einfach nur alles richtig und gut. Ich verteile das Brot mit dem Käse, dazu die Tomaten und ein Tretapack Rotwein trinken wir noch dazu.
Die Sonne geht unter und die Straßenlaternen an.

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